Er bekommt eine neue Professur

Uni-Kanzler nimmt Hut - Dr. Robert Kuhn eckte offenbar bei Kollegen an

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War seit 2007 Kanzler der Uni Kassel: Dr. Robert Kuhn übernimmt zum bevorstehenden Wintersemester eine Professur im Fachbereich Wirtschaftswissenschaften.

Kassel. Die Uni braucht einen neuen Kanzler: Dr. Robert Kuhn, der die Position in der Hochschulleitung seit 2007 innehatte und eigentlich bis 2015 berufen war, hat seinen Platz geräumt.

Der ausgebildete Jurist übernimmt mit Beginn des neuen Semesters eine Professur für „Grundlagen des öffentlichen Rechts und Steuerrecht“ (Fachbereich Wirtschaftswissenschaften). Die Professur wurde neu geschaffen.

Wie die HNA aus Hochschulkreisen erfuhr, war der Wechsel nicht ganz freiwillig. Dem Vernehmen nach war der Wunsch, den Kanzler abzusetzen, aus der Professorenschaft an den Uni-Präsidenten herangetragen worden. Vor allem im Zwischenmenschlichen hat es offenbar gehakt. Kuhn habe das Feingefühl gefehlt, das in der Hochschulverwaltung und im Umgang mit den Wissenschaftler-Persönlichkeiten oft nötig sei, sagen Insider. Zudem habe er mit seinen Aufgaben überfordert gewirkt.

Bürokratisch

Der 57-Jährige gilt als paragrafentreuer Verwaltungsmann. In seiner Amtszeit soll er Abläufe unnötig bürokratisiert haben, so die Kritik. In Teilen der Professorenschaft und auch unter den Verwaltungsmitarbeitern genoss der oft jovial auftretende Rheinländer offenbar schon länger kein Vertrauen mehr. Aufgrund des mangelnden Rückhalts innerhalb der Hochschule soll das Präsidium Kuhn gebeten haben zu gehen. Die Trennung soll schließlich einvernehmlich erfolgt sein.

Auf Anfrage der HNA zu den Gründen für Kuhns Ausscheiden hielt sich die Hochschule bedeckt, bestätigte aber den Wechsel auf die neue Professur. Diese sei eingerichtet worden, um wegen stark wachsender Studentenzahlen im Fachbereich Wirtschaftswissenschaften zusätzliche Lehrveranstaltungen anbieten zu können, sagte ein Uni-Sprecher.

Robert Kuhn wollte selbst nicht mit der HNA sprechen, ließ aber über die Uni-Pressestelle mitteilen, dass er sich auf die neue Aufgabe freue. „Die Professur ermöglicht es mir, die breite Erfahrung meiner bisherigen beruflichen Laufbahn nun in eine wissenschaftliche Lehrtätigkeit einzubringen“, wird Kuhn zitiert. „In dieser Phase meiner beruflichen Entwicklung sehe ich darin eine sehr reizvolle Herausforderung für mich.“

Der Dekan des Fachbereichs, Prof. Dr. Rolf Wagner, äußerte ebenfalls Freude, dass Kuhn „als erfahrener Praktiker die Lehre in unserem Fachbereich verstärkt.“ Der promovierte Jurist war zuvor in der Finanzverwaltung und im Finanzministerium Nordrhein-Westfalen und bei der Deutschen Forschungsgemeinschaft als Leiter der Gruppe Finanzen tätig.

Kritik an der Besetzung der neuen Professur - ohne öffentliche Ausschreibung und das übliche Berufungsverfahren - äußert die Studentenvertretung Asta. „Das ist zumindest moralisch fragwürdig und ein Schlag ins Gesicht von anderen qualifizierten Anwärtern für eine Professur“, sagte Asta-Vorsitzender Eike Ortlepp. Die Uni teilte dazu nur knapp mit, das Besetzungsverfahren der Professur entspreche dem Hessischen Hochschulgesetz.

Die vakante Kanzler-Stelle soll in Kürze ausgeschrieben werden.

Hintergrund: Kanzler ist Mitglied des Präsidiums

Der Kanzler ist Mitglied des Präsidiums der Universität. Er leitet nach den Richtlinien des Präsidiums die Hochschulverwaltung. Das Präsidium setzt sich in Kassel aus dem Uni-Präsidenten an der Spitze, drei Vize-Präsidenten und dem Kanzler zusammen. Der Kanzler ist zuständig für den Haushalt sowie Finanz-, Personal- und Rechtsangelegenheiten der Hochschule. Seit einer Änderung des Hessischen Hochschulgesetzes 2009 wird der Kanzler für sechs Jahre berufen, in der Regel in ein Beamtenverhältnis auf Zeit. 2007, als Kuhn ins Amt kam, betrug die Amtsperiode noch acht Jahre.

Uni-Kanzler werden in Hessen nach der Besoldungsgruppe WL2 vergütet (Grundgehalt: 6105 Euro). Darüber hinaus können Zuschläge, sogenannte erfolgsabhängige Funktionsleistungsbezüge vereinbart werden. Für eine W2-Professur geht das Grundgehalt ohne Erfahrungszeit als Professor bei 5000 Euro los. Ein goldener Handschlag dürfte der Wechsel des Kanzlers also nicht sein. Die Hochschule machte zur Frage nach Kuhns Gehalt keine Angaben.

Von Katja Rudolph

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