Zwei wollen Rolf-Dieter Postlep nachfolgen

Uni Kassel: Wer wird neuer Präsident?

Kassel. Wenn der Kasseler Uni-Präsident Rolf-Dieter Postlep (68) zum 1. Oktober 2015 Platz für seinen Nachfolger macht, wird er große Fußspuren hinterlassen haben.

Wenn er in Pension geht, hat er die Uni-Leitung 15 Jahre lang innegehabt, in denen er die Entwicklung der Hochschule entscheidend geprägt hat. Der neue Campus Nord ist nur ein Teil seiner Arbeit.

Mit dem Vize-Präsidenten der Uni Göttingen, dem Forstwissenschaftler Prof. Reiner Finkeldey (52), und dem Geschichtsprofessor Winfried Speitkamp (56) der Uni Kassel haben es zwei Kandidaten bis in die Endausscheidung für das Amt geschafft. Am 14. Januar 2015 stellen sie sich den Fragen des erweiterten Senats der Uni, genau zwei Wochen später fällt das Gremium seine Entscheidung. Der neue Präsident wird in geheimer Wahl zunächst für sechs Jahre bestimmt.

Rolf-Dieter Postlep

So weit das weitere Prozedere. Doch schon das bisherige Auswahlverfahren lief nicht reibungslos. So waren nach HNA-Informationen von der Findungskommission, die mit der Vorauswahl aus insgesamt etwa zehn Bewerbern beauftragt war, eigentlich drei Kandidaten als besonders vielversprechend benannt worden. Neben Finkeldey und Speitkamp stand noch Prof. Oliver Sträter (50), Leiter des Fachgebiets Arbeits- und Organisationspsychologie an der Uni Kassel, auf der Liste. Auch er sollte sich am 14. Januar in der letzten Auswahlrunde den Fragen der Senatsmitglieder stellen.

Dazu kommt es aber nicht. Denn der Hochschulrat strich den Namen Sträter von der Kandidatenliste. Das ist nicht verboten, stieß aber bei etlichen Senatsmitgliedern auf Befremden. Denn der Hochschulrat saß neben dem Senat in der Findungskommission und hatte bei der Vorauswahl von Sträter keine Zweifel angemeldet.

Warum Prof. Sträter dann plötzlich doch nicht für das Präsidentenamt infrage kam, dazu wollte sich die Uni-Pressestelle mit Verweis auf die vertraulich gefallene Entscheidung nicht äußern.

Auch Sträter selbst wollte die gegen ihn gefallene Entscheidung auf HNA-Anfrage nicht kommentieren. Wie es aus Senatskreisen heißt, hat es aber keinen Rückzug vonseiten Sträters gegeben. Auch soll der Hochschulrat den Senatsmitgliedern nicht offengelegt haben, auf Basis welcher Kriterien er den Kandidatenkreis auf zwei Personen reduziert hat. Es gibt aber Spekulationen aus dem Umfeld der Hochschulgremien, es habe mit Sträters gewerkschaftlichem Hintergrund zu tun.

Steckbrief: Reiner Finkeldey

Jetzt noch Vize-Präsident der Uni Göttingen: Der Forstwissenschaftler Prof. Reiner Finkeldey. Foto: Uni Göttingen

Reiner Finkeldey (52) studierte in Göttingen Forstwissenschaften und schrieb dort seine Dissertation. Nach seiner Promotion arbeitete und forschte er unter anderem auf den Philippinen und in Thailand, bevor er als Populationsgenetiker in der Schweiz tätig war. Seit 2001 ist Finkeldey Professor der Uni Göttingen, seit 2013 deren Vize-Präsident. Er lebt in Göttingen und ist verheiratet. Zu seiner Bewerbung sagte er: „Meine langjährigen Erfahrungen in der Lehre, in zahlreichen, interdisziplinären Forschungsverbünden und insbesondere als Dekan, Senator sowie als Vize-Präsident einer großen Universität würde ich gern für die Universität Kassel einsetzen. Die Erhaltung der großen Fächervielfalt und Diversität der Universität ist mir wichtig; gleichzeitig würde ich zur Stärkung der vielen Bereiche beitragen, in denen jetzt schon hervorragende Leistungen in Lehre und Forschung erbracht werden. An der Universität Kassel soll auch künftig gern und erfolgreich gelernt, gelehrt und geforscht werden.“

Steckbrief: Winfried Speitkamp

Dekan des Fachbereichs Gesellschaftswissenschaften: Prof. Winfried Speitkamp von der Uni Kassel. Foto: privat

Winfried Speitkamp (56) studierte Geschichts- und Politikwissenschaften in Marburg, wo er 1986 promovierte. 1994 habilitierte er sich in Gießen. Seit 2010 hat er in Kassel die Professur für Neuere und Neueste Geschichte am Fachbereich Gesellschaftswissenschaften inne. Seit 2013 ist er Dekan des Fachbereichs. Zudem ist er Vorsitzender des hessischen Landesdenkmalrats. Er lebt in Gießen, ist verheiratet und hat fünf Kinder.

Zur Bewerbung sagte er: „Meine Motivation zur Kandidatur hat viel mit Interesse zu tun - an der Universität, an anderen Fachkulturen und Denkweisen, am Zusammenwirken im System Universität, an der Vielfalt und den Entwicklungspotenzialen der Universität - und meine Kandidatur hat mit Verantwortung zu tun: Die Universität hat mir sehr viel ermöglicht, umgekehrt will ich Verantwortung übernehmen. Die Leitbegriffe meiner Kandidatur lauten: Verantwortung übernehmen, professionell arbeiten, herausragende wissenschaftliche Leistungen in Forschung und Lehre fördern.“

Von Bastian Ludwig

Rubriklistenbild: © dpa

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