Abschnitte auf Hauptstraßen betroffen

Unfallzahlen und Lärmbelastung: Darum will die Stadt Kassel Tempo 30

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Auf diesen Abschnitten von Kassels Hauptstraßen wird in Zukunft Tempo 30 gelten.

Kassel. Tempo 30 auf einzelnen Abschnitten der Kasseler Hauptstraßen: Dieser Bestandteil des „Verkehrsentwicklungplanes 2030“ hat auf den Bürgerforen bereits für kontroverse Debatten gesorgt. Wir fragten nach, warum die Planer auf den Abschnitten Tempo 30 für sinnvoll halten.

Weniger Lärm für die Anwohner, eine Entschärfung von Unfallpunkten und mehr Aufenthaltsqualität in den betroffenen Vierteln: So begründen die Verkehrsplaner und der für die Verkehrsentwicklung zuständige Stadtbaurat Christof Nolda (Grüne) die geforderten Tempolimits auf Kassels Hauptstraßen. Es sei ein „emotionales Thema“, sagte Nolda im HNA-Gespräch, aber es dürfe in der Diskussion nicht vergessen werden, dass an den Verkehrsadern auch Menschen lebten.

Aber auf Basis welcher Daten haben die Verkehrsplaner des Dortmunder Büros Planersocietät, die im Auftrag der Stadt die Kasseler Verkehrsvision erstellen, ihre Vorschläge erarbeitet? Es seien Lärmkarten und Unfallstatistiken ausgewertet worden, sagte Dr. Michael Frehn, Geschäftsführer der Planersocietät. Nur wenn mehrere Probleme (etwa hohe Lärmbelastung, erhöhte Unfallzahlen) an einem Straßenabschnitt zuträfen, sei dieser ausgewählt worden.

Weitere Kriterien für die Festsetzung der Straßenabschnitte waren etwa die Nähe zu Schulen und ein erhöhter Bedarf von Fußgängern, die Straße zu überqueren. Frehn schlägt vor, die Geschwindigkeitsbegrenzungen schrittweise einzuführen und die Auswirkungen jeweils zu überprüfen. Auf keinen Fall dürfe durch Staus infolge eines Tempo-30-Limits der Verkehr in Seitenstraßen verdrängt werden.

Solche Effekte will auch Heiko Lehmkuhl, stellvertretender Leiter des Straßenverkehrsamtes, vermeiden. Sollte sich an der für ein Tempolimit vorgeschlagenen Frankfurter Straße abzeichnen, dass der Verkehr auf die Menzelstraße ausweiche, um Tempo-30-bedingte Behinderungen zu umfahren, sei eine solche Maßnahme kontraproduktiv.

Verkehrsplaner Frehn rechnet hingegen nicht damit, dass Tempo 30 zu wesentlich längeren Fahrzeiten führe. Entscheidender sei eine intelligente Ampelschaltung.

Aber da will Lehmkuhl nicht zu viele Hoffnungen wecken: Zwar ließen sich einige Ampeln noch optimieren, aber auch dies habe Grenzen. Jeder Verkehrsknotenpunkt habe eine maximale Kapazität. Erst wenn in der Zukunft möglicherweise der Bordcomputer von Autos mit Ampeln kommunizieren könne, sei eine merkliche Verbesserung zu erwarten.

Bis Herbst soll ein Vorschlag vorliegen, auf welcher Hauptstraße Tempo 30 möglicherweise zunächst testweise eingeführt wird. Anfang 2015 sollen die Stadtverordneten über den „Verkehrsentwicklungsplan 2030“, der die Planungen der nächsten Jahre regelt, entscheiden. Dazu zählten auch weitere Vorschläge der Dortmunder zu einer Verbesserung des ÖPNV-Angebots und einem Ausbau des Radwegenetzes.

Allerdings haben SPD und CDU bereits Widerstand gegen Tempolimits auf Hauptstraßen angekündigt.

Von Bastian Ludwig

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