Nicht nur an Tankstellen gibt es Konflikte mit Maskenverweigerern

Nach dem Mord in Idar-Oberstein: Auch Kasseler haben Angst vor Querdenkern

Trauer in Idar-Oberstein: In der Tankstelle in der Stadt in Rheinland-Pfalz hatte ein Kunde den 20 Jahre alten Kassierer erschossen – aus Ärger über die Maskenpflicht. Auch in Kassel ist die Betroffenheit groß.
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Trauer in Idar-Oberstein: In der Tankstelle in der Stadt in Rheinland-Pfalz hatte ein Kunde den 20 Jahre alten Kassierer erschossen – aus Ärger über die Maskenpflicht. Auch in Kassel ist die Betroffenheit groß.

Der Mord an einem Tankstellen-Kassierer aus Idar-Oberstein wegen der Maskenpflicht hat auch in Kassel für Entsetzen gesorgt. Manche befürchten, dass sich Querdenker weiter radikalisieren.

Kassel – Markus Meier hatte geahnt, dass so etwas wie in Idar-Oberstein einmal passieren würde. In dem Städtchen in Rheinland-Pfalz hatte am Samstag ein Kunde einer Tankstelle den 20-jährigen Kassierer erschossen – weil der ihn auf die Maskenpflicht hingewiesen hatte. Meier, der in Kassel ein Geschäft betreibt, hatte bereits Ende vorigen Jahres vor Maskenrebellen und „Querdenkern“ gewarnt und ihnen einen Brief geschrieben.

„Die kommen mit Mistgabeln und Fackeln“, zitierten wir den Geschäftsmann damals und gaben ihm ein Pseudonym, um ihn zu schützen. Dass er seinen Namen öffentlich nicht preisgab, sei im Nachhinein eine „weise Entscheidung“ gewesen: „Unter Umständen kann es lebensgefährlich sein.“

Der Fall aus Idar-Oberstein hat deutschlandweit für Entsetzen gesorgt und eine Debatte über eine mögliche Radikalisierung der „Querdenker“ entfacht. Meier stellt fest, dass immer wieder Kunden in seinen Laden kommen, die keine Maske oder diese nur unterhalb der Nase tragen: „Dieser Menschenschlag setzt ganz bewusst auf Konfrontation und testet Grenzen aus.“

Besonders unter Tankstellenbetreibern hat der Tod des Studenten in Idar-Oberstein für Betroffenheit gesorgt. „Das ist wahnsinnig traurig“, sagt Claudia Haghani von der Firma Knierim Tankstellen. Bei der Brandschutzschulung an der WK-Tankstelle in der Leipziger Straße für Mitarbeiter mehrerer Unternehmen wurde darum gestern eine Schweigeminute eingelegt.

Laut Haghani, deren Firma sieben Tankstellen betreibt, halten sich die allermeisten Kunden an die Maskenpflicht. Sie sagt aber auch: „Es kommt schon vor, dass Leute unverschämt sind.“ Gegenüber ihnen angemessen zu reagieren, sei nicht einfach. Mitarbeiter weisen die „Quertreiber“, wie Haghani „Querdenker“ und Maskenverweigerer nennt, auf die Regeln hin. Zugleich sollen sie auch deeskalierend handeln, damit Konfliktsituationen nicht ausarten.

Schon vor Corona war die Tankstelle für Haghani „ein Ort, an dem gern mal Frust abgelassen wird und an dem man mit dem Kassierer oft allein ist“. Auch für die Zeit nach Corona müsse man Wege finden, mit Menschen umzugehen, die provozieren wollen. Denn: „Heute muss man damit rechnen, dass Menschen ein Messer in der Tasche haben.“

Auch Dirk Lassen, dessen Firma Albert Beck acht Tankstellen in und um Kassel betreibt, hält „in unserer Gesellschaft mittlerweile alles für möglich“. Die Tat in Idar-Oberstein ist für ihn „unfassbar“. Trotzdem sagt er: „Die Kunden haben sich an die Maskenpflicht gewöhnt. Bei uns gibt es überhaupt keine Probleme.“

Dagegen wollte der Besitzer eines Kiosks mit uns nur anonym sprechen – aus Angst vor „Querdenkern“ und Rechten, wie er sagt. Er hat festgestellt, dass sich im Lauf der Zeit immer weniger Kunden an die Maskenpflicht halten, vor allem nachts, wenn sie betrunken sind. Dies seien aber nicht nur junge Leute, sondern in erster Linie Menschen über 40.

„Ein richtiger Umgang mit solchen Personen ist nicht immer einfach“, sagt er frustriert. Erst Anfang der Woche sei ein Maskenverweigerer aggressiv geworden und habe sauer auf seine Theke geschlagen, als er ihn aufforderte, seine Maske anzuziehen. Oft sei ihm sogar Trinkgeld angeboten worden, wenn er über die Maskenpflicht hinwegsehe – was er allerdings nicht angenommen habe. (Matthias Lohr und Pauline Bräuer)

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