Fragen und Antworten Kasseler Fall

Nach Unglück mit fahrerlosem Bus: Warum Unfälle dieser Art derart selten sind

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Der Bus beschädigte eine Werbetafel, einen Zaun und einen Stromkasten. Zuvor war er Fahrerlos losgerollt.

Ein geparkter Reisebus macht sich am Sonntag in Kassel ohne Insassen selbstständig und rollt quer über die Wolfhager Straße. Dazu Fragen und Antworten.

Was ist vorgefallen?

Wie die Polizei mitteilt, rollte der Reisebus gegen 16.30 Uhr los. Er war in Höhe der Feuerwehr geparkt. Dabei überquerte er die Wolfhager Straße und rammte auf einem kleinen Grünstreifen einen Zaun, eine Werbetafel und einen Sicherungskasten. Verletzt wurde niemand. Auf seiner Irrfahrt überquerte der Bus drei Fahrspuren in Richtung Holländischer Platz sowie zwei Fahrspuren Richtung Rothenditmold. Zudem rollte er noch ein Stück über den Gehweg.

Dass niemand auf der viel befahrenen Straße verletzt wurde, nannten die Beamten einen Glücksfall. Es entstand ein Schaden von etwa 20.000 Euro, teilt die Polizei mit. Mitarbeiter der Städtischen Werke mussten den Stromverteilerkasten reparieren. Darum schalteten sie in diesem Bereich für etwa eine Stunde lang den Strom ab. Der Bus blieb fahrtüchtig und musste nicht abgeschleppt werden.

Diesen Weg legte der Bus am Sonntag fahrerlos zurück.

Wieso rollte der Bus davon?

Laut Polizeiangaben vergaß der aus Frankfurt stammende Fahrer, einen Gang einzulegen. Der Bus verfügt über eine manuelle Gangschaltung. Trotz der gezogenen Handbremse rollte er los. Als der Bus sich in Bewegung setzte, befand sich der Fahrer gerade in einer nahegelegenen Gastwirtschaft. Ein solcher Vorfall sei höchst ungewöhnlich, sagt Arnold Diebel, Kasseler Niederlassungsleiter der Prüfgesellschaft Dekra.

Um welchen Typ von Reisebus handelt es sich?

Laut Polizei handelt es sich um einen 14 Jahre alten Reisebus des Models Travego mit der Typenbezeichnung O 580. Dieser wird von EVO, einer Tochtergesellschaft von Mercedes Benz, hergestellt. Er ist zwölf Meter lang und hat ein zulässiges Gesamtgewicht von zwölf Tonnen. Je nach Ausführung können bis zu 51 Fahrgästen transportiert werden.

Handelt es sich um technisches Versagen?

Ein Defekt kann ausgeschlossen werden, teilt die Polizei mit. Der 55-jährige Fahrer gab am Unfallort zu, den Bus nicht ausreichend gegen das Wegrollen gesichert zu haben.

Wie sind Busse generell gegen Weiterrollen gesichert?

Busse verfügen über eine Feststellbremse. Das ist der technische Ausdruck für die Handbremse, sagt Diebel. Da Busse wesentlich schwerer sind als Autos, wird diese Bremse durch ein Druckluftsystem unterstützt. Der Fahrer zieht einen Hebel an, Druckluft schiebt eine Feder zusammen, die die Bremsbeläge an die Bremsscheibe drückt. Dieses System nennt man Federspeicherbremse. Um hundertprozentige Sicherheit gegen das Wegrollen zu gewährleisten, muss der Fahrer einen Gang einlegen. Dies teilte der ADAC auf Anfrage mit. Trotzdem sei ein solcher Unfall wie am Sonntag sehr unwahrscheinlich. Auch gegen ein Versagen sind die Bremssysteme gesichert, sagt Diebel. Kommt es zum Luftverlust, blockiert die Bremse automatisch. Die Weiterfahrt sei dann unmöglich.

Wie oft müssen Busbremsen technisch überprüft werden?

Ein Bus muss jedes Jahr zur Hauptuntersuchung, so Diebel. Wenn ein Bus älter ist als zwei Jahre, stehen zusätzlich noch drei weitere Überprüfungen pro Jahr auf dem Plan. Diese nennt man Bremssonderüberprüfung. Dabei werden besonders die Bremsen und auch die Feststellbremse auf einem Prüfstand untersucht, dies geht aus ADAC-Informationen hervor. Somit werden Busse alle drei Monate geprüft. Damit soll sichergestellt werden, dass auch ältere Busse einwandfrei funktionieren, heißt es.

Führerloser Bus verursacht Unfall in Kassel

Busunfall in Kassel
 © Hessennews.tv
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Karte: Hier geschah der Unfall mit dem fahrerlosen Bus

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