200 Teilnehmer bei erster Kasseler Konferenz zu Anpassungsstrategien

Klimawandel: Region als Vorbild

Wetterextreme nehmen zu: Im Sommer 2014 gingen heftige Unwetter über Kassel nieder. Wie sich die Region auf den Klimawandel einstellen kann, haben gestern Experten beraten. Archivfoto: Vito Einfachder

Kassel. Schwere Gewitter mit Starkregen und Hagel haben im vergangenen Sommer Millionenschäden in Kassel angerichtet. Kleine Bäche wie die Drusel traten über die Ufer, hunderte Keller und viele Straßen standen unter Wasser.

Solche Wetterextreme sind aufgrund des Klimawandels in Zukunft häufiger zu erwarten. Wie kann man sich auf regionaler Ebene darauf vorbereiten und Wege finden, um die Folgen des Klimawandels abzumildern? Diese Fragen standen im Mittelpunkt der ersten Kasseler Klimaanpassungkonferenz, die gestern von Uni Kassel, Regierungspräsidium und Regionalmanagement Nordhessen veranstaltet wurde. 200 Teilnehmer kamen dazu ins Ständehaus.

Neu ist das Thema für die Region nicht. Fünf Jahre lang, bis Mitte 2013, wurde im Projekt „Klimawandel zukunftsfähig gestalten“ (Klimzug) dazu geforscht und Lösungsansätze entwickelt. Zu den praktischen Ergebnissen gehören unter anderem das Kasseler Hitzetelefon, das ältere Menschen bei Hitzewellen informiert und berät, und die Nachrüstung von Bushaltestellen mit Sonnenschutz.

Durchschnitt ist Vorteil

Vor allem sei aber durch Klimzug ein Bewusstsein für die Problematik geschaffen worden und ein Netzwerk zwischen Forschung, Politik und anderen regionalen Akteuren entstanden, sagt Prof. Alexander Roßnagel, Direktor des Kompetenzzentums für Klimaschutz und Klimaanpassung (Clima) der Uni Kassel. Die jetzt initiierte Konferenz solle auch dazu diesen, nach Ablauf des mit zehn Mio. Euro geförderten Projekts an das Erreichte anzuknüpfen und weitere Projekte auf den Weg zu bringen.

So wird derzeit beispielsweise in den Kommunalwäldern im Wolfhager Land untersucht, wie durch Pflanzung klimaresistenter Bäume der Wald robuster gegen Wetterextreme wird. Zudem wurde in Zusammenarbeit mit der Stadt Kassel die Nutzung von Grünschnitt - der bisher als Abfall galt - zur Energieerzeugung erforscht. Dieses Projekt wird laut Roßnagel derzeit auf andere europäische Regionen ausgeweitet. Nordhessen sei wegen seiner „Durchschnittlichkeit“ ein ideales Labor, um Klimaanpassungsstrategien zu entwickeln, sagt Roßnagel. Die Ergebnisse aus unserer Mittelgebirgsregion ließen sich auf viele Regionen Deutschlands und darüber hinaus übertragen.

Sogar für Entwicklungsländer, die nicht über die entsprechende wissenschaftliche Expertise verfügten, könnten einige der hier gewonnen Erkenntnisse - etwa zum Umgang mit Hochwasser - interessant sein, sagt Prof. Joseph Alcamo, Leiter des Zentrums für Umweltsystemforschung (CESR) der Uni Kassel.

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