Monatelange Wartezeit

Kasseler Wohnheime sind alle belegt: Studentenwerk investiert drei Millionen Euro

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Saniert: Aktuell laufen am Studentenwohnheim an der Weserstraße 28 noch Fassadenarbeiten. Die Zimmer sind bereits fertig.

Kassel. Freie Plätze in den Wohnheimen des Kasseler Studentenwerks? – Fehlanzeige. Zu Beginn des Wintersemesters sind alle Wohnheimplätze belegt.

Das teilt das Studentenwerk auf Anfrage mit. In Kassel hat das Studentenwerk aktuell 972 Wohnheimplätze, 128 in Witzenhausen. Das größte Wohnheim mit 138 Plätzen ist das Max-Kade-Haus auf dem Uni Campus am Holländischen Platz, dicht gefolgt vom Wohnheim an der Kohlenstraße. In dem Hochhaus gibt es 115 Plätze. Maximal können Studenten zehn Semestern in einem Wohnheim des Studentenwerks wohnen.

Einer Baustelle gleicht aktuell noch das frisch sanierte Wohnheim an der Weserstraße 28. In sieben Monaten hatte das Studentenwerk die in die Jahre gekommene Immobilie mit 72 Zimmern für drei Millionen Euro komplett saniert. Die Studenten, die vorher dort gewohnt hatten, waren rechtzeitig informiert worden und hatten sich eine neue Wohnung suchen müssen. Einige sind in andere Wohnheime gewechselt, andere haben sich eine Unterkunft auf dem privaten Wohnungsmarkt gesucht.

115 Plätze: Eines der größten Kasseler Studentenwohnheime an der Kohlenstraße 105 in Wehlheiden.

Pünktlich zum Oktober haben jetzt aber bereits die ersten Studenten ihr neues Zuhause an der Weserspitze bezogen, heißt es vom Studentenwerk. Eine Studentin, die wir in der vergangenen Woche am Wohnheim antrafen, als sie mit ihrem Vater auf die Übergabe des Schlüssels wartete, zeigte sich allerdings überrascht.

Sie hatte nicht damit gerechnet, dass das Wohnheim, das sie bisher nur von den Informationen im Internet kannte, teilweise noch eine Baustelle ist. Informationen darüber habe es im Vorfeld für die Studenten nicht gegeben.

Laut Studentenwerk sollen die Arbeiten an der Fassade etwa Mitte November abgeschlossen sein. Außerdem werde noch am Keller, im Treppenhaus und am Gemeinschaftsraum gearbeitet. Die Außenanlagen sollen dann im kommenden Frühjahr gestaltet werden.

Erst die Zusage der Uni abwarten und dann die Anfrage für einen Wohnheimplatz stellen? Das ist in Kassel nicht möglich. Allgemein beträgt die Wartezeit auf einen Platz in den Wohnheimen laut Studentenwerk bis zu sechs Monate. Wer in ein bestimmtes Wohnheim ziehen möchte, muss sogar noch mehr Vorlauf einplanen. Erst am Freitag hatte die Uni verkündet, so viele Studenten wie noch nie zu haben.

Einen Favoriten unter den Wohnheimen könne man nicht ausmachen, sagt Brigitte Schwarz vom Studentenwerk. Den meisten Studierenden sei die Nähe zur Uni und der Preis wichtig. Die Vorlieben bei der Wahl der Wohnform seien ganz unterschiedlich.

Für die nächsten Jahre plant das Studentenwerk sein Angebot an den bisherigen Standorten um weitere 50 Plätze auszubauen. Außerdem soll 2019 das Wohnheim an der Wolfhager Straße saniert werden.

Weiteres Gebäude geplant

Zu den größten privaten Studentenwohnheimen gehört das „Studieren am Schillertor“ mit bislang 43 Wohnungen und Platz für 100 Studenten. Die Anlage besteht aus vier Wohnkomplexen. Das Wohnheim war 2016 eröffnet worden, die bereits bestehenden Wohnungen sind alle belegt. Allerdings plant das Bauunternehmen Krieger + Schramm an der Ecke Wolfhager Straße/Sickingenstraße für Mitte 2018 den Neubau eines fünften Hauses. Hier sollen weitere Plätze für Studierende geschaffen werden. Der Neubau soll 4,5 Millionen Euro kosten. Man reagiere damit auf die wachsenden Studentenzahlen und den knappen Wohnraum für Studierende, heißt es.

Hier ist die Erweiterung geplant: An der Wolfhager Straße 39 soll ein weiteres Gebäude des Wohnheims „Studieren am Schillertor“ entstehen. Der Motorengeräte Fachhandel Stefan Spier zieht Anfang Oktober in die Miramstraße in Bettenhausen.

An der Ihringshäuser Straße, in unmittelbarer Nähe der Haltestelle Weserspitze, ist pünktlich zum Semesterstart das „Uni.Space“ fertig geworden. 15 Millionen Euro hatte der Kasseler Projektentwickler DGS in das Bauprojekt investiert. Die Apartments sind zwischen 20 und 25 Quadratmetern groß und möbliert, um die Vermietung kümmert sich eine Hausverwaltung. „Mittlerweile sind alle Apartments bereits verkauft“, bestätigt eine Sprecherin des Investors. Die ersten Mieter seien bereits im September eingezogen. Neben Studenten wohnen in der Wohnanlage auch Mitarbeiter des nahegelegenen Klinikums Kassel und viele Pendler, die am Wochenende Kassel verlassen.

An Studenten richtet sich auch der Neubau Artilleriestraße/Ecke Bremer Straße. Das Kasseler Immobilienunternehmen I.W.A. Koschella investiert rund 3,5 Millionen in das Projekt.

Die viergeschossige Wohnanlage umfasst einen Altbauteil an der Bremer Straße und den Neubau an der Artilleriestraße. Insgesamt 18 Zwei- und Drei-Zimmer-Wohnungen sind in dem Komplex entstanden. Die ersten Mieter sind zum Oktober eingezogen, einige Wohnungen sind aber noch zu vermieten, heißt es auf Anfrage.

Auch an der Witzenhäuser Straße in Rothenditmold sollen 360 Appartments für Studierende entstehen. Baubeginn sollte eigentlich bereits im Herbst 2016 sein, außer den vorbereitenden Arbeiten ist aber bislang noch nichts passiert. Auf mehrfach Nachfrage bei der Luxenburger Firma Alphacom hieß es, der Baustart stehe kurz bevor.

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