Bei Verhandlern der Konferenz von 2015 nachgefragt

Uni-Studie zu den Erwartungen der Klimaexperten: Noch viel Luft nach oben

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Strahlende Gesichter zum Abschluss der UN-Klimakonferenz in Paris: Die Einschätzung der Verhandler fällt laut einer Studie jedoch eher nüchtern aus.

Kassel. Eine Studie von Kasseler Forscherinnen offenbart: Selbst die Verhandler stellen den Erfolg des Pariser Klimaabkommens infrage. 

Zum Abschluss der Uno-Klimakonferenz in Paris Ende 2015 lächelten die Verhandler scheinbar zufrieden in die Kameras. Umso erstaunlicher ist das Ergebnis einer Studie, an der zwei Forscherinnen der Universität Kassel maßgeblich beteiligt waren. Danach äußerten sich Klimaexperten pessimistisch über die Umsetzung und den Erfolg der internationalen Konferenzen. Heute, nachdem US-Präsident Donald Trump den Rückzug der USA aus dem Pariser Klimaschutzvertrag ankündigte, würde diese Erhebung vermutlich noch ernüchternder ausfallen.

Prof. Dr. Astrid Dannenberg und Sonja Zitzelsberger vom Fachgebiet Umwelt- und Verhaltensökonomik fragten in Zusammenarbeit mit der London School of Economics die Verhandler der Klimakonferenzen, was sie ihrer Einschätzung nach bisher erreicht haben und wie zufrieden sie damit sind, was sie mit beschlossen haben. Die Daten seien im Sommer 2015 gezielt kurz vor der Klimakonferenz in Paris erhoben worden, damit die Meinungen nicht durch Presseberichte beeinflusst würden, erläutert Sonja Zitzelsberger. Die wichtigsten Vereinbarungen standen zu diesem Zeitpunkt schon fest.

„Von den Ergebnissen waren wir überrascht“, sagt Astrid Dannenberg. Denn die Klimaexperten glaubten danach nicht, dass die Mehrheit der Länder die vereinbarten Ziele zur Eindämmung der Erderwärmung einhalten kann.

Über 70 Prozent der Befragten vertrauen überhaupt nicht oder nur eingeschränkt darauf, dass die Mehrheit der Staaten ihre angekündigten nationalen Ziele zur Reduzierung von Treibhausgasen erreichen wird. Immerhin fast die Hälfte der Teilnehmer fand aber die Konferenzen allgemein nützlich.

Auffallend sei auch, dass sich die Wahrnehmung ändere, je nachdem wie intensiv die Klimaexperten in die Verhandlungen eingebunden sind und auch historische Entwicklungen im Blick haben. Danach wächst der Optimismus mit dem Grad der Beteiligung. Denn schließlich, so Dannenberg, gehe es auch darum, die eigene Leistung zu bewerten.

Damit Verhandlungen künftig erfolgreicher gestaltet werden können, scheine es wichtig zu sein, bei der Bewertung klare Erfolgskriterien vorzugeben, lautet einer der Rückschlüsse aus der Studie. Angesichts der niedrigen Erwartung sei hier offenbar noch Luft nach oben, die mit weiteren Beschlüssen und Plänen für ein besseres Weltklima ausgefüllt werden könne. Ein deutlicher Nachteil sei aber das Freiwilligkeitsprinzip der Beschlüsse.

Dass Trump offenbar auf ökonomische Ziele auch auf kosten der Umwelt setzen will, mache den ohnehin sehr langen Prozess noch schwieriger. „Es wird kein effektives Klimaabkommen ohne die USA geben“, gibt die Professorin zu bedenken. Sie fürchtet: „Es werden wahrscheinlich erst schlimme Dinge geschehen müssen, damit etwas passiert. Aber beim Klima ist es nicht so leicht, das Ruder rumzureißen.“

Die Studie der Kasseler Forscherinnen ist Teil des Projektes„Human Cooperation to Protect the Global Commons“ (HUCO), das unter dem Horizont 2020-Programm der Europäischen Union mit 1,5 Millionen Euro gefördert wird. Die Studie wurde online im renommierten Fachmagazin „Nature Climate Change“ veröffentlicht. Der Weltklimavertrag wurde Ende 2015 bei einer Uno-Konferenz in Paris von 195 Ländern beschlossen und gilt als Meilenstein. Denn er sieht unter anderem vor, den Ausstoß von Treibhausgasen zu reduzieren und die Erderwärmung auf 2 Grad, wenn möglich 1,5 Grad Celsius zu begrenzen. Dazu sollen die globalen Netto-Treibhausgasemissionen in der zweiten Hälfte dieses Jahrhunderts auf null reduziert werden. Das heißt, die Länder dürfen dann nur noch so viele Treibhausgase ausstoßen, wie etwa Waldanpflanzungen und andere sogenannte Kohlendioxid-Senker aus der Atmosphäre ziehen.



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