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An Silvester blieb es in Kassel weitgehend ruhig – Gewalt gegen Einsatzkräfte hat aber insgesamt zugenommen

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Von: Ulrike Pflüger-Scherb

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Unser Symbolbild zeigt Feuerwehr und Polizei bei einem Einsatz an der Fünffensterstraße in Kassel. Archivfoto: Christian Hedler
Unser Symbolbild zeigt Feuerwehr und Polizei bei einem Einsatz an der Fünffensterstraße in Kassel. Archivfoto: Christian Hedler © Christian Hedler

Die Angriffe, die es auf Einsatzkräfte in Berlin und anderen Städten in der Silvesternacht gegeben hat, sorgen für Empörung. Bundesinnenministerin Nancy Faeser (SPD) und die Gewerkschaft der Polizei (GdP) fordern Konsequenzen.

Kassel - In Kassel blieb es in der Silvesternacht weitgehend friedlich. Es habe nur zwei Zwischenfälle gegeben, so Polizeisprecherin Ulrike Schaake. Einen Vorfall habe es auf der Friedrich-Ebert-Straße mit der Wachpolizei gegeben. Gegen 0.20 Uhr sei ein Streifenwagen auf die Friedrich-Ebert-Straße gerufen worden, weil ein Schuss aus einer Schreckschusswaffe gemeldet worden sei. Als die Streife in Höhe der Karthäuser Straße an einer roten Ampel stand, sei ein Böller auf die Frontscheibe geworfen worden, so die Polizeisprecherin. Ein größerer Schaden sei dabei nicht entstanden. Man habe nur ein Loch in der Kunststoffabdeckung zu beklagen gehabt. Der Böllerwerfer habe nicht ermittelt werden können. Bei einem zweiten Vorfall im Bergpark Wilhelmshöhe sei ein 25-Jähriger aus Bad Wildungen identifiziert worden. Nach Angaben der Polizeisprecherin war eine Streife der Autobahnpolizei am Schlosspark eingesetzt, um den Verkehr zu überwachen. Gegen 0.25 Uhr hätten die Beamten die Besucher des Parks per Lautsprecher aufgefordert, auf der rechten Seite der Straße zu den Parkplätzen zu gehen. Daraufhin habe der 25-Jährige einen Böller vor den Streifenwagen geworfen. Als die Beamten ausgestiegen seien, um die Personalien des Mannes aufzunehmen, habe er diese als „Hurensohn“ bezeichnet.

Die Beamten hätten daraufhin die Bodycam eingeschaltet, um die Szene aufzuzeichnen. Weil der Mann so aggressiv gewesen sei, habe man eine weitere Streife gerufen. Der 25-Jährige habe zu den Beamten gesagt, dass er die Polizei verabscheue.

Während Jochen Kopelke, Bundesvorsitzender der GdP, ein bundesweites Böllerverbot als Konsequenz der Silvesternacht gefordert hat, betrachtet Lars Elsebach, Vorsitzender der GdP in Kassel, die Situation differenzierter.

In Kassel habe es zum Jahreswechsel „Feuerwerk ohne Ende“ gegeben, so Elsebach. Aber von den wenigen Ausnahmen abgesehen, hätten sich die meisten Menschen friedlich verhalten. „Mit einem Verbot würden auch diejenigen bestraft, die nichts dafür können.“ Elsebach stellt aber auch klar, dass die Täter vermutlich nur bei einem Böllerverbot konsequent ermittelt werden könnten. „Was in Berlin passiert ist, ist unglaublich.“

Nordhessens Polizeipräsident Konrad Stelzenbach hatte schon vor zwei Wochen gegenüber der HNA erklärt, dass die weiterhin sehr hohen Zahlen von Widerständen sowie Angriffen auf Vollstreckungsbeamte in Nordhessen zeigten, dass Polizisten in ihrem täglichen Dienst mehr Gewalt ertragen müssten und ihnen weniger Respekt entgegengebracht werde. Bereits 2021 sei die Anzahl der Angriffe auf Polizeibeamte, Feuerwehrleute und Rettungskräfte in der Stadt Kassel massiv gestiegen, es wurden 188 Anzeigen erstattet, ein Jahr zuvor waren es 127 registrierte Fälle. 2022 scheinen die Zahlen auf einem ähnlich hohen Niveau wie 2021 gewesen zu sein.

Auch die Stadt Kassel bestätigt, dass seit einigen Jahren die Einsatzkräfte der Feuerwehr, des Rettungsdienstes und des städtischen Ordnungsdienstes immer häufiger mit verbaler oder auch tätlicher Gewalt konfrontiert seien. „Dass diese tapferen Menschen neben den Einsatzgefahren auch noch verbalen und körperlichen Attacken ausgesetzt sind, macht mich fassungslos und ist beschämend für unsere Gesellschaft. Wer das Leben und die Gesundheit von Lebensrettern mit seinen Angriffen gefährdet, greift unsere Demokratie an“, so Oberbürgermeister Christian Geselle. (use)

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