Mathematiker machte Aufzeichnungen

Uni Kassel: Wettertagebuch aus dem Jahr 1768 wiederentdeckt

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Hielt seine Wetteraufzeichnungen auf Französisch fest: Matthias Matsko erfasste vom 12. Januar bis 30. März 1768 dreimal täglich die Wetterdaten.

Kassel. In den Handschriftsbeständen der Universitätsbibliothek wurde eine 250 Jahre altes Wettertagebuch aus Kassel entdeckt. Ein Mathematiker verzeichnete über drei Monate Wetterdaten.

Matthias Matsko, Mathematikprofessor am Kasseler Collegium Carolinum, erfasste handschriftlich zwischen dem 12. Januar und 30. März 1768 dreimal täglich verschiedene Wetterdaten. In denen verzeichnete er akribisch Windrichtung, Luftfeuchtigkeit, Luftdruck und die allgemeine Wetterlage sowie Temperatur: dabei verwandte er gleich drei Thermometer mit Messskalen nach Réaumur, Fahrenheit und I‘Isle.

Das Wetter in dem erfassten Zeitraum ist laut den Aufzeichnungen zunächst nasskalt mit Temperaturen zwischen -3 und 4 Grad gewesen, oft habe die Sonne geschienen. Anfang Februar sind in dem Buch sogar Höchsttemperaturen von bis zu 30 Grad verzeichnet, was aber wohl drauf zurückzuführen ist, dass das Thermometer in der prallen Sonne gelegen hat. Am 4. Februar ist mit -13 Grad die tiefste Temperatur des Winters verzeichnet. Bis Ende Februar sind dann bei wechselhaftem Wetter um die 10 Grad erreicht worden. Der März sei anfangs wieder kälter mit Regen und vereinzelten Schneefällen gestartet, zum Ende des Monats allerdings habe es schon Tage voller Sonne und milden Temperaturen gegeben. Diese und weitere detaillierte Erkenntnisse über das Wetter liefert das in der Kasseler Universitätsbibliothek aufgefundene Wettertagebuch von 1768. Warum Matsko sein Wettertagebuch auf französisch schrieb, konnte abschließend noch nicht geklärt werden.

„Wir waren eigentlich auf der Suche nach Beständen von Landgraf Carl von Hessen-Kassel, als wir auf die Wetteraufzeichnungen von Matthias Matsko gestoßen sind“, sagt Dr. Brigitte Pfeil, Leiterin der Landesbibliothek und der Sondersammlungen. Ein überraschender Fund, zumal es zu diesem Zeitpunkt nur wenige Wetteraufzeichnungen gab.

Wer ist Mathematiker Matthias Matsko

Doch wer war überhaupt Matthias Matsko? Nach seinem Studium, mit den Aufenthalten in Jena, Halle und Göttingen, wurde er 1755 Oberlehrmeister bei den Grafen zu Stolberg. 1761 wurde er zum Professor der Mathematik an der Universität Rinteln ernannt. 1767 erfolgte der Ruf nach Kassel. Zudem wurde ihm die Leitung der Sternwarte in Kassel übertragen. Ein Jahr später begann er mit den Wetteraufzeichnungen.

Glücklich dürften zu jener Zeit die wenigsten Menschen über dieses aus heutiger Sicht prachtvolle Winterwetter gewesen sein, da sie über keine adäquate Winterkleidung verfügten. Rasch und deutlich stiegen die Temperaturen dann bis Ende Februar bei teils sonnigen, teils wechselhaftem Wetter bis um die 10 Grad an.

Der März zeigte sich danach allerdings als typischer Frühlingsmonat: anfangs kälter mit Wind, Regen und vereinzelten Schneefällen.

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