Noch ein Tunnel verschwindet

Unterführung am Kasseler Staatstheater wird jetzt verschlossen

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Ist bald Geschichte: Die Unterführung am Steinweg vom Staatstheater in Richtung Entenanger in Höhe der Mittelgasse. Die Arbeiten beginnen am Montag.

Kassel. Sie sind in der Regel dunkel und dreckig: In der kommenden Woche wird eine weitere Unterführung zugeschüttet, nämlich die zwischen Staatstheater und Mittelgasse.

Wer durch eine Unterführung geht, der fühlt sich oft unwohl und unsicher. Die Zeiten, in denen Unterführungen als modern galten, sind ohnehin vorbei. Gab es Anfang der 1990er-Jahre in Kassel noch 17 Unterführungen, sind es 2018 nur noch sieben. In der kommenden Woche wird eine weitere Unterführung zugeschüttet, nämlich die zwischen Staatstheater und Mittelgasse. Die Arbeiten sollen laut der Stadt Kassel vier Wochen dauern. Die Kosten betragen 60.000 Euro.

Knapp sechs Jahrzehnte nach der Eröffnung wurde 2015 die Unterführung der Altmarkt-Kreuzung zugeschüttet. Grund war der Umbau der Kreuzung. 1956 hatte der damalige Oberbürgermeister Lauritz Lauritzen den Tunnel eröffnet und von einer glücklichen Lösung für die Fußgänger gesprochen. Was damals als fortschrittlich galt, wurde im Laufe der Jahre immer unansehnlicher. Schmuddelige unterirdische Wege, die von vielen auch als Bedrohung empfunden wurden.

Im Jahr 1959: Die Eröffnung der Unterführung an der Trompete in Kassel.

„Der Sicherheitsaspekt ist ein großes Thema“, sagt Polizeisprecher Torsten Werner. Zum einen mit Hinblick auf die Verkehrssicherheit: Für Fußgänger sind die Tunnel deutlich sicherer als oberirdische Übergangswege. Auch der Verkehrsfluss wird weniger beeinträchtigt.

Aber was die Kriminalität angeht, belegt die Statistik den schlechten Ruf der Unterführungen nicht, so Werner. Die Straftaten seien deutlich niedriger, als man aufgrund der bedrohlich wirkenden Atmosphäre annehmen würde. Ein Nachteil sei aber, dass die Tunnel Kriminellen Schutz und Anonymität bieten würden.

So sieht die Unterführung von innen aus.

Der häufigste Grund für die Schließung der Unterführungen ist allerdings laut Stadt Kassel fehlende oder mangelnde Barrierefreiheit. Ampeln machen Fußgängern die Überquerung der Straße leichter als unterirdische Wege. Da mit dem Wegfall der Unterführung auch die Rad- und Fußgängerwege dorthin nicht mehr benötigt werden, gibt es mehr Platz für Fußgänger und Radfahrer. Aber für die Stadt ist die Schließung der Unterführungen auch eine Geldfrage, da die Kosten für den Winterdienst eingespart werden.

Dass die noch vorhandenen Unterführungen im Stadtgebiet auch noch verschlossen werden sollen, ist nicht vorgesehen.

Unterführungen im Stadtgebiet

• Altmarkt (geschlossen 2015) 

• Platz der deutschen Einheit 

• Weserstraße/ Ysenburgstraße (geschlossen 2004) 

• Frankfurter Straße / Fünffensterstraße (Trompete)

• Hallenbad Ost (geschlossen 1997) 

• Holländischer Platz 

• Steinweg / Mittelgasse (wird jetzt geschlossen) 

• Friedrichsplatz / AOK (geschlossen 1994) 

• Holländische Straße/ Hegelsbergstraße (geschlossen 1997) 

• Holländische Straße / Wienerstraße 

• Wilhelmshöher Allee (Endstation Straßenbahn) (geschlossen 2014) 

• Hauptbahnhof (geschlossen 2005) 

• Rathauskreuzung (geschlossen 2005/16) 

• Scheidemannplatz (geschlossen 2005) 

• Holländische Straße / Eisenschmiede (geschlossen 2014) 

• Frankfurter Straße / Dennhäuserstraße 

• Wartekuppe

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