Wie das Unternehmen MEG damals so viel Geld machte

Kassel. Viele werden sich fragen: Die Ferraris, die Luxusreisen, die Partys, die horrenden Gehälter - wie konnte das alles bei der MEG bezahlt werden? Wenn die MEG Kunden an eine Versicherung vermittelte, dann zahlten die Versicherungen Provisionen.

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Als das Geschäft lief, flossen von den Versicherungen auch Vorschüsse in Millionenhöhe auf zu erwartende Provisionen.

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Die Provisionen der Versicherungen waren unglaublich hoch. Sie betrugen das Acht-, Zehn- oder Zwölffache des abgeschlossenen Monatsbeitrages - mitunter lagen sie noch höher. Im Klartext: Kostete eine private Krankenversicherung etwa 500 Euro im Monat, flossen an die MEG Provisionen von 4000, 5000, 6000 oder mehr Euro - für einen einzigen Versicherungsvertrag. Diese Prämien waren so konstruiert, als bliebe der Kunde ein Leben lang bei der Versicherung.

Die Wirklichkeit sah anders aus. Es gab jede Menge Stornierungen. Für diese Stornierungen hätte die MEG das Geld an die Versicherungen zurückgeben müssen. Die Storno-Quote in der Versicherungsbranche soll bei 30 bis 40 Prozent liegen. Also hätte die MEG von beispielsweise 1000 Euro Einnahmen 300 bis 400 Euro für die Stornos zurücklegen müssen. Das tat man nicht oder zu wenig. Man wirtschaftete mit den 1000 Euro, um beim Beispiel zu bleiben.

Mehmet E. Göker - einst schillernder Unternehmer

2003 gründet Mehmet Erkan Göker den Versicherungsmakler MEG als Ein-Mann-Betrieb. 2006 wird sie zur Aktiengesellschaft.  © Archiv
Der Sitz des Unternehmens ist in der Falderbaumstraße. © Archiv
Die Mannschaft um Göker ist guter Dinge und die ersten Jahre sollen ihr Recht geben. © Archiv
Sechs Jahre später - im Frühjahr 2009 - feiert er mit dem britischen Casting-Star Paul Potts. © Archiv
Im September 2009 die Wende des pompösen Versicherungsvermittlers MEG AG: Er wird übernommen vom Finanzdienstleister Aragon AG.  © Archiv
Im Oktober dann ein weiterer Schritt Richtung Ende: Die MEG AG meldet Insolvenz an. Die Staatsanwaltschaft ermittelt wegen des Verdachts der Untreue und Insolvenzverschleppung. © Archiv
Es ist vorbei, in der Firmenzentrale gehen im November 2009  die Lichter aus. Zu diesem Zeitpunkt ist Göker kaum noch in Kassel anzutreffen. © Archiv
Das Inventar wird versteigert: der private Frisiersalon zum Beispiel. © Archiv
Ob Göker schon an das nahende Aus dachte, als er Paul Potts traf?  © Archiv
Der Auftritt fand im Rahmen der Ehrung der besten MEG-Verkäufer statt. Dafür wurde die Kasseler Stadthalle angemietet. © Archiv
Den gemeinsamen Auftritt ließ sich Göker vor den jubelnden Mitarbeitern nicht nehmen. © Archiv
Göker trat auch als Sponsor von regionalen Sportvereinen auf. © Archiv
Die Göttinger BG wurde in MEG umgetauft. © Archiv
Göker präsentierte das neue Trikot. © Archiv
Auch beim VfB Süsterfeld floss das Geld mit Göker. Nun kämpft der Fussballclub ums Überleben. © Archiv
Auch beim KSV Hessen Kassel wollte er sich engagieren, zog dann aber zurück - es habe "beleidigende Vorwürfe" gegeben... © Archiv
Das sagte er bei der Mitgliederversammlung im Juni 2008... © Archiv
Für die Vereinsverantwortlichen kam dies überraschend. © Archiv
Eine weitere Leidenschaft: schnelle, luxuriöse Autos. © Archiv
Zudem: Gesehen werden wie hier bei einem Boxkampf. © Archiv
Doch für Furore sorgte vor allem sein schneller Aufstieg in der Versicherungsbranche. © Archiv
Über seine Pläne für Kassel und den Sport sprach er mit HNA-Redakteuren.  © Archiv
Vielen Vorwürfen trat Göker entgegen. © Archiv
Der Anfang vom Ende: Im September 2007 findet eine Razzia bei MEG statt. Ermittlungen wegen des Verdachts der Steuerhinterziehung und der Beitragsvorenthaltung. Göker kommt gerade aus dem Kurzurlaub... © Archiv
noch in Shorts und Flipflops. Später akzeptiert der MEG-Chef eine Geldstrafe von 720.000 Euro. © Archiv
Den Rolls Royce verkauft er später. © Archiv
Auch die Zahl der Porsches und Ferraris hat sich in Kassel nach der MEG-Pleite minimiert.  © Archiv
Bilder aus alten Tagen: Entschlossen... © Archiv
...und visionär. So sah sich Göker gerne.  © Archiv
Und das feierte er regelmäßig im Marth. © Archiv
Das blieb von der MEG: Alkoholika, © Archiv
das Motto Gökers "Träume nicht dein Leben, lebe deinen Traum." © Archiv
...Firmenbroschüren,... © Archiv
... Sakkos,... © Archiv
...Manschettenknöpfe. © Archiv
Die Auktion ist längst beendet. Die 200 Gläubiger der MEG-Pleite warten noch auf ihr Geld. © Archiv
Mehmet Göker vor dem Kasseler Amtsgericht
Im März 2010 musste sich Mehmet Göker vor dem Kasseler Amtsgericht verantworten. © HNA/Herzog
Mehmet Göker vor dem Kasseler Amtsgericht
Angeklagt war er wegen Beleidigung und Bedrohung. © HNA/Herzog
Mehmet Göker vor dem Kasseler Amtsgericht
Er gab an, ehemalige Mitarbeiter beleidigt zu haben. Bedroht aber habe er niemanden. © HNA/Herzog
Mehmet Göker vor dem Kasseler Amtsgericht
Göker wurde zu einer Geldstrafe von 2500 Euro verurteilt. © HNA/Herzog

Bezahlt wurde der Luxus nicht vom Gewinn, sondern aus dem Umsatz. Das funktionierte nur so lange, wie ständig neue Verträge abgeschlossen werden konnten. Das heißt, die Zahl der Neuverträge musste die der Stornos bei Weitem übertreffen. Damit tat man sich zunehmend schwerer. Die Vermittler, so erzählen Insider, versuchten, die hohen Abschlussraten aufrechtzuerhalten, indem Verträge manipuliert wurden oder Ausschlusskriterien für eine private Krankenversicherung wie Allergien nicht abgefragt wurden. Selbstverständlich platzten auch diese Verträge. Zum Ende der MEG näherte sich die Stornorate fast 100 Prozent. Die Versicherungen zogen sich zurück. Die MEG war pleite. (tho)

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