Opfer wurde lebensgefährlich verletzt

Nach Messerangriff in Kasseler Tram: Polizei hat Verdächtigen festgenommen

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Mit diesem Foto suchte die Polizei nach dem Messerstecher (Unkenntlichmachung von uns).

Der Messerstecher, der am Silvestertag in einer Regiotram der Linie 1 einen anderen Fahrgast schwer verletzt hat, ist noch auf freiem Fuß. Nach Angaben der Polizei wird weiter nach dem Täter gefahndet.

Der Artikel wurde am 8. Januar aktualisiert - Die Polizei konnte den mutmaßlichen Messerstecher in Gießen festnehmen. Alle Infos dazu gibt es hier. Da die Fahndung damit beendet ist, haben wir das Fahndungsfoto unkenntlich gemacht.

Ursprünglicher Artikel:

Nach der Veröffentlichung eines sehr gut erkennbaren Fahndungsfotos aus der Regiotram, die zum Tatzeitpunkt in der Kasseler Nordstadt unterwegs war, hat die Polizei seit Freitag zwar einige Hinweise auf die Identität des Mannes bekommen. Wo der Verdächtige sich aufhält und ob er überhaupt noch in Deutschland sei, sei derzeit aber noch unklar, sagte ein Sprecher des Polizeipräsidiums Nordhessen am Sonntag auf Nachfrage der HNA.

Ein unbekannter Mann hatte nach einem Streit einen 38-jährigen Mann aus Kassel in einer Regiotram mit einem Messer in den Bauch gestochen und war an einer Haltestelle aus der Bahn geflüchtet. Zu der versuchten Tötung kam es am Silvestertag. Das Opfer kam mit schweren Verletzungen in ein Krankenhaus und musste notoperiert werden.

Die Regiotram der Linie 1 war auf der Holländischen Straße stadtauswärts unterwegs, als es zwischen den Haltestellen Hauptfriedhof und Wiener Straße, gegen 13.15 Uhr zu der Tat kam. Zuvor habe der Täter gegen die Tür der Regiotram gespuckt und war von dem späteren Opfer höflich auf sein Fehlverhalten angesprochen worden. Im weiteren Verlauf des Streitgesprächs habe der Täter ein Klappmesser hervorgeholt und damit dem 38-Jährigen gegen den Kopf geschlagen und dann in den Oberkörper gestochen, so Polizeisprecher Jürgen Wolf.

Fahrgäste forderten den Täter lautstark auf, sein Tun zu unterlassen, woraufhin der Unbekannte an der Haltestelle Wiener Straße die Bahn verließ und in Richtung Helmholtzstraße flüchtete. Eine sofort eingeleitete Fahndung der Polizei verlief bislang ohne Erfolg. Das Opfer ist nach der Notoperation mittlerweile außer Lebensgefahr. Der Mann befindet sich aber weiterhin im Krankenhaus.

Zeugen beschreiben den Täter wie folgt: Männlich, ca. 25 bis 30 Jahre alt, 1,70 bis 1,75 Meter groß, schlanke Statur, kurze braune Haare, 3-Tage-Bart; bekleidet mit roter Jacke, blauer Jeans, einem gestreiften Pullover und einem schwarzen Schal. Er sprach Deutsch mit Akzent. Hinweise: Tel. 0561/9100

Fahndung mit Täter-Foto

Ein so gutes Fahndungsfoto aus einer Überwachungskamera hat man selten gesehen. Der Täter, der auf den 38 Jahre alten Mann in der Regiotram einstach und ihn lebensgefährlich verletzte, ist gut zu erkennen. Darum hofft die Polizei nun, ihn schnell zu fassen. Das Bild entstand offensichtlich unmittelbar vor der Messerattacke. Der Täter hat in der rechten Hand das Messer. 

Die Tat ereignete sich schon an Silvester. Polizei und Staatsanwaltschaft veröffentlichten den Fall aus ermittlungstaktischen Gründen aber erst am heutigen Freitag. Die Polizei sucht jetzt mit dem Fahndungsfoto mit Hochdruck nach dem Mann in der roten Jacke.

In einer Regiotram in Kassel wurde ein Mann lebensgefährlich verletzt. Die Tat ereignete sich zwischen den Stationen Hauptfriedhof und Wiener Straße. Es handelt sich um ein Symbolfoto.

„Kameras gibt es in allen Regiotrams“, bestätigt NVV-Sprecherin Sabine Herms. Insgesamt sind vier in jedem Fahrzeug angebracht, sodass Bilder aus dem gesamten Fahrgastraum aufgenommen werden. Das Material werde nach 72 Stunden unwiderruflich gelöscht – aus Datenschutzgründen. Auch würden die Dateien im Regelfall nicht angesehen. Sicherheitsbehörden könnten aber auf Antrag, wie in diesem Fall auch, Einblick in die Aufnahmen bekommen, so Herms. 

Das komme immer mal wieder vor – häufiger bei Diebstählen. Beispielsweise wenn Fahrgäste in der Bahn einschlafen und dabei bestohlen werden. Aber auch bei Pöbeleien werde oft das Videomaterial von der Polizei ausgewertet. An einen so schweren Fall könne sie sich aber nicht erinnern, sagte Sabine Herms. 

Erste Veröffentlichung eines Fahndungsfotos aus KVG-Bahn

„Auch in den Straßenbahnen der KVG gibt es Kameras“, bestätigt KVG-Sprecherin Heidi Hamdad. Außer in den älteren Hochflurbahnen, die zum Einstieg Stufen haben und nicht im regulären Linienverkehr eingesetzt würden. Es sei allerdings nicht so, dass man sich live auf eine Kamera aufschalten könne. Das Material würde von der Polizei nur auf Antrag gesichtet. Es werde mindestens 24 Stunden, maximal aber 72 Stunden gesichert und dann gelöscht. 

Der Fall am Silvestertag ist laut KVG der erste, bei dem ein Fahndungsfoto aus einer Bahn von der Polizei veröffentlicht wird. „Uns ist bislang kein vergleichbarer Vorfall bekannt“, so Heidi Hamdad. Bilder aus Überwachungskameras in Ladenzeilen, Bankfilialen oder Tankstellen sind Standard. Eine Aufnahme aus einer Bahn sei aber doch eher ungewöhnlich. „Vielen ist nicht bewusst, dass es auch in den Straßenbahnen Kameras gibt“, sagt Hamdad. 

Polizei hofft auf Hinweise und zeigt sich optimistisch

Der Fahrer der Regiotram der Linie 1 hatte am vergangenen Montag nach der Tat die Leitstelle verständigt, die unmittelbar die Polizei alarmiert habe. Über die Zahl der Fahrgäste, die sich während der Streits in der Regiotram befunden haben, konnte die Regiotram-Gesellschaft keine Angaben machen. Das Fahrzeug sei umgehend von der Polizei beschlagnahmt und im Betriebshof an der Sandershäuser Straße untersucht worden. Die Regiotram-Gesellschaft betreibt die Regiotramlinien von Kassel nach Wolfhagen, Melsungen und Hofgeismar. „Videoüberwachung ist mittlerweile in vielen Bereichen alltäglich“, bestätigt auch Polizeisprecher Jürgen Wolf. „In diesen Bereichen unterstützt die Technik unsere Ermittlungen.“ 

Immer häufiger würde die Polizei bei Fahndungen auf die Bilder aus Überwachungskameras zurückgreifen können. Oftmals sei aber das Problem, dass die Bilder von schlechter Qualität seien. „Deshalb der Appell, wenn man eine Kamera installiert, dann sollte man auch darauf achten, dass die Qualität der Bilder entsprechend hoch ist“, sagt Wolf. Im aktuellen Fall sei das Fahndungsfoto glücklicherweise von entsprechend hoher Qualität. Die Polizei ist daher optimistisch, dass es schnell Hinweise auf den Täter geben wird.

Haltestelle Wiener Straße: Hier stieg der mutmaßliche Täter aus

Aus dem Archiv: Mann bedrohte Fahrgäste in Kasseler Straßenbahn mit einem Messer

Videokameras für die gesamte Kasseler Königsstraße geplant

Zum ersten Mal hofft die Polizei, einen Straftäter durch Bilder von einer Überwachungskamera in einer Regiotram festnehmen zu können (siehe oben). Um die Innenstadt sicherer zu machen, ist die Videoüberwachung in der Kasseler Innenstadt ein Lieblingsthema von Oberbürgermeister Christian Geselle (SPD).

Er möchte, dass etwa die gesamte Königsstraße von Kameras überwacht wird. Das könnte frühestens 2020 der Fall sein, wenn der Umbau der Oberen Königsstraße beendet ist. Im Frühjahr 2020 soll der Baumbereich zwischen Königsstraße und Friedrichsplatz neu gestaltet werden. Dann könnten dort auch die letzten Kameras aufgehängt werden.

Kassels Oberbürgermeister Christian Geselle möchte, dass etwa die gesamte Königsstraße von Kameras überwacht wird.

Wie viele Videokameras letztlich die Königsstraße überwachen werden, ist noch unklar. Fest steht dagegen, dass mit dem Umbau der Einkaufsmeile die technischen Voraussetzungen für die Kameras geschaffen werden.

In der Vergangenheit hatte auch der Städte- und Gemeindebund gefordert, mehr Videokameras auf öffentlichen Plätzen zu installieren. Tenor: Das Sicherheitsgefühl der Bürger müsse in Zeiten von Terrorgefahr und wachsender Alltagskriminalität gestärkt werden.

In Kassel gibt es im Bereich Untere Königsstraße schon Videokameras. Eine Kamera überwacht den Kreuzungsbereich am Stern, zwei weitere Kameras gewährleisten die Kontrolle der Unteren Königsstraße.

Insgesamt gibt es im öffentlichen Bereich in der Stadt Hunderte Videokameras. So überwacht die KVG mehrere ihrer 429 Haltestellen mit Kameras. Im Bahnhof Wilhelmshöhe gibt es eine Videoüberwachung der Bahnsteige. An einigen Kasseler Schulen findet eine Überwachung nach Schulschluss statt. Auch Parkhäuser und sämtliche Museen in Kassel sind mit Videokameras ausgestattet. Im Kasseler Auestadion sind Kameras installiert. In den Banken gehören die Videokameras zum Inventar. Die Installation von mehr Videokameras in der Stadt war von verschiedenen Seiten heftig kritisiert worden. (Von Frank Thonicke)

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