Bahnhof Wilhelmshöhe: Jeder dritte Fernzug im April war unpünktlich

+
Anzeigetafel im IC-Bahnhof Wilhelmshöhe: So viele Verspätungen wie an Weihnachten 2010, als dieses Foto entstanden ist, gibt es nur in Ausnahmefällen. Aber im April hatte jeder dritte Fernzug mehr als fünf Minuten Verspätung.

Kassel. Die Deutsche Bahn bietet im Internet die Möglichkeit, sich jederzeit über Verspätungen zu informieren. Das soll ein Dienst für den Reisenden sein, ermöglicht aber auch eine Pünktlichkeits-Auswertung. Das Ergebnis: Im April war fast jeder dritte Fernzug am IC-Bahnhof verspätet.

Das zeigen die Daten, die der Zugmonitor der Süddeutschen Zeitung zur Verfügung stellt. Grundlage ist die Fahrplanauskunft der Bahn. Das Kasseler Unternehmen Eoda hat die Daten für die HNA gezielt zum Bahnhof Wilhelmshöhe ausgewertet.

Je später der Tag, desto später die Eisenbahn. Die Fernzüge, die am IC-Bahnhof Kassel-Wilhelmshöhe abfahren, sind nicht zu jeder Tageszeit gleichermaßen pünktlich. Vor 9 Uhr sind noch fünf von sechs Zügen im Fahrplan. Am Nachmittag steigt die Verspätungsquote auf über ein Drittel. Am späten Abend müssen Reisende auf fast jede zweite Verbindung warten.

Das ist eine der Lehren, die sich ziehen lassen, wenn man die Abfahrtzeiten der Fernzüge in Wilhelmshöhe genauer unter die Lupe nimmt. Im April schwankte die Verspätungsquote zwischen 13 Prozent in den frühen Morgenstunden und 46 Prozent gegen Betriebsschluss um 23 Uhr.

Für Reisende kann das eine wichtige Information sein: Je später am Tag sie ihre Fahrt beginnen, umso eher müssen sie sich auf Verspätungen einstellen. Die große Mehrheit der Züge ist allerdings pünktlich oder nur ein paar Minuten hinter dem Zeitplan. 738 der 1265 Fernzüge, die im vergangenen Monat verspätet abfuhren, verließen Wilhelmshöhe sechs bis zehn Minuten hinter dem Plan.

Die häufigste Ursache für Verspätungen ist laut Angaben der Bahn, dass ein vorausfahrender Zug unpünktlich ist. „Wenn zum Beispiel ein ICE aus irgendeinem Grund verspätet ist, kann es sein, dass ein Intercity kurzzeitig warten muss, damit die Reihenfolge des Fahrplans eingehalten wird“, erläuterte ein Bahnsprecher auf Nachfrage. Im April war das bei 221 Verbindungen der Fall. Die Mehrheit davon (161) war weniger als zehn Minuten verspätet.

Der Blick aufs Detail zeigt aber auch, dass die Passagiere bei 40 Prozent der verspäteten Züge mehr als zehn Minuten am Bahnsteig warten mussten. 102 Züge hatten sogar eine Verspätung von mehr als einer halben Stunde. Extreme Verspätungen sind aber Einzelfälle, für die nicht immer die Bahn verantwortlich ist.

• Spitzenreiter war der Intercity 2151, der am 4. April auf dem Weg von Düsseldorf nach Weimar eine Verspätung von 160 Minuten anhäufte. Er musste wegen einer Sperrung im Ruhrgebiet eine weite Umleitung fahren, sagte ein Bahnsprecher.

• Knapp zwei Stunden verspätet fuhr ein ICE am 2. April aus Stuttgart in Wilhelmshöhe ein. Er wurde von einem „Notarzteinsatz am Gleis“ aufgehalten. Das bedeutet meist einen Unfall oder Selbstmordversuch auf der Strecke.

• Die gleiche Ursache hatte die 110-minütige Verspätung des ICE aus München am letzten April-Wochenende. „Als noch Bauarbeiten dazukamen, war diese Verspätung nicht mehr aufzuholen“, sagte ein Bahnsprecher.

Während der Osterferien gab es auf zahlreichen Strecken in Deutschland Bauarbeiten. Die Folgen sind aber laut Bahn bereits in den Fahrplan einkalkuliert, würden also nur bei außergewöhnlich großen Behinderungen als Verspätung registriert. Dennoch waren Bauarbeiten im April mit 161 Fällen die zweithäufigste Ursache für Verspätungen.

Von Marcus Janz

Mehr zum Thema in der gedruckten Mittwochsazsgabe.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert. Nutzer, die diesen Dienst nicht verwenden, können sich hier über das alte HNA-Login anmelden.

Hinweise zum Kommentieren:
In der Zeit zwischen 17 und 9 Uhr werden keine neuen Beiträge freigeschaltet.

Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.

Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.