Stadt stellt Beteiligungsbericht für Gesellschaften vor: Bezüge der Chefs offengelegt

Kassel. Die Krise, die ab Herbst 2008 die internationalen Finanz- und Wirtschaftsmärkte prägte, hat die städtischen Beteiligungen nicht betroffen.

Dr. Gerhard M. Sontheimer (GNH): 272 000 Euro Foto: nh

Mit dieser guten Nachricht wartet Kassels Stadtkämmerer und Beteiligungsdezernent Dr. Jürgen Barthel (SPD) im jetzt vorgelegten Beteiligungsbericht der Stadt Kassel für das Jahr 2008 auf. Barthel sieht die bisherige Krisenfestigkeit als ein Indiz dafür, „dass die Beteiligungsgesellschaften nachhaltig wirtschaften“. Deshalb sei er „optimistisch, dass wir auch für die kommenden Jahre mit ordentlichen Ergebnissen rechnen können“.

Andreas Helbig (KVV): Bezüge 326 000 Euro Foto: Fischer (nh)

An mehr als 50 Gesellschaften ist die Stadt unmittelbar oder mittelbar beteiligt. Das Spektrum reicht von der Gesundheit Nordhessen Holding (GNH) AG - mit insgesamt 4700 Mitarbeitern einer der größten Arbeitgeber der Region - über die Stadtwerke und die Kasseler Verkehrs-Gesellschaft (KVG) bis zum Müllheizkraftwerk und der Gemeinnützigen Wohnungsbaugesellschaft (GWG), die mit annähernd 8800 Wohnungen größter Vermieter in der Stadt ist. Die kleinste Beteiligung der Stadt sind 6200 Euro, was einem Anteil von 0,1 Prozent an der Genossenschaft Vereinigte Wohnstätten 1889 entspricht. Insgesamt hält die Stadt Kapitalbeteiligungen von 90,3 Millionen Euro. Dickster Brocken sind 68,2 Millionen Euro, die in der Kasseler Verkehrs- und Versorgungs GmbH (KVV) stecken. Unter diesem Konzerndach sind unter anderem Stadtwerke und KVG, Fernwärme, Müllheizkraftwerk und die Telefongesellschaft Netcom gebündelt.

Norbert Witte (KVV): Geschätzt 200 000 Euro

Prächtig entwickelt haben sich auch die Gehälter des Spitzenpersonals der Gesellschaften, wie ein Blick in den Anhang des Beteiligungsberichts verrät. Dort ist eine „Übersicht über die Offenlegung der Bezüge“ dokumentiert. An der Spitze steht KVV-Chef Andreas Helbig mit insgesamt rund 326 000 Euro Bezügen im Jahr 2008. GNH-Vorstandsvorsitzender Dr. Gerhard M. Sontheimer verdiente 272 000, seine Vorstandskollegin und Arbeitsdirektorin Birgit Dilchert 157 000 Euro.

Der inzwischen aus KVV-Diensten ausgeschiedene Technik-Vorstand Martin Kiok ist in der Übersicht mit 213 000 Euro notiert - ein Betrag, den in etwa auch der neue Technik-Mann und Tiefbauingenieur Norbert Witte erhalten dürfte. Der nicht wiedergewählte Ex-Stadtbaurat aus den Reihen der CDU hat damit seine früheren Rathaus-Bezüge als nach Besoldungsstufe B 6 bezahlter Wahlbeamter (rund 8000 Euro monatlich) kräftig gesteigert. Durch Wittes üppiges Einkommen als Vorstand im Stadtkonzern muss die Stadt aber an ihn keine ansehnliche Pension zahlen, auf die Witte ansonsten Anspruch hätte. GWG-Geschäftsführer Peter Ley verdiente 151 000 Euro, Kassels Tourismus-Chef Knut Seidel 120 000, documenta-Geschäftsführer Bernd Leifeld 124 000 und Wirtschaftsförderungs-Chef Thilo von Trott zu Solz 144 000 Euro.

HINTERGRUND

Von Jörg Steinbach

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