Wie das Unternehmen MEG damals so viel Geld machte

Kassel. Viele werden sich fragen: Die Ferraris, die Luxusreisen, die Partys, die horrenden Gehälter - wie konnte das alles bei der MEG bezahlt werden? Wenn die MEG Kunden an eine Versicherung vermittelte, dann zahlten die Versicherungen Provisionen.

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Als das Geschäft lief, flossen von den Versicherungen auch Vorschüsse in Millionenhöhe auf zu erwartende Provisionen.

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Die Provisionen der Versicherungen waren unglaublich hoch. Sie betrugen das Acht-, Zehn- oder Zwölffache des abgeschlossenen Monatsbeitrages - mitunter lagen sie noch höher. Im Klartext: Kostete eine private Krankenversicherung etwa 500 Euro im Monat, flossen an die MEG Provisionen von 4000, 5000, 6000 oder mehr Euro - für einen einzigen Versicherungsvertrag. Diese Prämien waren so konstruiert, als bliebe der Kunde ein Leben lang bei der Versicherung.

Die Wirklichkeit sah anders aus. Es gab jede Menge Stornierungen. Für diese Stornierungen hätte die MEG das Geld an die Versicherungen zurückgeben müssen. Die Storno-Quote in der Versicherungsbranche soll bei 30 bis 40 Prozent liegen. Also hätte die MEG von beispielsweise 1000 Euro Einnahmen 300 bis 400 Euro für die Stornos zurücklegen müssen. Das tat man nicht oder zu wenig. Man wirtschaftete mit den 1000 Euro, um beim Beispiel zu bleiben.

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Bezahlt wurde der Luxus nicht vom Gewinn, sondern aus dem Umsatz. Das funktionierte nur so lange, wie ständig neue Verträge abgeschlossen werden konnten. Das heißt, die Zahl der Neuverträge musste die der Stornos bei Weitem übertreffen. Damit tat man sich zunehmend schwerer. Die Vermittler, so erzählen Insider, versuchten, die hohen Abschlussraten aufrechtzuerhalten, indem Verträge manipuliert wurden oder Ausschlusskriterien für eine private Krankenversicherung wie Allergien nicht abgefragt wurden. Selbstverständlich platzten auch diese Verträge. Zum Ende der MEG näherte sich die Stornorate fast 100 Prozent. Die Versicherungen zogen sich zurück. Die MEG war pleite. (tho)

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