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„In Branche mit hohem Risiko unterwegs“: So trifft die A7-Sperrung Speditionen in Nordhessen

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Von: Axel Schwarz, Kai Struthoff

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Die Sperrung der A7 kostet Speditionen in Nordhessen Zeit und Geld. Doch wie hart es die Transportunternehmen trifft, hängt auch vom Standort ab.

Kassel/Guxhagen/Bad Hersfeld - Für Transportunternehmen ist die weiträumige Sperrung auf der Autobahn A7 eine einsatzplanerische Herausforderung, die eng getaktete Lieferzeit sowie auch Geld kostet. Wir haben uns umgehört.

Ellen Kördel-Heinemann von der Spedition Kördel in Guxhagen (Schwalm-Eder-Kreis) mit fünf deutschen Niederlassungen rechnet vor: Über eine Stunde Fahrzeit mehr auf Deutschlands wichtigster Nord-Süd-Verbindung, entsprechend höherer Spritverbrauch und Zeitaufwand, weswegen dann andere Frachten warten müssen – das bleibe nicht ohne finanzielle Folgen, sagt die Unternehmerin. Zu Vertragsstrafen oder sonstigem Ärger mit Kunden wegen nicht eingehaltener Lieferzeiten habe das Autobahn-Ungemach allerdings noch nicht geführt.

Für viele der 150 Lkw, die dem nordhessischen Stammsitz zugeordnet sind, liege der gesperrte Autobahnabschnitt auf deren täglichen Routen. „Wir haben das Nadelöhr ja praktisch vor der Haustür“, sagt Ellen Kördel-Heinemann, deren Betrieb direkt an der A7-Abfahrt Guxhagen liegt. Unfälle, die eine Sperrung zur Folge haben, gehören zum Fernfahrer-Alltag, weiß die Spediteurin. Einen Vorfall wie diesen, mit diesen Auswirkungen, habe sie aber in 40 Berufsjahren nicht erlebt.

Spezialfahrzeuge reinigen die Fahrbahn der Autobahn 7.
Spezialfahrzeuge reinigen die Fahrbahn der Autobahn 7. © Swen Pförtner/dpa

A7-Sperrung und die Folgen: Spedition aus Nordhessen fürchtet um Image des Fernfahrerberufs

Über mögliche Ursachen und Zusammenhänge will Kördel-Heinemann nicht spekulieren. Der Vorfall führe allerdings vor Augen, „dass wir in der Branche alle mit hohem Risiko unterwegs sind“. Die Spediteurin hat vor allem Sorge, dass das Image von Fernfahrern, die händeringend gesucht würden, durch den Vorfall auf der A7 einen Dämpfer bekommt.

Jörg Höfer, Geschäftsführer der Spedition Rettberg in Kassel, erlebt derzeit jeden Morgen selbst, womit sein Fahrpersonal klarkommen muss. Höfer pendelt vom südniedersächsischen Scheden nach Kassel: „Normalerweise dauert das 25 Minuten.“ Am Mittwoch hat Höfer eineinviertel Stunden länger gebraucht, um zur Arbeit zu kommen, am Dienstag gar zwei Stunden und 15 Minuten mehr. Für die Rettberg-Lastwagen seien derzeit „die Rückwege aus Richtung Norden relativ zeitaufwendig“, sagt der Speditionschef. Bei gut der Hälfte der täglichen Touren liege der gesperrte A7-Abschnitt auf der Route. Dabei setze die Firma auf die Trucker-Kompetenz ihrer Fahrer, die je nach Lade- oder Lieferadresse „schon mal Ausweichstrecken kennen“, sagt Höfer.

Auch von der Sperrung der A7 betroffen: Der Buchgroßhändler Libri in Bad Hersfeld.
Auch von der Sperrung der A7 betroffen: Der Buchgroßhändler Libri in Bad Hersfeld. © Robin Kemmsies/nh

A7-Sperrung trifft Transportunternehmen in Nordhessen - Weniger Probleme in Kassel und Bad Hersfeld

Bei der Spedition Schmelz in Kassel betrifft das laut Disponent Dieter Pfennig täglich etwa 10 bis 15 von insgesamt 60 Lkw, die das Betriebsgelände in Bettenhausen anfahren. Da komme es „teilweise zu Verzögerungen“, berichtet Pfennig. Der Zeitfaktor sei das Wesentliche an der Sache, die er aber insgesamt gelassen nimmt: „Das ist schon ein wenig lästig, aber davon geht die Welt nicht unter.“

Eine ähnliche Stimme gibt es aus dem Amazon-Logistikzentrum in Bad Hersfeld: „Auf unsere Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen hat das keine spürbaren Auswirkungen, weil Göttingen nicht deren Einzugsgebiet ist. Ansonsten arbeiten wir mit erfahrenen Transportunternehmen zusammen, die es gewohnt sind, sich auf solche Situationen einzustellen. Daher erwarten wir keine wesentlichen Einschränkungen“, sagt Amazon-Sprecher Thorsten Schwindhammer.

Anders sieht es der Buchgroßhändler Libri aus Bad Hersfeld: „Verlängerte Fahrtzeiten führen natürlich auch zu verspäteten Ankünften, für uns ist das eine sehr unschöne Situation“, sagt Jörg Paul von der Geschäftsleitung. Libri beliefert aus Bad Hersfeld fast alle Buchhandlungen in Deutschland über Nacht. „Wir versuchen, die gesperrte Autobahn weiträumig zu umfahren, setzen Zusatzfahrzeuge ein und meiden die Stoßzeiten, dennoch trifft uns diese Sperrung hart.“ (Kai Struthoff/Axel Schwarz)

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