Uni lädt zum Vortrag: Businesskultur in Indien, China, USA, Russland

„Verstehen Sie Ihre Geschäftspartner in anderen Kulturen. Und werden Sie verstanden.“ Am 12. Mai gibt die Management School der Uni Kassel mit einem Vortrag einen Einblick in die indische Geschäftskultur.

Denn „schickt man Mitarbeiter unvorbereitet in ein fremdes Land kann viel Porzellan zerbrochen werden“, warnt Professor Dr. Bebenroth, der in Kassel studiert hat und seit über 15 Jahren an der Kobe University in Japan lehrt. Zugleich gibt der Vortrag auch einen Einblick in die Methodik des interkulturellen Trainings an der Management School. Trainerinnen aus Indien, China, Russland, den USA und Deutschland trainieren ab Herbst in Doppelteams aus dem Heimat- und Zielland mit Interessierten den interkulturellen Dialog an der UNIKIMS.

Den Vortrag im Mai halten Andrea Mentel-Winter, Expertin für interkulturelle Trainings an der Universität Kassel, und die Inderin Jyotika Dalal, zertifizierte interkulturelle Trainerin. Beide haben umfangreiche Erfahrung im Austausch mit Indien, da sie die jeweils neuen Mitarbeiter der Robert Bosch Engineering and Business Solutions Ltd. im indischen Bangalore und Coimbatore seit sieben Jahren schulen. Anmeldung zum Vortrag auf www.unikims.de/interkom

Langjährige Erfahrung und ungezählte Erfolge im Training

Das Team um Andrea Mentel-Winter hat langjährige Erfahrung im interkulturellen Training und schon mehrere Hundert Teilnehmer aus vielen Nationen sowohl auf ihren geschäftlichen als auch den akademischen Erfolg vorbereitet. Die Teilnehmer bestätigen das: „Das interkulturelle Training hat mir nicht nur im beruflichen Umgang mit Menschen im internationalen Kontext geholfen, sondern auch in meinem Freundeskreis. Durch die Simulationen und Rollenspiele sowie das neue Wissen über Interkulturalität habe ich gelernt, mich besser in interkulturelle Situationen hineinzuversetzen.

Zudem habe ich auch viel über das Erkennen und Verstehen nonverbaler Signale und einen besseren Umgang mit Konflikten erfahren“, sagt Suzanne Türpe, die sich auf ihre Aufgaben im internationalen Food Business vorbereitet.

Für Martin Erlemann, selbst im Bildungswesen tätig, ist es wichtig, dass die Trainings das Wissen und die Fähigkeit zur Orientierung in der fremden Kultur auf wissenschaftlich gesicherter Basis vermitteln: „Das interkulturelle Training hat mir sehr gut gefallen und neue Erkenntnisse gebracht. Während des Trainings habe ich verschiedene Theorien, Methoden und Übungen kennengelernt, die einen geeigneten Umgang mit kulturellen Konfliktsituationen vermitteln und eine interkulturelle Kommunikation erleichtern.

Das Wissen und die Erfahrungen, welche ich durch das interkulturelle Training erworben habe, konnte ich bereits in verschiedensten Situationen erfolgreich anwenden.“ Die Trainings basieren auf aktuellen Forschungsergebnissen sowie fundierten wissenschaftlichen Grundlagen der interkulturellen Kommunikation. Eine Kernkompetenz besteht in der Verzahnung wissenschaftlicher Erkenntnisse und deren Anwendung in der Praxis. Absolventen bewerten den Effekt der Schulung als überdurchschnittlich gut.

„Interkulturelles Training sollte zur Pflicht werden“

 „Ein interkulturelles Training sollte zur Pflicht werden, da die vermittelten Inhalte nicht nur dabei unterstützen, die eigene Kultur besser zu reflektieren, sondern auch dabei, andere Kulturen besser verstehen und wertschätzen zu lernen. Vorurteile können so besser abgebaut werden, und die Bereitschaft, Neues voneinander und miteinander zu lernen, wächst“, ist Gülden Olgun überzeugt.

Die aus Sivas in der Türkei stammende Studentin wurde wegen ihrer ausgeprägten sozialen, kommunikativen und insbesondere interkulturellen Kompetenz mit dem DAAD-Preis des Deutschen Akademischen Auslandsdienstes für ausländische Studierende an der Universität Kassel ausgezeichnet.

Indien ist ebenso groß wie widersprüchlich

Indien ist für Andrea Mentel-Winter ein wichtiger Handelspartner, weltpolitischer Akteur und wachsende Wirtschaftsmacht. „Das Land boomt“, berichtet sie von ihren jüngsten Besuchen dort. Aber es sei ebenso groß wie widersprüchlich.

Die Wissenschaftlerin zitiert die britische Ökonomin Joan Robinson: „Egal, was man über Indien behauptet, das Gegenteil ist genauso wahr.“

Die Deutschen sagen es direkt, die Inder eher indirekt

Andrea Mentel-Winter

Die indische und deutsche Kultur unterscheiden sich nach Auffassung der Trainerinnen Andrea Mentel-Winter und ihrer indischen Kollegin Jyotika Dalal insbesondere in ihrer direkten und indirekten Kommunikation, in der Verbindlichkeit von Strukturen und Regeln, in Verantwortlichkeiten und Pflichten, in der Sach- und Beziehungsorientierung, in Individualismus und Kollektivismus, im Hierarchieverständnis, in der Statusorientierung und im Führungsstil, im Zeitverständnis, hinsichtlich der Risikobereitschaft und Unsicherheitsvermeidung sowie der Trennung von Privatsphäre und öffentlichem Raum.

Beziehungen fußen auf Vertrauen

„Beziehungen jeglicher Art fußen in Indien auf Vertrauen, und Geschäfte werden mit Freunden abgewickelt“, sagt Jyotika Dalal. Beziehungen zu knüpfen und auszubauen, sei also in der Zusammenarbeit mit indischen Geschäftspartnern und Kollegen unverzichtbar.

Andrea Mentel-Winter liefert ein Beispiel: „Sind beispielsweise Geschäftsleute aus dem deutschsprachigen Raum an strukturiertes und planvolles Handeln gewöhnt und stoßen unvorhergesehene Ereignisse auf große Verunsicherung, haben indische Manager hingegen eine hohe Flexibilität entwickelt und kommen leichter mit Überraschungen zurecht.“

Jyotika Dalal

Die Deutschen wirken ruppig 

Vor allem aber sind es für die beiden Trainerinnen „divergente Kommunikationsstile, die zu interkulturellen Missverständnissen zwischen Deutschen und Indern führen können“. Das klingt komplizierter als es ist. Man könnte auch sagen: „Die Deutschen wirken ruppig.“ Denn ein direkter, sachlicher und faktenorientierter deutscher Kommunikationsstil wird in Indien oft als unfreundlich wahrgenommen. Stattdessen, denken die Inder, sollten die deutschsprachigen Geschäftspartner auch zwischen den Zeilen lesen und auf Körpersprache achten.

Denn „der indische Kommunikationsstil ist eher indirekt und es werden viele Umschreibungen und Andeutungen benutzt, um eine Information zu transportieren“, sagt Jyotika Dalal. Eine beziehungsorientierte Kommunikation sei der Grundstein guter Geschäfte, während „eine nur auf Fakten fokussierte, sachlich distanzierte Sprechweise, die den westlichen Businessstil kennzeichnet, in Indien unangebracht ist.

Sie wirkt kühl, wenig sensibel, desinteressiert und abweisend.“

Zwei Trainerinnen aus dem Ziel- und Herkunftsland

„Ziel unserer Trainings ist es, unsere Teilnehmer für das jeweilige Land zu sensibilisieren. Das klingt abstrakt, aber wir lösen das Versprechen konkret ein“, sagt Andrea Mentel-Winter. „Unser Training ist authentisch, denn wir schulen stets mit zwei Trainerinnen:

Eine der beiden kommt aus Deutschland und die andere aus dem jeweiligen Zielland. Als Trainerteam sind wir also in beiden Kulturen zu Hause. Darin liegt unsere Stärke gegenüber vielen anderen Anbietern, wie unsere jahrelange Erfahrung am Markt zeigt.“

Universitär geprägt

„Ebenso ist unser Training universitär geprägt.

Als Trainerinnen stützen wir uns nicht nur auf persönliche Erfahrungen und Intuition, sondern auf wissenschaftlich gesicherte Fakten. Als Universität orientieren wir uns nicht nur am State of the Art, sondern bestimmen durch unsere Arbeit mit, wo der Standard weltweit liegt.

Gerlinde Gild

Also lernen die Teilnehmer in unseren kleinen Gruppen von und mit Vertretern jener beiden Kulturen und dies auf einem zeitgemäßen und anspruchsvollen methodisch-didaktischen Niveau“, sagt Prof. Dr. Gerlinde Gild, die im Fach Sinologie an der Universität Göttingen habilitiert hat und dort lehrt.

Qianyi Liu

Ihre Schwerpunkte sind interkulturelle Kommunikation/Ostasien chinesische Psychologie und Literatur. Sie wird gemeinsam mit Frau Qianyi Liu das interkulturelle Training „China“ durchführen.

Geschäftsalltag in der fremden Kultur

Die Trainerinnen verhelfen den Teilnehmern zu den richtigen Worten im passenden Stil für die fremde Kultur. Sie erläutern die Unterschiede im Arbeitsstil und erklären das Verhalten des anderen im Geschäftsalltag – beginnend mit den Erwartungen an Verhandlungen über Führungsstile bis hin zu Tabus, die nicht anzusprechen sind.

„Darum“, sagt Jyotika Dalal, „trainieren wir mit den Teilnehmern, sich in das Gegenüber hineinzuversetzen und den Perspektivenwechsel zu üben. Das Besondere an der Kultur ist: Wir bemerken sie nicht, denn wir sind in sie hineingewachsen und sie ist uns selbstverständlich. Wer etwa in seiner Kultur gelernt hat, relativ streng strukturiert zu denken und zu handeln, erscheint Menschen aus einer anderen Kultur womöglich als zu direkt und dominant. Er wirkt gar abweisend. Seine harten Worte prallen am Gegenüber ab oder verletzen es gar. Um den indischen Zuhörer im Kopf und Herzen überhaupt zu erreichen, muss der Fremde diplomatisch vorgehen, seine Worte sehr vorsichtig wählen und die Botschaft subtil setzen.“

Erfolg statt Fettnäpfchen und Stolperstein

„In unserem interkulturellen Ländertraining leiten wir Sie dazu an, die Denk- und Verhaltensweisen der Menschen aus anderen Kulturen zu verstehen und die Unterschiede und Gemeinsamkeiten zwischen der deutschen und der jeweils anderen Geschäftskultur bewusst wahrzunehmen“, sagt Andrea Mentel-Winter.

Die Teilnehmer sollen nach dem Training in beruflichen und privaten Beziehungen mit Geschäftspartnern und Kollegen angemessen kommunizieren und agieren können. Die Trainerinnen simulieren und proben mit den Teilnehmern Kommunikations- und Verhaltensstrategien für unterschiedliche geschäftliche Settings. „Sie werden lernen, wie Sie Fettnäpfchen und Stolpersteine umgehen können“, verspricht die Trainerin. Im Training werden die Teilnehmer mit Gruß- und Höflichkeitsformeln, mit Mimik, Gestik und Körperhaltung, mit Höflichkeit und Direktheit, mit Fragen der Etikette, mit dem Schreib- und Redestil in E-Mail- und Telefonkontakten vertraut gemacht.

Es geht aber auch um das richtige Kritikmanagement, also Feedback geben und nehmen, um den Umgang mit Konflikten sowie um deren Vermeidung, denn „Tabus und Small Talk“ stehen auch auf dem Programm.

Ansprechpartner: UNIKIMS – die Management School der Universität Kassel Markus Oppermann Tel.: 0561-804-2759 Email: oppermann@uni-kassel.de

Anmeldung zum Vortrag und Programm auf  www.unikims.de/interkom

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