Schmerzen verhindern Prüfung

Kritik an Uni Kassel: Chronisch kranke Studentin wirft Prüfungsamt Schikane vor

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Studentin Jennifer Z. kämpft um Nachteilsausgleich wegen chronischer Erkrankung.

Die Studentin Jennifer Z. ist chronisch krank und bangt um ihren Uni-Abschluss. Das Kasseler Prüfungsamt zeige kein Verständnis, klagt die gesundheitlich angeschlagene Frau.

Nur noch zwei Prüfungen und dann die Bachelorarbeit: Für Jennifer Z. sah es ganz danach aus, als hätte sie ihren Uni-Abschluss bald in der Tasche. Doch eine schwere Erkrankung verhinderte das. 

Sie bekam Morbus Crohn, eine chronisch-entzündliche Darmerkrankung. Inzwischen bangt die 29-Jährige darum, ob sie ihr Wirtschaftspädagogik-Studium überhaupt abschließen kann. Denn für ihre gesundheitlichen Einschränkungen zeige das Prüfungsamt der Uni Kassel kein Verständnis.

Lange sei sie aufgrund ihrer Krankheit kaum in der Lage gewesen, am Leben teilzunehmen, berichtet die junge Frau aus Kirchhain bei Marburg, die mehrere Operationen hinter sich hat. Als sich vor etwa einem Jahr ihr Zustand besserte, wollte sie das Studium wieder in Angriff nehmen. Da sie aber bei Aufregung oder Stress weiterhin starke Bauchschmerzen bekomme, schaffe sie es nicht mehr, an Prüfungen teilzunehmen. „Ich habe es einmal versucht, aber die Schmerzen waren so heftig, dass ich mich auf nichts konzentrieren konnte“, erzählt Jennifer Z.

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Im vergangenen August beantragte sie daraufhin beim Prüfungsamt einen sogenannten Nachteilsausgleich. Anstelle der noch ausstehenden Prüfungen in Mathematik und Betriebswirtschaftslehre bat sie um zwei Hausarbeiten. Der Antrag sei zügig abgelehnt worden. Statt dessen habe man ihr angeboten, dass sie 50 Prozent mehr Zeit zur Bearbeitung der Klausur bekomme und diese in einem separaten Raum schreiben könne. „Aber das ist ja gar nicht mein Problem“, sagt Z.. Der Vorteil einer Hausarbeit sei für sie, dass sie je nach Gesundheitszustand daran arbeiten oder auch mal eine Pause machen könne.

In Absprache mit der Servicestelle „Studium und Behinderung“, wo sie viel Unterstützung erfuhr, so Z., habe sie einen zweiten Antrag gestellt. Vier Atteste habe sie inzwischen eingereicht. „Scheinbar denken die, ich würde ein bisschen Bauchschmerzen simulieren, nur um einer Prüfung zu entgehen.“ Sie habe schon überlegt, das Prüfungsamt zu ihrer nächsten Darmspiegelung einzuladen, sagt Z. mit Galgenhumor.

Mitte April bekam die Studentin – über sieben Monate nach der Antragsstellung – die Antwort des zuständigen Prüfungsausschusses: Darin wird ihr eine mündliche statt einer schriftlichen Prüfung gewährt. „Das grenzt doch an Schikane“, findet Jennifer Z.. Warum ihre Bitte um Hausarbeiten als Prüfungsersatz abgelehnt wurde, ist in dem Schreiben nicht erklärt. Gegen den Bescheid will die 29-Jährige nun Widerspruch einlegen. Wenn die Uni auch dem nicht stattgibt, bliebe der Weg vors Verwaltungsgericht. Doch für ein Gerichtsverfahren, sagt die chronisch kranke Studentin, fehle ihr die Kraft.

Sie hoffe, dass die Veröffentlichung ihrer Geschichte vielleicht dazu führt, dass an der Uni ein Umdenken einsetzt. „Vielleicht profitieren wenigstens andere Studenten mit Behinderung oder chronischer Erkrankung davon.“

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Von Katja Rudolph

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