Attacke mit Stöckelschuhen: Trat sie ihrem Freund ins Gesicht? 

Kassel. So ähnlich wie das, was da an den Füßen der Angeklagten steckt, muss man sich wohl auch das Corpus Delicti vorstellen. Turmhoch und nadelspitz sind die Absätze, auf denen die 25-Jährige in den Gerichtssaal stakst.

Die Waffen einer Frau: Mit solchem Schuhwerk soll die junge Kasselerin ihrem Freund ins Gesicht getreten haben – im fahrenden Auto. Weswegen der 29-Jährige einen Unfall verursachte.

So jedenfalls stand es in der Anklage, die die junge Frau vors Amtsgericht führte. Und ihren getretenen Freund gleich mit: wegen Unfallfluchts. Verurteilt aber wurde am Ende nur der junge Mann: 800 Euro Geldstrafe (40 Tagessätze à 20 Euro) muss er zahlen, weil er unmittelbar nach jenem nächtlichen Crash im August 2010 wieder in seinen Audi A6 gestiegen war – obwohl ihm die Polizei gerade den Führerschein abgeknöpft hatte.

Die Hauptvorwürfe der Stöckelschuhattacke (die in der Anklage als „gefährlicher Eingriff in den Straßenverkehr“ gewertet worden war) und der Fahrerflucht aber wurden eingestellt. Denn das Paar, das sich in jener Sommernacht bei der Polizei noch gegenseitig beschuldigt hatte, hat sich wieder vertragen – und spielte das Geschehen vor Gericht händchenhaltend herunter.

„Wir haben uns ganz normal gestritten“, verkündete der 29-Jährige. Naja, vielleicht doch „ein bisschen extrem“. Lautstark und heftig halt. Aber Tritte? Niemals. Und die Wunde in seinem Gesicht, die er damals dem messerscharfen Absatz seiner Freundin zugeschrieben hatte? „Vielleicht ein Kratzer vom Fingernagel“. Von einer bloßen „Ohrfeige“ spricht die 25-Jährige. „Und außerdem war ich betrunken.“

Mit quietschenden Reifen und aufheulendem Motor war die schwarze Limousine von der Holländischen Straße in eine Seitenstraße eingebogen und mit einem Knall gegen einen geparkten VW Passat gestoßen. Beide Angeklagten wollen vom Unfall nichts bemerkt haben. Und das, bestätigte ein Kfz-Sachverständiger, könne durchaus sein: wegen des Lärms, den die Streitenden im Wagen veranstalteten, wegen des laufenden Radios. Und wegen der Vollbremsung, die der 29-Jährige hingelegt hatte, um seine Freundin aus dem Auto zu werfen.

Der Polizeistreife, die nur wenig später eintraf, erzählte die Frau, sie sei von ihrem Freund „zusammengeschlagen“ worden. Dem Mann, den die Beamten daraufhin aus der gemeinsamen Wohnung des Paares holten, wurde erst Blut und dann, weil er leicht alkoholisiert war, auch die Fahrerlaubnis abgenommen. Knapp eine Stunde später aber wurde der 29-Jährige am Steinweg geblitzt. Er habe, erklärte er vor Gericht, nur schnell sein Auto in Sicherheit bringen wollen – vor seiner Freundin. Denn die habe mit weiteren Attacke gedroht. Und diesmal nicht gegen ihn, sondern gegen den Audi. (jft)

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