Unterbringung von Flüchtlingen: Kasseler Turnhallen sind bislang tabu

Flüchtlinge in Turnhallen: In vielen Regionen Deutschlands gibt es diese Art der Unterbringung bereits, in Kassel und Umgebung bislang nicht. Unser Bild entstand in Ellwangen (Baden-Württemberg). Foto: dpa

Kassel. In einigen Regionen Nordhessens werden Flüchtlinge in Turnhallen untergebracht. Ob das für Kassel und Umgebung auch vorgesehen ist sowie Antworten auf weitere Fragen.

Dem Landkreis Waldeck-Frankenberg sind vom Land Hessen kurzfristig unter dem Einsatzbefehl „Katastrophenschutz“ 1000 Flüchtlinge zugewiesen worden, die bis spätestens heute Abend eintreffen sollen. Sind darunter auch Menschen aus schon bestehenden Erstaufnahme-Einrichtungen des Regierungspräsidiums Kassel, um beispielsweise Calden zu entlasten? 

Nein, das sei nicht der Fall, sagt Michael Conrad, Sprecher des Regierungspräsidiums Kassel. Allerdings sei es ja umgekehrt betrachtet so, dass die bisherigen Erstaufnahme-Einrichtungen des Regierungspräsidiums in Kassel und Umgebung nicht noch einige dieser 1000 neuen Flüchtlingen aufnehmen müssten. Das schaffe etwas Entlastung dahingehend, dass man die Suche nach festen Winterquartieren zumindest mit etwas mehr Ruhe angehen könne.

Sollen in Kassel und Umgebung auch kurzfristig Turnhallen mit Flüchtlingen belegt werden? 

In Waldeck-Frankenberg mussten in Bad ArolsenMengeringhausen und in der Kreisstadt Korbach kurzfristig insgesamt vier Hallen zur Verfügung gestellt werden, zudem eine weitere Sport- und Kulturhalle in Gemünden, wo jetzt sämtliche geplante Veranstaltungen für das nächste halbe Jahr abgesagt wurden – von Hochzeiten über den Karneval bis hin zum Wochenmarkt vor der Halle.

Eine solche Entwicklung sei von seiten des Regierungspräsidiums für Kassel und Umgebung nicht im Gespräch, erklärte RP-Sprecher Conrad: „Turnhallen stehen nicht zur Debatte.“ Das hatte auch die Stadt Kassel mit Bezug auf ihre eigenen Unterkünfte vor kurzem auf HNA-Anfrage erklärt. Man versuche generell bei der Suche nach festen Unterkünften für den Winter erst alle anderen Möglichkeiten auszuschöpfen. Derzeit seien weitere Objekte in der Prüfung.

Wie viele Flüchtlinge sind derzeit überhaupt in den Erstaufnahme-Einrichtungen der Region untergebracht?

Nach den Zahlen vom Donnerstagmorgen sind in der Zeltstadt Calden 1380 Menschen untergebracht, damit liege man etwas unter der maximal vorgesehenen Belegung von 1500 Personen. Die Zelteinrichtung in Schwarzenborn ist laut Regierungspräsidium mit 410 Menschen voll belegt, in Hessisch Lichtenau sind es 478, in Beberbeck 252.

In den Erstaufnahme-Unterkünften in Kassel sieht es so aus: Die Einrichtung in der Landesfeuerwehrschule, wo 500 Flüchtlinge leben, ist voll belegt. Im ehemaligen Veterinäramt an der Druseltalstraße sind es 282 Personen. Einen kleinen Puffer von freien Plätzen lasse man noch in der ehemaligen Lüttich-Kaserne auf der Marbachshöhe, falls noch kurzfristig Familien mit Kindern oder schwangere Frauen dorthin verlegt werden müssten, erklärt Michael Conrad. Dort leben 200 Flüchtlinge.

Es gibt zahlreiche Hilfsorganisationen und Freiwillige, die den vielen Flüchtlingen in der Region helfen. Sind darunter auch muslimische Organisationen? 

Ja, das sei so, berichtet RP-Sprecher Conrad. Auch muslimische Helfer und Organisationen seien sehr interessiert und engagiert, wenn es darum gehe, zu helfen. So hätten muslimische Gemeinden etwa in einigen Flüchtlings-Einrichtungen der Region, darunter auch in den Zeltstädten Calden und Schwarzenborn, vor kurzem das islamische Opferfest gefeiert und dabei für die Menschen in den Unterkünften Essen zubereitet.

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