Rund 1500 Briefe der Brüder Grimm in Kassel

Uni-Bibliothek Kassel kauft für 16.600 Euro Briefe von Wilhelm Grimm

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Präsentiert die ersteigerten Briefe aus der Feder von Wilhelm Grimm: Dr. Brigitte Pfeil ist Leiterin der Sondersammlungen bei der Universitätsbibliothek Kassel.

Kassel. Während seiner Zeit in Kassel hat Wilhelm Grimm viele Briefe geschrieben. Sechs von ihnen hat die Universitätsbibliothek jetzt für 16.600 Euro gekauft. 

Sie waren heiß begehrt: Sechs Briefe von Wilhelm Grimm aus den Jahren 1815 und 1816 kamen kürzlich bei einer Auktion eines Berliner Auktionshauses unter den Hammer. Die Universitätsbibliothek Kassel hatte großes Interesse an Grimms Briefwechsel mit dem Theologen und Pädagogen David Suabedissen – sie war damit aber nicht allein. Und so hatte der Preis schnell die angesetzten 6000 Euro deutlich überstiegen. Insgesamt 16.600 Euro waren letztlich nötig, um den Kaufpreis und Gebühren abzudecken.

Kassel erschien Grimm öde und langweilig

Es sollte sich gelohnt haben. „Das ist ein bedeutender Erwerb“, sagt der Kasseler Grimmforscher Prof. Holger Ehrhardt. So sieht es auch Dr. Brigitte Pfeil, Leiterin der Sondersammlungen der Universitätsbibliothek. Dies hat mehrere Gründe: Zum einen hat Wilhelm Grimm die Briefe in einer Zeit verfasst, in der er in Kassel lebte und als Bibliothekssekretärs an der Landesbibliothek arbeitete. Zum anderen liefern die Zeilen wichtige Erkenntnisse für die Forschung und geben einen Einblick in den Alltag und die Seele des Jüngeren der Brüder Grimm.

Wilhelm Grimms Unterschrift: Diesen Brief hat die Universitätsbibliothek erworben.

So beschreibt der damals 29-jährige Märchensammler seinem Freund Suabedissen, den er aus Marburger Zeiten kannte und der seinerzeit in Leipzig lebte, wie öde ihm Kassel im Dezember 1815 erschien und wie einsam er sich fühle. Auch das öffentliche Leben in der Stadt langweile ihn. Aber Grimm beschreibt auch Lichtpunkte: Einen inspirierenden Besuch in der Gemäldegalerie und geplante Reisen – die ihn unter anderem zu Goethe führen. Zu Ostern 1817 lässt Wilhelm Grimm seinen Freund Anteil haben an seiner Freude über die Frühlingsblumen, die er gepflanzt hat. Auch beschreibt er seine Arbeit an den deutschen Sagen.

Sammlung soll stetig erweitert werden

Die nun erworbenen sechs Briefe, die aus Privatbesitz stammten, sind nur ein kleiner Teil des Briefwechsels mit Suabedissen, der insgesamt 115 Briefe umfasst. „Wir sind bestrebt, unsere Sammlung stetig zu erweitern“, sagt Bibliotheksleiter Dr. Axel Halle. Dafür sei die Bibliothek weiterhin auf finanzielle Unterstützung angewiesen.

Wilhelm Grimm

Finanziell unterstützt wurde der aktuelle Ankauf von der Hessischen Kulturstiftung, dem Förderverein Grimm-Forschung an der Universität Kassel, den Freunden und Förderern der Bibliothek und dem Rotary Club Kassel-Wilhelmshöhe.

Insgesamt sind etwa 20.000 Briefe der Brüder Grimm nachgewiesen. Der Großteil lagert in Berlin, gefolgt von Marburg. An dritter Stelle rangiert Kassel. Stadt und Universitätsbibliothek haben etwa 1500 Briefe im Bestand. Zuletzt haben sie den Ankauf verstärkt. 

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