Wildschweine erobern Wälder

Unfallgefahr: Im Habichtswald gibt es so viel Schwarzwild wie seit Jahren nicht  

Theo Arend

Kassel. In diesem Jahr gibt es in Stadt und Landkreis Kassel so viele Wildschweine wie seit Jahren nicht mehr. Der milde Winter im vergangenen Jahr, in dem auch schwache Frischlinge überlebt haben, die bei normalen Witterungsverhältnissen gestorben wären, sowie ein reichhaltiges Nahrungsangebot (Maisfelder und eine üppige Bucheckernmast im Wald) haben zu der hohen Population geführt.

Die Zahl der Wildunfälle wird daher auch in diesem Jahr wieder auf einem hohen Niveau bleiben. Ebenso der Schaden, den die Wildschweine in der Landwirtschaft anrichten.

Theo Arend, stellvertretender Chef des Forstamts Wolfhagen, geht davon aus, dass die Wildschweinpopulation derzeit so hoch wie das letzte Mal vor fünf Jahren ist. Genaue Zahlen gibt es nicht, der Förster schätzt allerdings, dass sich im 4000 Hektar großen Habichtswald 500 bis 600 Wildschweine tummeln.

Die Population schätzen die Förster anhand der erlegten Tiere. Obwohl die Jagdsaison demnächst erst richtig losgeht, sind im Bereich des Forstamtes Wolfhagen in diesem Jahr bereits 80 Wildschweine gestreckt worden. Arend geht davon aus, dass es bis Jahresende um die 200 Tiere werden könnten. Zuletzt seien 2010 so viele Schweine erlegt worden (2012 und 2013: je 140 Tiere). Aufgrund des Schweinzyklus, der sich alle vier bis fünf Jahre wiederhole, gebe es für Wildschweine auch keinen Bejagungsplan, sondern man passe sich den Gegebenheiten an.

Hintergrund:

Wildunfälle vermeiden

Diese Tipps gibt die Kasseler Polizei für den Straßenverkehr:

• Halten Sie sich stets an die Regeln der Straßenverkehrsordnung.

• Achten Sie verstärkt auf das Verkehrszeichen 142 „Wildwechsel“.

• Seien Sie immer besonders aufmerksam, wenn Sie durch bewaldetes Gebiet fahren. Fahren Sie vorausschauend und seien Sie hier stets bremsbereit.

• Passen Sie Ihre Geschwindigkeit an.

• Blenden Sie eingeschaltetes Fernlicht sofort ab, wenn Wild auftaucht.

• Weichen Sie bei Gefährdung des Gegenverkehrs nicht aus. Besser stark abbremsen, Lenkung festhalten, hupen und eine Kollision mit dem Wild in Kauf nehmen.

• Rechnen Sie mit weiteren Tieren.

• Sollte es zu einer Kollision gekommen sein:

- Warnblinkanlage und Licht einschalten.

- Unfallstelle absichern.

- Warndreieck aufstellen.

- Verständigen Sie die Polizei über den Notruf 110.

- Kennzeichnen Sie die Anstoßstelle (Kreide im Verbandkasten).

- Berühren Sie ein verletztes Tier nicht: unberechenbare Reaktionen und Gefahr der Tollwutinfektion.

Laut Arend gibt es vier legitime Gründe für die Jagd: Um Seuchen zu vermeiden (in benachbarten Bundesländern sei die Schweinepest vorgekommen), um Wildunfälle und hohe Schäden in der Landwirtschaft zu verhindern und um ein Nahrungsmittel zu gewinnen. Im Waldladen des Forstamtes (gegenüber dem Golfplatz) wird das Wildfleisch verkauft. Arend bittet in diesem Zusammenhang die Bevölkerung um Verständnis: In nächster Zeit würde es im Habichtswald wegen Jagden zu Absperrungen kommen. Er bittet die Menschen, auf den Wegen zu bleiben und Hunde an die Leine zu nehmen.

Das gilt natürlich auch für den Reinhardswald und den Kaufunger Wald: Landwirt Horst Lotzgeselle, der seinen Betrieb in Söhrewald-Wattenbach hat, vertritt die Ansicht, dass noch viel mehr Schwarzwild bejagt werden müsste. Seit dem Jahr 2011 hätten die Wildschäden enorm zugenommen. Damals habe es für die Jagdpächter neue Verträge gegeben, in denen die zu zahlende Summe für Wildschäden gedeckelt worden sei. Sobald diese Summe erreicht worden sei, gebe es für die Jäger keinen Anreiz mehr, Wildschweine zu strecken. Für die weiteren Schäden müsse dann die Jagdgenossenschaft aufkommen.

Allein in der Gemeinde Wattenbach hätten Wildschweine im vergangenen Jahr auf Wiesen und Feldern Schäden von 8000 Euro angerichtet. Lotzgeselle geht davon aus, dass der Schaden in diesem Jahr genauso hoch ausfallen wird. Foto: nh

Waldladen der Revierförsterei, Ehlener Str. 31, Tel. 05 61/310 23 39, Dienstag 15 bis 17 Uhr, Freitag 15 bis 18 Uhr, Samstag 9 bis 13 Uhr (nur November bis Dezember).

Von Ulrike Pflüger-Scherb

Das sagt die Polizei

Die Zahl der Wildunfälle in Stadt und Landkreis Kassel ist nach Angaben von Polizeihauptkommissar Peter Dworak von der Verkehrsdirektion Kassel im ersten Halbjahr 2014 mit 465 Fällen (435 im Landkreis, 30 Stadt) nur geringfügig höher als im ersten Halbjahr 2013, allerdings nach wie vor auf einem sehr hohen Niveau. Täglich werde die Polizei zu zwei bis drei Wildunfällen gerufen.

Obwohl die Polizei seit vielen Jahren auf die Gefahr durch Wildwechsel auf Straßen hinweise, ignorierten viele Verkehrsteilnehmer diese Warnungen. „Die werden nicht ernst genommen. Das ist unser Problem“, sagt Dworak.

Mit der Straßenverkehrsbehörde Hessen Mobil tausche man sich regelmäßig über Möglichkeiten aus, um Wildunfälle zu vermeiden. An Duftzäune und Reflektoren gewöhne sich das Wild nach gewisser Zeit. Es gebe allerdings digitale Anlagen, die aufgrund von Sensoren anzeigten, wann Wild naht. Diese seien allerdings sehr teuer und in Nordhessen nicht vorhanden. (use)

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