Mann soll eine zweite Chance bekommen

Unruhe im Waldorfkindergarten: Erzieher griff zu hart durch

Kassel. Der Waldorfkindergarten an der Goetheanlage ist seit Monaten in Aufruhr. Ausgelöst worden war die Verunsicherung der Eltern durch die Beobachtungen dreier Elternpaare.

Diese hatten im August 2013 ihre Kinder aus der Kita genommen und sich an den Träger, das Sozialwerk der Christengemeinschaft Hessen, gewandt. Sie berichteten von blauen Flecken und Druckstellen an den Körpern ihrer Kinder, die durch hartes Durchgreifen eines Erziehers entstanden seien.

Diese Schilderungen sollten sich als wahr herausstellen. „Der Erzieher hat Kinder in mehreren Fällen zu hart angefasst, wenn sie unruhig waren. Härter, als wir das für richtig halten“, sagt Uschi Vortisch, Vorsitzende des Trägervereins. Er habe die Kinder disziplinieren wollen und dabei die Grenze des Professionellen überschritten. Schläge habe es aber nie gegeben. „Das soll keine Entschuldigung sein, aber er war überfordert“, sagt Vortisch. Der Betroffene, der seit über 20 Jahren in der Kita arbeite, habe sein Fehlverhalten eingeräumt.

Als die drei Eltern und eine ehemalige Praktikantin der Kita Anfang November die städtische Kita-Aufsicht über die Vorgänge informierten, folgten Konsequenzen für den langjährigen Erzieher. Er wurde freigestellt.

Bis heute. Denn in Abstimmung mit der Kita-Aufsicht und dem Elternbeirat soll der Mann heute wieder seinen Dienst aufnehmen. Doch er darf keine Gruppe mehr leiten und steht unter Beobachtung. „Die Kita hat von uns die Auflage bekommen, dass der Mann nicht mehr alleine mit den Kindern im Raum sein darf. Die Tür muss immer offen stehen“, sagt Jugendamtsleiterin Judith Osterbrink. Unter Einhaltung dieser Vorgabe sei das Amt mit der Wiedereingliederung einverstanden.

Bei einem Elternabend am vergangenen Montag erklärten sich die betroffenen Eltern bereit, dem Mann eine zweite Chance zu geben. „Gegen den Elternwillen hätten wir das auch nicht gemacht“, sagt Vortisch.

Artikel aktualisiert um 18 Uhr

Trotz der Vorfälle werde der Betroffene nach wie vor von etlichen Eltern geschätzt, ergänzt Samantha Thiel-Hagedorn, Vorsitzende des Elternbeirates. Nach den Vorfällen beobachtet sie eine positive Entwicklung – so transparent sei nicht immer in der Kita kommuniziert worden wie derzeit.

Angestoßen durch die Vorfälle muss neben dem betroffenen Erzieher auch das restliche Personal an Fortbildungen teilnehmen. Auch die Organisationsstruktur und das pädagogische Konzept der Kita wurden in den vergangenen Wochen umgestaltet. So gibt es mit Beate Lorenz erstmals eine Kita-Leitung. Bislang wurde alles im Team entschieden. (bal)

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