Studenten mussten Holzskulptur vor Hörsaalzentrum abbauen

Ärger um Sperrmüll-Kunstwerk an der Uni Kassel

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Wand aus Sperrholz: Die am Wochenende errichtete Holzskulptur neben dem Campus-Center musste wieder abgebaut werden, sie versperrte unter anderem den Fluchtweg.

Kassel. Ist das Kunst oder kann das weg? Bei einer Holzskulptur, die Studenten am vergangenen Wochenende auf dem Campus zimmerten, hieß es seitens der Uni: Sie muss weg.

Auch wenn der künstlerische Wert der Arbeit dabei nicht zur Debatte stand.

Elf Studenten des Fachbereichs Architektur-, Stadt- und Landschaftsplanung hatten am Samstag während eines Workshops mit dem Berliner Künstler Martin Kaltwasser eine Bretterwand direkt vor dem Hintereingang des Hörsaalzentrums errichtet.

Am Montag war die Enttäuschung bei den Studenten dann groß, als die Bauabteilung der Hochschule den Abbau der Skulptur forderte. Sie versperrte unter anderem den Fluchtweg aus dem Gebäude, in dem bis zu 2650 Studenten unterrichtet werden.

In einer tags darauf versendeten Pressemitteilung stellt die Studentenvertretung Asta fest: „Studentische Lebensraumgestaltung an der Uni nicht erwünscht“. Der Asta will sich jetzt dafür einsetzen, dass die Holzkunst wieder aufgebaut wird, und gewährte den Sperrholzteilen Asyl am studentischen Kulturzentrum K19.

Aber der Reihe nach: Am Freitagnachmittag hatten die Studenten während des Workshops, der im Rahmen eines Seminars am Fachgebiet Urbane Praxis von Prof. Markus Bader stattfand, zunächst auf einer Verkehrsinsel am Grünen Weg mit dem Aufbau der Skulptur begonnen. Kaum war die Baustelle eingerichtet, kam ein Streifenwagen vorbei.

Klaus Sausmikat

Weil die Gruppe keine Genehmigung vorweisen konnte, musste sie ihr Sperrholz wieder einpacken. Und entschied sich, auf den Campus weiterzuziehen. Dort fiel die Standortwahl auf den Lucius-Burckhardt-Platz hinter dem Campus-Center an der Ecke Gottschalk-/Moritzstraße. „Mit der Skulptur wollten wir auch einen Diskussionsprozess zur Gestaltung des Platzes in Gang bringen“, sagt Workshop-Teilnehmer Kilian Blum (27). Das sei gelungen: Viele vorbeigehende Studenten hätten sich kritisch zum Hörsaalzentrum und zu fehlenden Aufenthaltsmöglichkeiten darin geäußert. Bis Sonntag hatten die Erbauer ihr Werk so ins Herz geschlossen, dass sie es stehen ließen, statt es wie geplant abzubauen.

Doch am Montag kam dann die Rote Karte aus der Uni-Verwaltung: Die Holzskulptur stand so nahe am Campus-Center, dass im Fall eine Brandes Gefahr bestanden hätte. Zudem versperrte das Kunstwerk den Fluchtweg. Und die Frage der Haftung bei einem Unfall auf der nur mit Spax-Schrauben befestigten Konstruktion war ungeklärt, zählt Klaus Sausmikat, Leiter der Bauabteilung, auf. „Leider haben die Erbauer so ziemlich alles falsch gemacht, was man falsch machen konnte.“ Er betont, dass man studentische Projekte dieser Art gern unterstütze. „Aber man muss schon vorher mal Bescheid sagen.“

Übrigens: Das Thema des Workshops lautete „Macht und Raum“. Dazu dürften die Studenten jedenfalls etwas gelernt haben.

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