Forscher belegen Bevölkerungsrückgang der amerikanischen Ureinwohner vor 500 Jahren

Unheil kam aus Europa

Wiederentdeckung Amerikas: Die Ankunft der Europäer führte zu einem drastischen Rückgang der heimischen Bevölkerung. Das Bild zeigt Nachbauten der Schiffe, mit denen Christoph Kolumbus 1492 nach Amerika kam. Archivbild: dpa

Göttingen. Die Entdeckung Amerikas durch Christoph Kolumbus hatte für die Menschen in Nord- und Südamerika schreckliche Folgen. Zeitgleich mit dem Eintreffen der Europäer kam es zu einer deutlichen Reduzierung der indigenen Bevölkerung.

Was wir bislang durch Historiker wissen, konnten nun Naturwissenschaftler mit einer genetischen Studie belegen und auch das Ausmaß des Bevölkerungsrückgangs bestimmen. Danach sank die Zahl der amerikanischen Ureinwohner vor 500 Jahren vorrübergehend um die Hälfte.

Analyse der Erbanlagen

Zu diesem Ergebnis kamen Wissenschaftler der Universität Göttingen und der amerikanischen University of Washington in Seattle durch eine Analyse weiblicher Genome (Erbanlagen). In ihrer Studie kombinierten sie genetische Informationen von modernen und prähistorischen Menschen aus Nord- und Südamerika. Insgesamt analysierten die Forscher 137 moderne mitochondriale Genome und 63 alte Teilsequenzen dieses Genoms, das nur in der mütterlichen Linie vererbt wird.

Mithilfe komplexer bioinformatischer Methoden zeigten die Forscher, dass die indigene Bevölkerung Amerikas vor etwa 5000 Jahren einen Höchststand erreichte, der lange Zeit konstant blieb. Vor rund 500 Jahren brachen die Zahlen dann um etwa 50 Prozent ein.

Dieses Ergebnis der Naturwissenschaftler bestätigt historische Überlieferungen, nach denen mit den Europäern Krankheiten, Krieg, Hunger und Verwüstung in Amerika Einzug hielten.

„Die Verluste waren dabei nicht auf bestimmte Regionen beschränkt, sondern über beide amerikanische Kontinente verteilt, mit den schwersten Auswirkungen in den am dichtesten besiedelten Gebieten“, sagt der Anthropologe Dr. Lars Fehren-Schmitz von der Uni Göttingen.

Der dramatische Einbruch war allerdings nicht von langer Dauer: Die indigene Bevölkerung begann schnell wieder zu wachsen. Dr. Fehren-Schmitz: „Der erneute Anstieg deutet darauf hin, dass als Ursache für den Rückgang nur schnell und kurzfristig wirkende Faktoren in Frage kommen, zum Beispiel durch Europäer eingeschleppte Krankheiten in Kombination mit Krieg und Hunger, und nicht etwa Jahrhunderte dauernde Prozesse, wie oft angenommen.“

Die Ergebnisse der Studie wurden online in der Fachzeitschrift Proceedings of the National Academy of Sciences of the USA veröffentlicht. (shx)

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