Schüler müssen weite Umwege fahren – Stadt will Einigung mit MHK

Radfahren in der Karlsaue: Verbot sorgt für viel Unmut

Besucher der documenta und Radfahrer bei der documenta 2012 in der Karlsaue Kassel.
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Bereits 2012 wurde über das Radfahren in der Karlsaue gestritten: Trotz hunderttausender documenta-Besucher gab es damals keine Probleme, wie wir seinerzeit berichteten. Nach der Kunstschau verbot die MHK das Radeln wieder. Zuletzt war es geduldet. Damit ist jetzt Schluss.

Radfahren in der Kasseler Karlsaue ist nicht mehr geduldet. Die Entscheidung der MHK sorgt für viel Unmut. Betroffen sind auch Schüler, die nun gefährliche Umwege in Kauf nehmen müssen.

Kassel – Dominique Lux weiß, wie attraktiv Radfahren für seine Schüler ist. Jahr für Jahr motiviert der Sozialpädagoge die Mädchen und Jungen der Offenen Schule Waldau zum Wettbewerb Schulradeln. Längst kommen immer mehr mit dem Rad zur Schule. An vielen Tagen sind die 200 Radständer komplett belegt. Doch für viele Schüler ist der sicherste und kürzeste Schulweg mit dem Rad nun verboten, weil die Museumslandschaft Hessen Kassel (MHK) das Radeln in der Karlsaue nicht mehr duldet.

Lux hat kein Verständnis dafür, dass der Park von der Kunsthochschule Richtung Auebad nicht mehr gequert werden darf. Die Schüler müssen nun fast zwei Kilometer Umweg über die Orangerie oder die enge Damaschkebrücke in Kauf nehmen, klagt Lux: „Das ist dämlich.“

Der Unmut unter Schülern und Eltern „ist groß“, wie die Schulelternbeiratsvorsitzende Sonja Seeger sagt. Auch sie kennt viele Schüler, die die Querverbindung nutzen. Statt drei Minuten durch die Aue seien sie nun deutlich länger unterwegs: „Dabei sollten Schüler möglichst schnell und sicher zur Schule kommen.“

Wer nun noch durch den Park radelt, muss damit rechnen, von Mitarbeitern der Sicherheitsfirma Protex angehalten und zum Absteigen aufgefordert zu werden. So will die MHK dafür sorgen, dass die Parkregeln eingehalten werden. Jahrelang hatte sie das Radeln lediglich geduldet. Nun müssen Radfahrer draußen bleiben oder schieben, da die Beschwerden über Radfahrer zuletzt zugenommen hätten, wie die MHK sagt. Lediglich auf dem Fernradweg zwischen Menzelstraße und Marmorbad darf weiter gefahren werden.

Für Robert Wöhler vom Allgemeinen Deutschen Fahrrad-Club (ADFC) ist das unverständlich. An den meisten Stellen böten die Wege ausreichend Platz. Für kleine Kinder sei die Aue einer der wenigen sicheren Orte zum Üben. Zudem hält Wöhler die Ausweichroute am Auedamm für „keine attraktive und sichere Verbindung“. Dort müssen sich Radfahrer und Fußgänger einen schmaleren Weg teilen.

Selbst die Vorsitzende des Seniorenbeirats, Helga Engelke, die eine „hochgradige Zunahme an Konflikten“ beklagt, findet ein Verbot „keine gute Lösung“. Auch zahlreiche Leserbriefschreiber kritisieren die MHK.

Im Rathaus ist man mit der jetzigen Situation ebenfalls nicht zufrieden. So ist im Fahrrad-Stadtplan der Stadt genau die Querverbindung zwischen Kunsthochschule und Auebad als Radroute eingezeichnet, die viele OSW-Schüler und Pendler nutzen. In einer früheren Auflage stand dazu der Hinweis, dass es noch einer Vereinbarung zwischen MHK und Stadt bedürfe. Nun teilt ein Rathaussprecher mit, dass es „selbstverständlich im Interesse der Stadt ist, die im Fahrradstadtplan markierte Querverbindung für den Radverkehr zu legalisieren“.

Ob dies auch im Sinne der MHK ist, war nicht zu erfahren. Die HNA stellte der Sprecherin mehrere Fragen. Sie sollen am nächsten Mittwoch beantwortet werden, wenn ein Pressetermin zum Radfahren in den MHK-Parks anberaumt ist. Lux von der OSW hat einen Wunsch: „MHK und Stadt sollten sich einigen.“ (Matthias Lohr)

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