Gebäude entsteht für fünf Jahre

Universität Kassel: Neue Forschungsstation wird auf dem Lutherplatz gebaut

Beim Aufbau: Studierende wollen die neue Forschungsstation (Traces) bereits in zwei Wochen aufgebaut haben. Anschließend läuft der Innenausbau des Holzbaus, der nach Bauhaus-Vorbild konzipiert wurde.
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Beim Aufbau: Studierende wollen die neue Forschungsstation (Traces) bereits in zwei Wochen aufgebaut haben. Anschließend läuft der Innenausbau des Holzbaus, der nach Bauhaus-Vorbild konzipiert wurde.

Im Schatten des Luther-Kirchturms errichten 30 Studenten derzeit ein Holzgebäude. Es handelt sich um einen zweiflügeligen Bau, der auf einem Entwurf des Bauhauslehrers Ludwig Hilberseimer basiert.

Kassel - Wenn das 100 Quadratmeter große Gebäude steht, soll es fünf Jahre lang als Forschungsstation der Hochschule genutzt werden. Der Ort soll dem Austausch der Wissenschaftler mit der Stadtgesellschaft dienen. „Bürger sollen hier an Forschung teilhaben“, sagt Koordinator und Architekturprofessor Philipp Oswalt. Vor allem soll es dort um documenta- und Ausstellungsforschung gehen.

Der Name der neuen innerstädtischen Forschungsstation, die von Fachbereichen der Universität wie der Kunsthochschule gleichermaßen genutzt wird, klingt etwas sperrig: Transdisziplinäres Forschungszentrum für Ausstellungsstudien – kurz Traces. Erst Ende Oktober soll es seinen Betrieb starten, das Gebäude soll aber bereits Mitte August stehen. Für den 13. und 14. August ist eine Voreröffnung samt Tag der offenen Tür geplant.

Traces war bereits 2019 – zeitgleich mit den Planungen für das documenta-Institut – gegründet worden. Es handelt sich um eine international einmalige Forschungseinrichtung, die fächerübergreifend Ausstellungsforschung betreibt.

Das documenta-Archiv und Traces sollen sich in das documenta-Institut, für das nach wie vor ein Standort in Kassel gesucht wird, einbringen. Zudem wird sich das neue Haus immer wieder für Ausstellungen, Vorträge, Gesprächsrunden, Workshops und Seminare öffnen. Im documenta-Jahr wird die Weltkunstschau im Fokus stehen.

Der mobile Holzbau mit Bauhausgeschichte stand bereits seit 2019 in Dessau. Dort hatten ihn Kasseler Studierende in einer Bauhaussiedlung errichtet, für die es ursprünglich konzipiert worden war. Nach anderthalb Jahren wurde das Haus wieder demontiert. Kasseler Studierende wünschten sich den Wiederaufbau in Kassel.

Nach einer längeren Suche nach einem geeigneten Grundstück sei man auf dem Lutherplatz fündig geworden, so Oswalt. Der evangelische Stadtkirchenkreis stellt das Areal fünf Jahre lang unentgeltlich zur Verfügung. Man verspreche sich dadurch positive Impulse für den innerstädtischen Platz, der aktuell vor allem durch die Trinkerszene dominiert wird, so die stellvertretende Stadtdekanin Gabriele Heppe-Knoche. Die Forschungsstation werde auch Menschen auf den Platz führen, die dort bisher nicht anzutreffen waren.

Stand bereits in Dessau: Das Holzgebäude wurde bereits 2019 von Kasseler Studierenden in der Bauhausstadt für anderthalb Jahre errichtet.

Weil sich unter dem Baufeld ein Bombenkrater befindet, durfte für das Gebäude kein tiefes Fundament ausgehoben werden. Es steht deshalb auf Betonstelzen. Die beiden Gebäudeflügel sind in Richtung der Mauerstraße komplett verglast, in Richtung des Lutherplatzes gewährt die Fassadengestaltung ebenfalls Blicke ins Innere.

Das Gebäude wird mit Toiletten und einer Holzpellet-Heizung ausgestattet. Es bietet etwa 30 Personen Platz, wobei es wegen der Corona-Auflagen zunächst nur eingeschränkt nutzbar ist. Auch die Freiflächen vor dem Gebäude sollen bespielt werden.

Während sich angehende Architekten und Landschaftsplaner Aufbau und Außengestaltung widmen, kümmern sich Produktdesignstudenten um die Innengestaltung und Ausstattung. Sie entwerfen unter anderem die Möbel. Studierende der visuellen Kommunikation haben unter anderem das Logo der Einrichtung entworfen. Die künftige Uni-Präsidentin Ute Clement freut sich, dass die Forschungsstation im 50. Jubiläumsjahr der Hochschule entsteht. Mit dem Lutherplatz sei ein geschichtsträchtiger Ort gefunden worden.

Traces sei offen für Kooperationspartner, die die Forschungsstation nutzen wollen, sagt Andreas Gardt, stellvertretender Direktor von Traces.

Neben der Hochschule finanzieren die Ikea-, die Pfeiffer- und die Sto-Stiftung das Forschungszentrum. (Bastian Ludwig)

Kontakt: traces@uni-kassel.de

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