Andreas Hanl

Reise in die Bitcoin-Welt: Doktorand der Uni Kassel erforscht digitale Währung

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Mit der digitalen Währung Bitcoin zahlen in Kassel noch wenige.

Was passiert mit unserem Währungssystem und der Geldpolitik, wenn wir nicht mehr mit Euro, Dollar oder Pfund zahlen, sondern mit der digitalen Währung Bitcoin? Antworten will die Uni Kassel erforschen.

Diese Frage brennt Andreas Hanl schon seit zweieinhalb Jahren unter den Fingernägeln. Der Doktorand an der Universität Kassel beschäftigte sich während seines VWL-Studiums bereits in seiner Masterarbeit mit der Kryptowährung, jetzt geht es in seiner Doktorarbeit speziell um die Folgen von Bitcoins. „Ich bin einfach nicht mehr davon losgekommen. Ich will wissen, wo die Reise hingeht“, erzählt er. Es gebe noch so viele Aspekte bei dem Thema, die noch nicht geklärt sind, geschweige denn erforscht.

Bitcoins gekauft hat der 26-Jährige natürlich auch schon mal. „Das muss man schon mal in der Realität angefasst haben, denn Kryptowährung ist ein praktisches Thema.“ Nur Formeln am Computer konzipieren und analysieren reicht da nicht. Doch als Hanl in Kassel zum ersten mal mit Bitcoins zahlen wollte, ist er ziemlich auf die Nase gefallen. „Meine App auf dem Handy wollte einfach nicht starten, und nur so kann ich die Kryptowährung benutzen.“ Bezahlt hat er dann in bar. Ständig online sein, das ist ein Muss, wenn man mit Bitcoins zahlen will. Der zweite Anlauf des Doktoranden war dann mit Erfolg gekrönt. 20 Euro hatte er in Bitcoins umgewandelt. Da der Kurs gut lag, konnte er sogar für umgerechnet 30 Euro einkaufen.

„Eigentlich hatte ich vor, das Projekt länger auszuprobieren. Da es in Kassel aber nur vier oder fünf Läden gibt, in denen ich mit Bitcoins hätte zahlen können, wäre ich wahrscheinlich auf Dauer verhungert“, sagt er und lacht. In Ballungsräumen wie Berlin oder Frankfurt sei die digitale Währung viel stärker verbreitet. Warum Deutschland noch nicht von der Bitcoin-Welle überrollt wurde? „Die Währung ist ein hoch riskantes Instrument mit einer großen Wertschwankung.“ Wenn der Kurs Montagmorgen noch bei 3000 Euro pro Bitcoin liegt, kann das eine Stunde, ein Tag oder eine Woche später ganz anders aussehen.

Andreas Hanl ist Doktorand an der Uni Kassel.

Vor einem Jahr lag ein Bitcoin bei 20.000 US-Dollar, im Dezember 2018 etwa zwischen 2800 und 3600 Euro. „Diese großen Schwankungen geben dem Bitcoin einen negativen Hauch“, sagt Hanl. Banken trauen sich noch gar nicht an die digitale Währung, auch weil niemand weiß, wer eigentlich die Oberhand behält. Doch der Doktorand lässt sich nicht davon abbringen, immer weiter und tiefer in die Bitcoin-Welt einzutauchen. Durch die „DLT-Gruppe“, Distributed Ledger Technology (deutsch: Technologie verteilter Kassenbücher), ein Team mit 20 Beteiligten, behält Hanl den Durchblick.„Mit den Kollegen aus Jura oder Betriebswirtschaft habe ich die Möglichkeit, mich mit Menschen auszutauschen, die ganz anders an das Thema herangehen wie ich als Volkswirt“, erklärt Hanl. Trotz der Unterstützung bleiben weiterhin viele Fragezeichen in der Forschung über Bitcoins.

Ein letzter Tipp von Doktorand Andreas Hanl für den Umgang mit Bitcoins: gut einlesen. „Die Menschen müssen sich bewusst sein, welches Risiko sie eingehen. Die Altersvorsorge würde ich beispielsweise nicht in Bitcoins anlegen.“

Was steckt hinter der digitalen Währung?

Bei der Kryptowährung Bitcoin wird jeder Mensch zur Bank. Denn die digitale Währung ist frei von der Kontrolle durch Regierung, Banken und Konzernen. Das Vermögen wird digital gespeichert. Die sogenannte Wallet, eine virtuelle Brieftasche, dient hierbei als Zugangsschlüssel für die Datenbank, in der alle Bitcoin-Transaktionen verzeichnet sind. Erwerben kann man die Bitcoins unter anderem auf Bitcoin-Marktplätzen im Netz. Dort bieten BTC-Besitzer ihre Bitcoins zu einem bestimmten Preis an. 

Es gibt außerdem Automaten, an denen man sein Geld in Bitcoins umwandeln lassen kann, jedoch sind sie noch nicht in Deutschland zu finden. Zahlen kann man mit einer speziellen App, die mit einem QR-Code versehen ist. Doktorand Andreas Hanl sieht die Vorteile vor allem in den schnelleren Transaktionen. „Überweisungen würden nicht mehr so lange dauern.“ Der Nachteil: Man muss immer und überall online sein.

Dieses Video ist ein Inhalt der Videoplattform Glomex und wurde nicht von der HNA erstellt.

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