Der Zeitplan für die Sanierung der Stiftskirche wird umgekrempelt, weil Geld von Bund und Land fehlt

„Uns fehlt eine Million Euro“

Zeugnis hoher Zimmermannskunst: Der 1398 erbaute Dachstuhl der Stiftskirche besticht mit seiner passgenauen Balkenkonstruktion, die das Dach hält. Architekt Martin Burischek hat bis zum Erntedankfest Zeit, die schweren Schäden am tragenden Teil zu beseitigen. Das kleine Foto zeigt das eingerüstete Kirchenschiff, über das die Zimmerer an die beschädigten Stellen der Stiftskirche gelangen. Dekanin Carmen Jelinek (links) und Silke Does vom Vorstand des Fördervereins inspizieren die Baustelle. Fotos: Stier

Kaufungen. Die Nachricht kam für Dekanin Carmen Jelinek ziemlich überraschend: Bund und Land wollen keine Zuschüsse für die Erneuerung der Heizung in dem fast 1000 Jahre alten Kaufunger Wahrzeichen Stiftskirche bezahlen. Jelinek: „Uns fehlt eine Million Euro. Jetzt sind wir umso mehr auf Hilfe von Spendern angewiesen.“ Um die jeweils jährlich 150 000 Euro vom Bund und vom Land nicht zu verlieren, muss der zeitliche Ablauf der Sanierung nun komplett umgekrempelt werden. Förderwürdige Maßnahmen werden vorgezogen, die Sanierung der Haustechnik von 2013 auf 2014/15 verschoben, erläuterte Architekt und Sanierungschef Martin Burischek.

Für die Kirchennutzung heißt das: Die eigentlich für 2013 geplante komplette Schließung der Kirche wird auf die beiden Folgejahre verschoben.

2013 wird stattdessen das Mauerwerk von Turm und nördlichem Seitenschiff saniert, 2014 kommt die südliche Außenwand hinzu, außerdem werden alle Fenster des Hauptschiffes restauriert. Für all diese Arbeiten gibt es Geld von Bund und Land.

Die Finanzierung der Bauabschnitte sieben und acht ist noch völlig offen. Selbst ohne die Erneuerung der Wilhelmsorgel und der Innenausstattung der Kirche fehlt rund eine Million Euro. Jelinek: „Da sieht es ziemlich düster aus, denn so viel Geld kann auch der Förderverein nicht aufbringen.“

Dessen Arbeit zeigt trotzdem reiche Ernte: 312 000 Euro wurden bisher durch zahlreiche Aktionen eingesammelt. Doch um die Sanierung erfolgreich abzuschließen, müssen zusätzliche Geldquellen aufgetan werden. In diesem Jahr steht die Sanierung der hölzernen Dachtragekonstruktion bevor.

Die 1398 verbauten Eichenbalken haben teilweise unter dem Angriff von Feuchtigkeit, Larven und Käfern gelitten, Mauerwerk bröselt, Holz bröckelt. Architekt Burischek: „Das Kirchenschiff ist noch nicht direkt einsturzgefährdet, aber der 30 Meter lange Dachstuhl muss dringend saniert werden.“

Damit die Zimmerer an den Arbeitsbereich herankommen, wurde im Kircheninneren ein riesiges Gerüst aufgebaut.

Marode Holzteile werden meist durch jahrhundertealte Eichenbalken aus abgerissenen Fachwerkhäusern ersetzt. Bis zum Erntedankfest am 30. September soll die Kirche wieder voll genutzt werden können, versprechen Architekt und Dekanin.

Infos: www.foerderverein-stiftskirche-kaufungen.de

Von Thomas Stier

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