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Kasselerin kritisiert Ungleichberechtigung zwischen Frauen und Männern

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Von: Bastian Ludwig

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Sie will gleiche Chancen für Frauen und Männer: Alexandra Greving hat deshalb eine Lesung mit einer Autorin zum Thema Gleichberechtigung organisiert.
Sie will gleiche Chancen für Frauen und Männer: Alexandra Greving hat deshalb eine Lesung mit einer Autorin zum Thema Gleichberechtigung organisiert. © Bastian Ludwig

Alexandra Greving aus Kassel will über Gleichberechtigung sprechen. Und zwar nicht in dem Sinne: „Frauen an die Macht, Männer an den Herd“, wie sie sagt. Die 43-jährige Mutter von drei Töchtern, die in der IT-Branche arbeitet, macht im Alltag regelmäßig die Erfahrung, dass es echte Gleichberechtigung zwischen Frauen und Männern immer noch nicht gibt.

Kassel - „Für beide Geschlechter braucht es die gleichen fairen Chancen – in Beruf wie Familie“, sagt Greving. Deshalb hat die Kasselerin für Freitag eine Lesung mit anschließender Diskussion mit der Autorin Alexandra Zykunov im Kulturzentrum Schlachthof organisiert. Die Journalistin Zykunov hat im Ullstein-Verlag das Buch „Wir sind doch alle längst gleichberechtigt – 25 Bullshitsätze und wie wir sie endlich zerlegen“ veröffentlicht. Greving hat das Buch gelesen und darin viele Erfahrungen aus ihrem eigenen Leben wiedergefunden.

„In meinem beruflichen Umfeld ist mir Ungleichbehandlung zwischen Hose und Rock oft begegnet. Nicht nur die IT-Branche ist einer Männerdomäne. Es werden Unterschiede gemacht, die nicht durch Leistung und Ehrgeiz zu erklären sind“, sagt Greving. In ihrem Bekannten- und Freundeskreis machten Frauen wie Männer immer wieder ähnliche Erfahrungen. „Studierte und promovierte Frauen müssen immer mehr Leistung und Aufwand betreiben für den gleichen Erfolg.“ Und Männer würden immer noch stigmatisiert, wenn sie sich mehr um die Familie kümmern und dafür beruflich kürzertreten wollten.

Alexandra Zykunov
Sie liest im Kulturzentrum Schlachthof: Autorin und Journalistin Alexandra Zykunov © privat

„Mit Kindern wird das Problem nochmal deutlicher“, sagt Greving. Weiterbildungen in der Elternzeit würden behindert, Gehaltserhöhungen und Beförderungen während einer Schwangerschaft seien so gut wie ausgeschlossen. Viele junge Frauen würden schon in Bewerbungsgesprächen auf ihre Kinderplanung angesprochen. Anderen unterstelle man, sie würden einen kurzen Rock tragen, weil sie noch Karriere machen wollten. „So etwas geht gar nicht“, sagt die 43-Jährige. Äußerlichkeiten spielten bei Frauen im Berufsleben ohnehin eine größere Rolle. Fast jede Frau habe schon teils anzügliche Floskeln zu ihrem Aussehen gehört.

Leider würden nicht nur Männer, sondern auch Frauen solche Vorurteile bedienen. Auch gebe es Frauen, die ihren Männern die Erziehungsarbeit nicht zutrauten. „Wenn mein Mann eine Woche alleine verreist, sagen alle: Toll, wo geht es hin? Wenn ich eine Woche ohne meine Familie verreise, fragen alle: Und was ist mit deinen Kindern?“

Letztlich seien es die Kinder, die das Rentensystem am Leben erhielten. „Ohne die Frauen, die sich um die Familie kümmern, könnten viele Männer keine Karriere machen.“

Nachdem sich Greving lange immer wieder über Ungleichbehandlungen und Geschlechterklischees geärgert hat, will sie nun etwas tun. Im Kleinen, wie sie sagt. „Im Buch von Zykunov habe ich gelernt, dass die Ungleichberechtigung System hat. Aber wir können nicht warten, bis Politiker für uns etwas verändern. Jeder muss selbst in seinem Umfeld anfangen.“

Dazu gehöre es auch, den eigenen Kindern Mut mit auf den Weg zu geben. Sie jedenfalls habe ihre Tochter bei ihrem Traum, Astronautin zu werden, unterstützt. (Bastian Ludwig)

Service: Lesung mit Alexandra Zykunov, 13. Januar, 20 Uhr, Kulturzentrum Schlachthof. Abendkasse 16 Euro, Vorverkauf 12 Euro.

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