Waren es holländische Soldaten?

Uni-Skelette: Untersuchungen deuten auf spektakulären Fund

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Bei Arbeiten waren 2008 Skelette gefunden worden.

Kassel. Das Rätsel um die Skelette, die 2008 auf dem Gelände der Universität an der Kurt-Wolters-Straße entdeckt wurden, steht vor der Auflösung.

Die menschlichen Knochen, die bei Bauarbeiten ans Tageslicht kamen, sind sehr wahrscheinlich die Überreste von holländischen Soldaten, die nach der Völkerschlacht von Leipzig im Jahr 1813 auf dem Rückzug in Kassel gestrandet sind.

Noch sind die Untersuchungen nicht abgeschlossen, doch die Kasseler Funde erweisen sich immer mehr als spektakulärer Glücksfall. „Ein solches Gräberfeld, bei dem die Menschen innerhalb weniger Wochen ums Leben kamen, ist äußerst selten“, sagt Dr. Birgit Großkopf vom Göttinger Institut für Zoologie und Anthropologie. Hier werden die Skelette untersucht.

Der Fund hatte bundesweit für Schlagzeilen gesorgt. Es gab Spekulationen darüber, ob es auf dem Gelände in der Nazizeit Massenhinrichtungen gegeben haben könnte oder ob auf dem ehemaligen Firmengelände von Henschel womöglich Zwangsarbeiter ums Leben gekommen sind. Damals ging man davon aus, dass man die Überreste von 60 Menschen gefunden hatte.

Mittlerweile liegen detailliertere Ergebnisse aus Göttingen vor. Demnach handelt es sich um mindestens 109 Tote, vermutlich Holländer, die für Napoleon in den Krieg gezogen sind. „Das waren arme Hunde, die schlecht ernährt waren, unter Läusen litten und sich bis Kassel durchgeschlagen haben“, sagt Dr. Kai Füldner, der Leiter des Kasseler Naturkundemuseums Ottoneum. Die entkräfteten Männer seien vermutlich an Typhus gestorben.

Bilder: Skelette bei Bauarbeiten entdeckt

Zahlreiche Skelette bei Bauarbeiten auf Uni-Gelände entdeckt

Die Skelette waren kurze Zeit nach dem Fund auf dem Kasseler Hauptfriedhof bestattet worden. Mittlerweile wurden alle sechs Särge exhumiert. Noch sind längst nicht alle Knochen zugeordnet. Im kommenden Jahr soll es eine Ausstellung zu den Funden im Natukundemuseum geben.

Von Thomas Siemon

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