Türke muss sich in Berufungsverhandlung verantworten

Unfälle am Großen Kreisel in Kassel provoziert: „Kreisel-Crasher“ gesteht

Schwieriges Pflaster für viele Autofahrer: Unsicherheit im Großen Kreisel nutzte ein 34-jähriger Kasseler aus, indem er drei Unfälle provozierte und 5600 Euro von den Versicherungen der anderen Autofahrer kassierte. Dafür kassierte er zweieinhalb Jahre Haft. Foto: Rampfel

Kassel. Im ersten Prozess vor dem Kasseler Amtsgericht hatte ein als „Kreisel-Crasher“ bekannt gewordener 34-jähriger Türke noch bestritten, Unfälle im Großen Kreisel bewusst herbeigeführt zu haben.

Inzwischen räumt er die Taten ein, möchte aber statt der in der ersten Instanz ausgeurteilten Freiheitsstrafe von zweieinhalb Jahren nun eine Bewährungsstrafe haben.

Deshalb hat er Berufung eingelegt, die Verteidiger Nikolaus Krebsbach-Noske aber ausschließlich auf das Strafmaß beschränkte. Der im Urteil des Amtsgerichts festgestellte Sachverhalt wird nicht länger bestritten, sodass der Prozess nicht komplett neu aufgerollt werden muss.

Krebsbach-Noske möchte erreichen, dass die drei provozierten Unfälle rechtlich nicht mehr als gefährliche Eingriffe in den Straßenverkehr bewertet werden. Weil die Schäden der Unfallgegner von deren Versicherungen beglichen wurden, seien ihnen höchstens Nachteile durch niedrige Schadensfreiheitsrabatte und höhere Versicherungsprämien entstanden. Die aber lägen unterhalb der Geringfügigkeitsgrenze, sodass eine Bewährungsstrafe für seinen Mandanten möglich wäre.

Bei Richter Reichhardt von der 7. Strafkammer des Landgerichts und der Anklägerin, Staatsanwältin Richter, stieß diese Argumentation gestern auf einige Skepsis. Immerhin, so sagten beide, kämen ja auch noch die angerichteten Schäden an den Autos der Unfallgegner hinzu, sodass von Geringfügigkeit keine Rede sein könnte. Zudem sei bei einem Unfall ein Autoinsasse verletzt worden.

Vor dem Amtsgericht hatte ein Unfallgutachter detailliert ausgeführt, dass der Angeklagten mit seinem alten Audi A4 mit bis zu 80 km/h im Großen Kreisel unterwegs gewesen sei und mit starken Lenkereinschlägen hin zu den anderen Autos in drei Fällen Karambolagen willentlich herbeigeführt hat.

Der Angeklagte hatte im Oktober 2016 vor dem Amtsgericht behauptet, er sei nie schneller als 30 km/h gefahren, die Unfälle seien jeweils durch Unachtsamkeit der anderen Autofahrer verursacht worden.

Entgegen den Behauptungen des Angeklagten sei der Audi auch nie repariert worden, hatte der Gutachter damals festgestellt.

Gleichwohl hatte der Mann 5600 Euro von den Versicherungen der drei Unfallgegner kassiert, um damit seinen Lebensunterhalt zu bestreiten. Der bereits wegen einer Nötigung im Straßenverkehr vorbestrafte Mann hatte nach Einschätzung des Amtsgerichts eine „erhebliche kriminelle Energie“ entwickelt, zweieinhalb Jahre Haft und zwei Jahre keine Teilnahme am Straßenverkehr seien dafür eine angemessene Strafe.

Ein neues Urteil gab es gestern in der Berufungsverhandlung nicht. Richter Reichhardt will noch Unfallgutachter der Versicherungen anhören. Die Verhandlung geht am Montag, 18. September, um 9 Uhr in Saal E 218 weiter.

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