Uni statt Fettnapf: Business in China, USA, Russland

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Verstehen Sie Ihre Geschäftspartner aus anderen Kulturen, und werden Sie verstanden? Wenn das Geschäft gut laufen und am Ende die Zahlen stimmen sollen, ist das unabdingbar.

Erprobte Trainerinnen mit persönlicher Erfahrung in anderen Ländern machen nun Unternehmensvertreter in interkulturellen Trainings fit für den internationalen Geschäftsalltag. Um die Chancen dieser wissenschaftlich basierten Weiterbildung in Kassel aufzuzeigen, gibt die UNIKIMS, die Management School der Uni Kassel, am 05. November 2016 in einer Veranstaltung einen Einblick in die Methodik des interkulturellen Trainings an der Management School. „Denn als Hochschule sehen wir unsere Aufgabe auch in der Unterstützung der Unternehmen in unserer Region“, sagt Dr. Jochen Dittmar, Geschäftsführer der UNIKIMS. 

Einen Einblick in Kultur und Gesellschaft in Russland, China und den USA geben am 05. November um 18.00 Uhr im Science Park Kassel die Expertinnen für interkulturelle Trainings an der Universität Kassel, Andrea Mentel-Winter, Dr. Marina Adams, Apl. Prof. Dr. Gerlinde Gild, Qianyi Liu und Amira Cerimovic. In der Veranstaltung „Interkulturelle Kommunikation“ präsentieren sie auch anschaulich ihre Methoden, die sie in den Trainings einsetzen. Das Kasseler Team zeichnet langjährige Erfahrung als interkulturelle Trainerinnen aus. Schon mehrere hundert Teilnehmer aus vielen Nationen wurden so sowohl auf ihren geschäftlichen als auch ihren akademischen Erfolg in Unternehmen und an Universitäten vorbereitet.

Qianyi Liu

Im Rahmen des Weiterbildungsangebotes der UNIKIMS trainieren ab November Trainerinnen aus Indien, China, Russland, den USA und Deutschland in Doppelteams aus dem Heimat- und Zielland mit Interessierten den interkulturellen Dialog. Absolventen bestätigen den Erfolg der Trainings.

Weitere Informationen und die Online-Anmeldung zum Vortrag finden Sie unter: www.unikims.de/interkom

„Das interkulturelle Training hat mir sehr geholfen“

„Das interkulturelle Training hat mir nicht nur im beruflichen Umgang mit Menschen im internationalen Kontext sehr geholfen, sondern auch in meinem Freundeskreis. Ich habe viel über das Erkennen und Verstehen nonverbaler Signale und einen besseren Umgang mit Konflikten erfahren“, sagt Suzanne Türpe, die sich auf ihre Aufgaben im internationalen Food Business vorbereitet. Für Martin Erlemann, selbst im Bildungswesen tätig, ist es wichtig, dass die Trainings das Wissen und die Fähigkeit zur Orientierung in der fremden Kultur auf wissenschaftlich gesicherter Basis vermitteln: „Während des Trainings habe ich verschiedene Theorien, Methoden und Übungen kennengelernt, die einen geeigneten Umgang mit kulturellen Konfliktsituationen vermitteln und eine interkulturelle Kommunikation erleichtern. Das neue Wissen konnte ich sogleich in verschiedenen Situationen erfolgreich anwenden.“

„China zu verstehen, gehört eigentlich zur Allgemeinbildung“

Gerlinde Gild

Die Kultur eines anderen Landes und das Handeln seiner Menschen zu verstehen, ist nicht allein eine Voraussetzung erfolgreicher Geschäftsreisen, wie das aktuelle Beispiel China zeigt. „China zu verstehen, gehört eigentlich zur Allgemeinbildung“, sagt Prof. Dr. Gerlinde Gild. China sei einerseits Entwicklungs- und Schwellenland und andererseits als Industrieland und Finanzmacht ein Weltwirtschaftsgigant. Das Geschehen an den Börsen und Finanzmärkten in China erschüttere die ganze Welt, und wenn die Konjunktur im Reich der Mitte nachlasse, treffe dies auch die deutschen Autobauer. „Dieses Land geht alle an“, sagt Prof. Dr. Gerlinde Gild, „sowohl den Zulieferer als auch den Kunden in Europa, einen Unternehmer, der seinem Kunden ins Ausland folgt, ebenso wie den Sparer, der seine Zukunft selbst mit vermeintlich harmlosen Finanzprodukten absichern möchte.“ Umfang und Kontinuität der chinesischen Kulturtradition legen es nach Auffassung der Wissenschaftlerin nahe, sich angesichts der globalen wirtschaftlichen Verflechtung intensiv mit dem Land zu befassen: „Die heutige Gesellschaft Chinas lässt sich nur vor dem Kontext historischer Entwicklungen verstehen. Diese prägen das Verhältnis der Chinesen zur Außenwelt und somit alle Formen öffentlicher und privater Kommunikation, im internationalen und im wirtschaftlichen Kontext. Das chinesische Denken trägt seit Jahrtausenden wesentliche Elemente des Konfuzianismus und Daoismus, verschiedener Religionen, die alle zu spezifischen Mentalitäten und Verhaltensstilen beitrugen.“ Darum wird sich Prof. Dr. Gerlinde Gild im Training mit kulturbedingten Unterschieden in Kognition, Affektion und kommunikativem Handeln befassen. „Meine Vorgehensweise bezieht sowohl internationale als auch chinesische Theorie und Fachbegriffe ein, anhand derer Differenzen dargestellt und erläutert werden. Meine Teilnehmer lernen die chinesische Gesellschaft aus der eigenen und aus der fremden Sicht zu verstehen.“

„Für Russen ist es anstrengend, der ewige Lehrling zu sein.“

Marina Adams

Russland ist Deutschland näher als China, aber diese Nähe kann auch zu einer Fehldeutung verleiten, wie Dr. Marina Adams erläutert. Sie stammt aus Russland und lebt seit 1997 in Deutschland. Sie schildert ihre Heimat als Land großer wirtschaftlicher Potenziale, aber ebenso großer Widersprüche, das für Unternehmen in Westeuropa an Bedeutung gewinne. Um das gesellschaftliche und wirtschaftliche Leben im größten Land der Welt zu erläutern, verweist Dr. Marina Adams auf die Geistesgeschichte. Russland lebe in einem inneren Widerstreit zwischen Asien und Europa, einem patriarchal-orthodoxen und einem westeuropäischen Denken. „Wir Russen sind die ewigen Lehrlinge beim Meister Europa, bei dem alles geordnet und gesetzestreu zugeht. Der Vergleich mit dem eigenen Land fällt dann für Russen eher negativ aus“, sagt Dr. Marina Adams, „und es kann zu einem Gefühl der Minderwertigkeit führen, das natürlich durch andere positive Nationalbilder kompensiert wird.“ Das äußere sich zum Beispiel in folgender Einschätzung: „Wenn wir schon nicht so ordentlich sind wie die Deutschen, dann aber gastfreundlicher und großzügiger als sie und gemeinschaftsorientierter in der Familie.“ Das große Improvisationstalent der Russen betone man dabei ebenso, wie Dr. Marina Adams weiß: Da es in Russland nicht eine so hohe Rechtssicherheit wie in Deutschland gebe, habe der Russe für den Fall, dass etwas schiefgehe, immer einen Plan B, C, D oder E. Die Geschichte, dass Geschäften mit Russen stets ein gemeinsamer Saunabesuch und reichlich Alkoholkonsum vorauszugehen haben, um Vertrauen zwischen den Partnern zu stiften, hält Dr. Marina Adams jedoch für ein Stereotyp. Ein russischer Geschäftsmann traue einem deutschen Partner eher als einem Landsmann, denn die Deutschen gelten als ordentliche Geschäftsleute.

Den Amerikanern ist ihre Freiheit heilig“

Amira Cerimovic

„Die Begegnung mit den USA ist ein ‚Meeting‘ mit einer dynamischen Gesellschaft, deren nationale Identität und Kultur nur als eine Ansammlung verschiedenster Ethnien, Kulturen und Identitäten verstanden werden kann. Bei genauerem Hinsehen taucht hinter den scheinbar westlich geprägten Ähnlichkeiten ein Land von unerschütterlichem Optimismus, beharrlichem Streben nach Wohlstand und standhafter Freiheitsliebe auf“, sagt Amira Cerimovic, die seit 2008 in Deutschland lebt. Nicht selten staunten Deutsche über amerikanische Waffengesetze, das Recht auf Hausunterricht für Kinder und Jugendliche oder den Streit um die Freiwilligkeit der Krankenversicherung. Diese für Deutsche nur schwer nachvollziehbaren Gesetze seien für viele Amerikaner Ausdruck einer ihnen heiligen Freiheit, deren Schattenseiten sie gern in Kauf nehmen.

Die Amerikaner geben eine klare, aber keine schroffe Antwort

„Wer mit Amerikanern Geschäfte machen will, muss des genaueren Hinsehens und -hörens mächtig sein, denn nur so kann er erkennen, dass trotz des nach außen scheinbar familiären Miteinanders unter Kollegen sehr genau auf Hierarchien geachtet wird“, sagt Amira Cerimovic. Nur mit einem geschulten Ohr höre ein Fremder, dass ein Amerikaner mit „I will consider that …“, „I shall give it a thought …“ oder „that is an interesting idea …“ eigentlich „Nein“ meine, es aber niemals mit der Schroffheit sagt, die Deutsche als Klarheit werten würden. Während Deutsche gern tiefschürfend und kontrovers diskutieren wollten, und eine vermeintliche Oberflächlichkeit als intellektuelle Schwäche deuteten, wollten Amerikaner Konflikte vermeiden. Die Deutschen wirkten dann anmaßend, frech und rechthaberisch. Zumal sich die Amerikaner der Einzigartigkeit ihres Landes, ihrer globalen Machtstellung, ihrer komplexen Identitätsfindung und ihrer verhältnismäßig jungen Altersstruktur bewusst seien. „Also ist für sie weder ein Vergleich mit Deutschland noch mit Europa interessant. Sie bevorzugen es stattdessen, als globaler ‚Leader‘ zu fungieren und als Maßstab für den Rest der Welt zu gelten“, folgert Amira Cerimovic. Und in Europa und insbesondere im Umgang mit Deutschland hätten sie gewiss auch nicht alles falsch gemacht.

„Interkulturelles Training sollte zur Pflicht werden“

„Ein interkulturelles Training sollte zur Pflicht werden, da die vermittelten Inhalte nicht nur dabei unterstützen, die eigene Kultur besser zu reflektieren, sondern auch dabei, andere Kulturen besser verstehen und wertschätzen zu lernen. Vorurteile können so besser abgebaut werden, und die Bereitschaft, Neues voneinander und miteinander zu lernen, wächst“, ist Gülden Olgun überzeugt. Die aus Sivas in der Türkei stammende Studentin wurde wegen ihrer ausgeprägten sozialen, kommunikativen und insbesondere interkulturellen Kompetenz mit dem DAAD-Preis des Deutschen Akademischen Auslandsdienstes für ausländische Studierende an der Universität Kassel ausgezeichnet.

Zwei Trainerinnen aus dem Ziel- und Herkunftsland

Andrea Mentel-Winter

„Ziel unserer Trainings ist es, unsere Teilnehmer für das jeweilige Land zu sensibilisieren. Das klingt abstrakt, aber wir lösen das Versprechen konkret ein“, sagt Andrea Mentel-Winter. „Unser Training ist authentisch, denn wir schulen stets mit zwei Trainerinnen: Eine der beiden kommt aus Deutschland und die andere aus dem jeweiligen Zielland. Als Trainerteam sind wir also in beiden Kulturen zu Hause. Darin liegt unsere Stärke gegenüber vielen anderen Anbietern, wie unsere jahrelange Erfahrung am Markt zeigt. Darüber hinaus ist unser Training akademisch geprägt. Als Trainerinnen stützen wir uns nicht nur auf persönliche Erfahrungen und Intuition, sondern auf wissenschaftlich gesicherte Fakten. Als Universität orientieren wir uns nicht nur am State of the Art, sondern bestimmen durch unsere Arbeit mit, wo der Standard weltweit liegt. Also lernen die Teilnehmer in unseren kleinen Gruppen von und mit Vertretern jener beiden Kulturen, und dies auf einem zeitgemäßen und anspruchsvollen methodisch-didaktischen Niveau.“

Geschäftsalltag in der fremden Kultur

Die Trainerinnen verhelfen den Teilnehmern zu den richtigen Worten im passenden Stil für die fremde Kultur. Sie erläutern die Unterschiede im Arbeitsstil und erklären das Verhalten des Anderen im Geschäftsalltag – beginnend mit den Erwartungen an Verhandlungen über Führungsstile bis hin zu Tabus, die nicht anzusprechen sind. „Darum“, sagt Jyotika Dalal, „trainieren wir mit den Teilnehmern, sich in das Gegenüber hineinzuversetzen und den Perspektivenwechsel zu üben. Das Besondere an der Kultur ist: Wir bemerken sie nicht, denn wir sind in sie hineingewachsen und sie ist uns selbstverständlich. Wer etwa in seiner Kultur gelernt hat, relativ streng strukturiert zu denken und zu handeln, erscheint Menschen aus einer anderen Kultur womöglich als zu direkt und dominant. Er wirkt gar abweisend. Seine harten Worte prallen am Gegenüber ab oder verletzen gar. Um den indischen Zuhörer im Kopf und im Herzen überhaupt zu erreichen, muss der Fremde diplomatisch vorgehen, seine Worte sehr vorsichtig wählen und die Botschaft subtil setzen.“

Erfolg statt Fettnäpfchen und Stolperstein

„In unserem interkulturellen Ländertraining leiten wir Sie dazu an, die Denk- und Verhaltensweisen der Menschen aus anderen Kulturen zu verstehen und die Unterschiede und Gemeinsamkeiten zwischen der deutschen und der jeweils anderen Geschäftskultur bewusst wahrzunehmen“, sagt Andrea Mentel-Winter. Die Teilnehmer sollen nach dem Training in beruflichen und privaten Beziehungen mit Geschäftspartnern und Kollegen angemessen kommunizieren und agieren können. Die Trainerinnen simulieren und proben mit den Teilnehmern Kommunikations- und Verhaltensstrategien für unterschiedliche geschäftliche Settings. „Sie werden lernen, wie Sie Fettnäpfchen und Stolpersteine umgehen können“, verspricht die Trainerin.

Vom Small Talk zum Tabu

Im Training werden die Teilnehmer mit Gruß- und Höflichkeitsformeln, mit Mimik, Gestik und Körperhaltung, mit Höflichkeit und Direktheit, mit Fragen der Etikette sowie mit dem Schreib- und Redestil in E-Mail- und Telefonkontakten vertraut gemacht. Es geht aber auch um das richtige Kritikmanagement, also Feedback zu geben und zu nehmen, um den Umgang mit Konflikten sowie um deren Vermeidung, denn „Tabus und Small Talk“ stehen auch auf dem Programm.

Wissenschaftlerinnen entwickeln interkulturelles Training fort

Die Trainings werden seit 2010 systematisch weiterentwickelt und basieren auf aktuellen Forschungsergebnissen sowie fundierten wissenschaftlichen Grundlagen der interkulturellen Kommunikation. Eine Kasseler Kernkompetenz besteht in der Verzahnung wissenschaftlicher Erkenntnisse und deren Anwendung in der Praxis. Absolventen bewerten den Effekt der Schulung als überdurchschnittlich gut.

Weitere Informationen sowie die Online-Anmeldung zum Vortrag finden Sie unter:

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