Historischer Schatz: Nationalsozialismus-Dokumente kommen ins Stadtarchiv

Kassel. Sämtliche Dokumente der „Informationsstelle zur Geschichte des Nationalsozialismus in Nordhessen“ gehen 2013 in die Bestände des Stadtarchivs über. Nachdem es zuletzt an der UniKassel keine offizielle Zuständigkeit mehr für die Forschungsstätte gab, ist das eine Lösung, die zufriedenstellt.

Die Universität ist bereit, geschichtlich wertvolle Materialien, einen echten historischen Schatz, dem Stadtarchiv zu übergeben.

„Ich bin froh, dass die wissenschaftliche Arbeit demnächst für eine große Öffentlichkeit zugänglich sein wird“, sagt Oberbürgermeister Bertram Hilgen. Aus der unrühmlichen Rolle, die Kassel seit den 30er-Jahren bis 1945 gespielt habe, ergebe sich eine „besondere Verantwortung“. Insgesamt 12 555 Dokumente, Fotos, Akten, Dossiers, Briefe und Nachlässe, die in der Vergangenheit von der Uni Kassel wissenschaftlich bearbeitet wurden, werden ab 2013 für viele Kasseler leichter im Stadtarchiv, Wildemannsgasse 1, zugänglich sein. Bis zur Übergabe verbleiben die Dokumente in der Uni, Heinrich-Plett-Straße 40.

Der Leiterin des Stadtarchivs, Dr. Alexandra Lutz, ist die Freude über diesen Zuwachs ins Gesicht geschrieben. Das Archiv im Marstall müsse seit der Bombennacht 1943 mit massiven Verlusten und Lücken leben, sagt sie. „Die Unterlagen, die wir jetzt bekommen, sind eine wundervolle Ergänzung.“ Auch Professor Dietfrid Krause-Vilmar, Mentor und Motor der Forschungsstelle, ist erleichtert: „Ich freue mich, dass es im Stadtarchiv weitergeht.“

Die Sammlung der Informationsstelle umfasst neben zeitgeschichtlichen Dokumenten der seit 1980 verfolgten Forschungsprojekte der Uni zeitgenössische Texte wie Gerichtsurteile und Häftlingskarteien, Materialien aus überregionalen Archiven sowie Ton- und Videoaufzeichnungen von Gesprächen mit Zeitzeugen. Korrespondenzen mit ehemaligen jüdischen Kasselern und Zwangsarbeitern sind ebenso erhalten wie Jahrgänge der Fieseler-Zeitschrift.

Die Infostelle war eine Einrichtung der Uni Kassel und wurde seit 1998 von den Professoren Krause-Vilmar, Jens Fleming und Edith Glaser geleitet. Ihre Tätigkeit endete im Herbst vergangenen Jahres. Angesichts der wertvollen Bestände hatten Uni und Stadt ein halbes Jahr zuvor die Erschließung der Dokumente in die Wege geleitet. Mit dieser Arbeit befassten sich der emeritierte Professor Krause-Vilmar sowie die Wissenschaftlerinnen Johanne Gerlach (23) und Tanja Roth (30). Das Projekt wurde mit einer Unterstützung der Stadt Kassel in Höhe von 38 000 Euro ermöglicht. Auch der Landkreis beteiligte sich mit 3000 Euro. Die Uni stellte die Räume zur Verfügung

Zurzeit befindet sich die Informationsstelle noch in der Uni, Heinrich-Plett-Straße 40, montags, 8 bis 13 Uhr, Tel. 804 47 34, Kontakt: infonsnh@uni-kassel.de

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