Gelände von früherer Textilfabrik Gottschalk ist verseucht - Kita musste umziehen

Gift im Boden der Kasseler Uni

Schadstoffe im Boden: Auf dem Gelände der ehemaligen Gottschalkfabrik in der Nordstadt sind 1000 Quadratmeter Boden mit Organo-Zinnverbindungen belastet.

Kassel. Die vom Studentenwerk betriebene Kita "Hopla" der Universität Kassel für zwölf Kinder unter drei Jahren ist gestern in einen Aufenthaltsraum des Studentenwohnheims an der Moritzstraße verlegt worden.

Wegen Hinweisen auf gesundheitsgefährdende Schadstoffe im Boden war die Einrichtung in der Nordstadt sicherheitshalber geschlossen worden. Die Kita ist in einem Container untergebracht. Studenten können ihre Kinder auch während des Besuchs ihrer Uni-Veranstaltungen kurzfristig dort betreuen lassen. "Die Kleinkinder sind alle wohlauf", sagt die Geschäftsführerin des Studentenwerks, Christina Walz. Sie fühlten sich in ihrer vorübergehenden Spielstätte wohl. Bereits am Dienstag hätten die Erzieherinnen das Spielzeug in den Ersatzraum gebracht.

Auch das Mittagessen des Uni-Restaurants Moritz könne dort wie gewohnt eingenommen werden. Die Kinder blieben solange dort in Sicherheit, bis die Ergebnisse der Bodenproben vorlägen, sagte Walz. Nach Auskunft von Uni-Pressechef Dr. Giudo Rijkhoek ist eine 1000 Quadratmeter große Fläche vor der inzwischen abgerissenen Halle K 18 der frühere Gottschalk-Fabrik mit Schadstoffen, sogenannten Organo-Zinnverbindungen, verunreinigt. Diese sind giftig, schwer wasserlöslich und nicht flüchtig.

Abriss

In unmittelbarer Nähe der Betreuungeinrichtung finden zurzeit für den Neubau des Campus Nord Abbrucharbeiten statt. In einem ersten Bauabschnitt werden alte Industriegebäude der Textilfabrik Gottschalk abgerissen, die ab dem 19. Jahrhundert bis gegen Ende des 20. Jahrhunderts Zelte und Planen hergestellt hat. 2003 hatte die Uni das Gelände für einen neuen Campusbau erworben. Damals waren die Altlasten bewertet worden, berichtet Klaus Sausmikat, Leiter der Uni-Abteilung Bau, Technik, Liegenschaften. Im Zuge der Abbrucharbeiten musste der Abraum zum Zweck der Entsorgung ein weiteres Mal untersucht werden. Der Bericht eines Umweltingenieurbüros lege nun den Verdacht nahe, dass der Boden verseucht ist.

In der Textilfabrik wurden unter anderem Zelte aus Naturmaterialien produziert, die mit Zinnverbindungen dauerhaft wetterfest gemacht worden sind und vor Schimmel schützen sollten. Sausmikat vermutet, dass man auf die Spur eines Chemieunfalls gekommen ist. Denn die Zelte seien üblicherweise in großen Becken in die Flüssigkeit mit den Zinnverbindungen getaucht worden. Inzwischen wurden Bodenproben entnommen, auch von dem Spielsand vor der Kita. Das Areal wurde abgesperrt. Die Ergebnisse sollen am Dienstag nächster Woche vorliegen. Erst dann werde das weitere Vorgehen entschieden. An dieser Stelle befinden sich noch weitere Container, die von Uni-Mitarbeitern und Studenten genutzt werden. Für diese Gruppe bestehe keine Gefahr, sagte Rijkhoek. Schadstoffe im Boden: Auf dem Gelände der ehemaligen Gottschalkfabrik in der Nordstadt sind 1000 Quadratmeter Boden mit Organo-Zinnverbindungen belastet. Auf dem Foto betrachten Dr. Gudi Rijkhoek, Pressechef der Uni Kassel (links), und Georg Mösbauer von der Abteilung Umweltschutz, Arbeitssicherheit und Abfallentsorgung der Hochschule das abgesperrte Areal. Foto: Fischer

Von Beate Eder

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