„Unsere Kunden rufen schon wie wild an“

Friseure sehnen die Wiederöffnung am 1. März herbei

Friseursalon
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Vorfreude bei den Friseursalons: Sie dürfen unter strikten Hygiene-Auflagen ab 1. März wieder öffnen. Bei vielen Salons hat sich die Warteliste bereits gefüllt, sodass Spontan-Termine warten müssen.

Die Friseure haben stark unter den Lockdowns im vergangenen Frühjahr und ab Mitte Dezember gelitten. Doch in zwei Wochen gehören sie zu den ersten, für die der harte Lockdown vorbei ist.

Kassel – Wir haben uns bei Kasseler Friseuren umgehört: Erwarten sie ab dem 1. März einen Ansturm auf ihre Salons? Und bekommen auch Kunden einen Termin, die sich spontan entschließen, ihre Haare schneiden zu lassen?

Dabei ist es gar nicht so einfach, am Dienstagvormittag einen Friseur ans Telefon zu bekommen. Bei vielen tutet es bloß in der Leitung. Kein Wunder: Die Salons sind nicht besetzt und es lohnt sich wohl nicht, bereits zwei Wochen vor Wiedereröffnung Termine zu vergeben. Zumal die Terminkalender schon gut gefüllt sind.

In wenigen Fällen gibt es auch mal eine Bandansage mit Hinweisen auf die Social-Media-Kanäle und Websites. Doch es gibt auch sie: Die stets erreichbaren, geschäftstüchtigen Friseure, die es sich nicht nehmen lassen, die Haarhilfesuchenden persönlich am Telefon zu begrüßen.

Einer von ihnen ist Kai Herrmann, Angestellter beim Marelli-Friseursalon im Königstor. „Es dauert bestimmt drei bis vier Wochen, bis Kunden wieder einen Spontan-Termin anmelden können“, sagt er. Seine Kollegen und er würden derzeit eine Liste der Kunden abarbeiten, die bereits vor dem Lockdown einen Termin vereinbart hätten. „Wir rufen unsere Kunden nach und nach an, heute bin ich an der Reihe. Das sind ganze zwei DIN-A4-Seiten“, berichtet Herrmann. Mit ihren fünf Angestellten und einem Auszubildenden kämen insgesamt fünf bis sechs DIN-A4-Seiten zusammen.

Es gebe strenge Regeln seitens der Politik. So müsse der Salon die Hygienerichtlinien einhalten, Kunden nur einzeln bedienen und Termine dürften nur fest vergeben werden. „Wir werden den Teufel tun, uns dem zu widersetzen“, unterstreicht Kai Herrmann.

Auch der Cut-Line-Friseursalon an der Kurt-Schumacher-Straße befolgt diese Regeln. Dennoch haben hier spontane Kunden größere Chancen auf einen baldigen Termin: „Wer zuerst kommt, mahlt zuerst“, macht Friseurin Daniela Kröhler deutlich. Der Salon habe seit Montag eine Rufumleitung eingerichtet. „Wer bei uns anruft, bekommt auch einen Termin“, verrät Kröhler.

In normalen Zeiten arbeite der Salon ohne Terminvergabe. „Aber wir halten uns selbstverständlich an die Regeln, die die Regierung für die Corona-Zeit beschlossen hat, und arbeiten jetzt ausschließlich mit vorausgegangener Terminabsprache.“ Daniela Kröhler vermutet, dass ab nächster Woche viele Kunden anrufen werden. „In der ersten Märzwoche werden auch viele vor dem Salon stehen, um einen Termin zu ergattern“, glaubt sie.

Den Terminen mit den Kunden fiebert auch Vivian Döring entgegen. „Wir freuen uns sehr, dass es bald wieder losgeht. Unsere Kunden rufen bei uns schon wie wild an“, berichtet die Friseurmeisterin, die bei den Goethestern-Friseuren in der Lassallestraße arbeitet.

In den vergangenen Wochen hätte das Team die Kunden mit bereits vereinbarten, ausgefallenen Terminen angerufen, um für Anfang März neue Termine auszumachen. „Darunter waren viele Stammkunden. Somit sind die ersten zwei März-Wochen bereits gefüllt“, erklärt Döring. „Vereinzelt kriegen wir eventuell noch kleinere Termine wie einen Herrenhaarschnitt unter“, sagt sie. Große Termine, wie Färben und Haarverlängerung, könne der Salon erst nach der zweiten Märzwoche wieder anbieten. Dienstleistungen im Gesicht böten sie nicht an, weil sie im ersten Lockdown verboten gewesen seien und die Rechtslage unsicher sei.

Die Lockdowns hätten sehr an den Nerven der Mitarbeiter gezehrt, denn man habe sich sehr eingeschränkt gefühlt. „Alle unsere Mitarbeiter waren in Kurzarbeit, meine Mutter hat als Geschäftsführerin gar kein Einkommen gehabt“, berichtet Döring. „Unsere Ersparnisse der vergangenen fünf Jahre haben wir aufgebraucht.“

In der ersten Woche werde das Team daher mehr als sonst arbeiten. „Wir öffnen schon am Montag und nehmen mit, was geht.“ Ohnehin arbeite man auch in normalen Zeiten nach Vereinbarung, um den Kunden entgegenzukommen. So sei beispielsweise auch um 16 Uhr noch ein aufwendiger vierstündiger Termin nach Absprache möglich. (Paul Bröker)

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