Unschuldig in Haft: Lehrerin ist krankgeschrieben - Behörde prüft weitere Schritte

Bielefeld/Kassel. Kann die Biologielehrerin Heidi K., die ihren Kollegen Horst Arnold der Vergewaltigung bezichtigte und ihn so für fünf Jahre unschuldig ins Gefängnis brachte, weiter Lehrerin in Bielefeld bleiben? Diese Frage prüft zuzeit die Bezirksregierung in Detmold.

Offensichtlichtlich will man aber abwarten, ob und wann das Urteil der Landgerichts Kassel, nachdem Horst Arnold aus erwiesener Unschuld freigesprochen wurde, rechtskräftig wird. Bis zum kommenden Dienstag um 0 Uhr könnte Heidi K. gegen das Urteil im Wiederaufnahmeverfahren Revision einlegen.

Lesen Sie auch:

- Freispruch für Horst Arnold noch nicht rechtskräftig

- Fünf Jahre unschuldig im Knast: „Die haben sich alle von Heidi K. blenden lassen“

- Unschuldig im Knast? - Angeklagter Lehrer beteuert erneut Unschuld

Heidi K. ist nach Informationen der „Neuen Westfälischen Zeitung“ in Bielefeld seit fünf Wochen krankgeschrieben. In der Stadt habe es Gerüchte gegeben, dass sie inzwischen vom Dienst suspendiert worden sei und ihr Gymnasium nicht mehr betreten dürfe. Eine Sprecherin der zuständigen Bezirksregierung Detmold bestätigte das nicht. „Sie ist nicht vom Dienst suspendiert worden, allerdings prüfen wir, ob wir sie vom Dienst entbinden können“, sagte sie.

Auch die Schulleitung habe die Schüler lediglich darüber informiert, dass die Lehrerin bis zum Beginn der Sommerferien in Nordrhein-Westfalen (25. Juli) fehlen werde. Von einer Suspendierung sei nicht die Rede gewesen. Die Schulleitung wird von der Bielefelder Zeitung so zitiert: „Uns geht es um den Schulfrieden, aber wir bewegen uns auf dünnem Eis, solange die Sache nicht rechtskräftig geklärt ist“.

Der Anwalt des unschuldigen Horst Arnold, Hartmut Lierow, hatte bereits vor rund zwei Jahren Anzeige gegen Heidi K. wegen Freiheitsberaubung bei der Staatsanwaltschaft Darmstadt gestellt. Dort hieß es: Wenn der Feispruch von Horst Arnold rechtskräftig sei, werde man die wegen des Kasseler Prozesses ruhenden Ermittlungen gegen Heidi K. wegen Freiheitsberaubung und falscher Verdächtigung wieder aufnehmen. Beobachter des Kasseler Prozesses vermuten, Heidi K. werde Revision einlegen, um vor allem Zeit zu gewinnen. So könnte sie sich eventuell mit dem Vorwurf der Freiheitsberaubung in die Verjährung retten.

Horst Arnold war im Jahr 2002 in Darmstadt wegen Vergewaltigung zu fünf Jaren Gefängnis verurteilt worden. Er hatte die Tat stets bestritten und die volle Haft abgesessen. (tho)

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert. Nutzer, die diesen Dienst nicht verwenden, können sich hier über das alte HNA-Login anmelden.

Hinweise zum Kommentieren:
In der Zeit zwischen 17 und 9 Uhr werden keine neuen Beiträge freigeschaltet.

Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.

Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.