Folgenreiche Wurstautomaten-Fotografien

Nach Unfall im IC-Bahnhof: DB prüft Ansprüche auf Schadensersatz

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Folgenreiche Fotoaufnahmen von Wurstautomaten: Ein Verlängerungskabel, das für die Beleuchtung gedacht war, fiel auf die Oberleitung des Gleises 3. Foto:  Malmus

Kassel. Es sollten Aufnahmen von einem Automaten mit Hausmacherbratwurst und Stracke werden. Doch die Arbeit eines Fotografen am IC-Bahnhof Wilhelmshöhe führte am Dienstag zu einem Oberleitungsschaden und stundenlangen Ausfällen. Wer aber haftet jetzt? Und was sagt der Fotograf dazu?

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Die Bilder sollten im Kasseler Gourmetmagazin EssensArt erscheinen. Aber anstatt nur den Snackautomaten mit den Würsten samt Metzger Thomas Koch aus Calden im IC-Bahnhof Wilhelmshöhe abzulichten, hatte der Fotograf am Dienstagnachmittag einen folgenreichen Kurzschluss verursacht: Das Verlängerungskabel, das er für seine Beleuchtung benötigte, löste sich und fiel auf die 15 000-Volt-Oberleitung über einem ICE auf Gleis 3.

Folge: Die Oberleitung krachte auf den Zug, mit dem 400 Reisende in Richtung Hamburg fahren wollten. Die konnten ihn allerdings erst nach einer Stunde verlassen. Die Zugtüren ließen sich vorher nicht öffnen, weil der Strom aus Sicherheitsgründen von der Oberleitung genommen werden musste.

Nach Angaben von Rainer Paul, Einsatzleiter bei der Bundespolizei, hatten bundesweit 79 Züge wegen des Vorfalls insgesamt 1452 Minuten Verspätung. 13 Züge mussten umgeleitet werden. Das Gleis 3 musste zwischen dem Kurzschluss um 14.42 Uhr bis 19.35 Uhr gesperrt werden. Nachbargleis 4 sei nur eine Stunde dicht gewesen. Die Bundespolizei ermittelt wegen eines gefährlichen Eingriffs in den Bahnverkehr.

Bahn prüft Schadensersatzansprüche

Am Dienstagabend hatte ein Bahnsprecher noch mitgeteilt, dass der Fotograf die Aufnahmen ohne Genehmigung gemacht hatte. Die genannte Schadenssumme von 3000 Euro wollte man bei der Bahn am Mittwoch allerdings nicht bestätigen. Schließlich hätten Reisende ein Jahr Zeit, um sich die Fahrkarte wegen Verspätungen erstatten zu lassen. „Nächstes Jahr wissen wir mehr“, sagte ein Sprecher. Derzeit werde bei der Bahn noch geprüft, ob man Schadensersatzansprüche an den Fotografen stellen werde.

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Monika Schick, Geschäftsführerin der Kasseler Firma Lebensart, die das Gourmetmagazin EssensArt herausgibt, erklärte auf Anfrage der HNA, dass sie einen freien Fotografen aus Kassel mit den Aufnahmen von dem Wurstautomaten im Bahnhof beauftragt habe. Ob dieser sich dafür eine Genehmigung besorgt habe, sei seine Angelegenheit. Ebenso müsse sich der Mann als Selbstständiger um eine Betriebshaftpflichtversicherung kümmern.

Laut Schick soll der Bericht über Metzger Thomas Koch und seine Automaten übrigens in Ausgabe 5 des Magazins erscheinen, das am 25. August in Druck gehen soll. Der Fotograf, der die Aufnahmen im Bahnhof gemacht hat, will namentlich nicht genannt werden und sich auch nicht gegenüber der HNA zu dem schwebenden Verfahren äußern.

Metzger Koch, der während des Kurzschlusses neben dem Wurstautomaten stand und einen Riesenschreck bekommen hat, ist nur „heilfroh, dass niemandem etwas passiert ist“. (use)

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