Kassel

Früheres Gefängnis wird aufgestockt: Hier sollen neue Wohnungen entstehen

Früheres Gefängnis Elwe am Unterneustädter Kirchplatz Leipziger Straße 11 wird aufgestockt, vier weitere Wohnungen entstehen auf dem Dach, im Bild Eigentümer Rechtsanwalt Christopher Posch
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Neue Wohnungen in luftiger Höhe: Das Betondach des füheren Gefängnisbaus wurde geöffnet, die Wandelemente der neuen Wohnungen werden in Holzständerbauweise per Kran eingesetzt. Rechtsanwalt Christopher Posch, der in dem niedrigen Gebäude im Hintergrund seine Kanzlei hat, ist der Bauherr.

Aus den Zellen der früheren Justizvollzugsanstalt „Elwe“ in Kassel sind moderne Wohnungen geworden. Jetzt werden auf dem Dach weitere Wohnungen gebaut.

Kassel - An dem imposanten früheren Gefängnisbau am Unterneustädter Kirchplatz sind Bauarbeiten im Gange. Die Backsteinfassade zur Hafenstraße hin ist mit Schutznetzen verhängt, ansonsten ist außen wenig zu sehen. Nur aufmerksamen Betrachtern fällt auf, dass das Gebäude ein klein wenig in die Höhe gewachsen ist: Die zwei Seitenflügel der „Elwe“, wie der Bau im Kasseler Volksmund heißt, werden um je eine Wohn-Etage aufgestockt.

Zum Wohnstandort ist die ehemalige Untersuchungshaftanstalt schon vor fünf Jahren nach einem großen Umbau geworden. Während der Kopfbau am Unterneustädter Kirchpatz gut 30 kleinere Eigentums-Apartments enthält, gibt es weiterhin zwölf geräumigere Mietwohnungen sowie das Boardinghaus Livinspace.de mit zwölf Apartments für Menschen, die beruflich für eine befristete Zeit in Kassel sind. Vermieter in beiden Fällen ist Rechtsanwalt Christopher Posch, mit seiner Kanzlei auf dem Gelände ansässig und einer der Investoren des damaligen Umbaus.

Ehemaliges Gefängnis in Kassel: Neue Wohnungen über den Dächern der Stadt

Die Idee, auf die Seitenflügel noch eine Etage draufzusetzen, habe schon länger bestanden, erläuterten Posch und sein Architekt Markus Hanisch vom Kasseler Büro Punkt 4 Architekten jetzt im Ortsbeirat Unterneustadt. Entstehen sollen vier Wohnungen mit eindrucksvollem Blick über die Dächer der Stadt, 75 bis 90 Quadratmeter groß und jeweils mit Dachterrasse. In einem Fall werde diese an den alten Gefängnis-Wachturm angebunden, der dann als eine Art Wintergarten mit besonderem Reiz fungieren soll.

Für die Aufstockung wurde das massive, auf Stahlträgern ruhende Betondach der Seitenflügel geöffnet. Die Wandelemente der neuen Wohnungen werden in Holzständerwerk-Bauweise vorgefertigt und mit einem Autokran an Ort und Stelle gesetzt, daher geht es recht flott voran.

Alter Wachturm wird zum Wintergarten für eine der neuen Wohnungen.

Elwe in Kassel: Neue Wohnungen in ehemaligem Gefängnis nächstes Jahr bezugsfertig

Wegen der Besonderheit des Bauwerks aus der Kaiserzeit waren laut Posch längere und ausführliche Konsultationen mit der Denkmalpflege erforderlich. Durch die Zusammenarbeit mit dem Denkmalbeirat sei auch zu Tage gekommen, dass das Gebäude mit der geplanten Form der Aufstockung wieder näher an seinen ursprünglichen Zustand kommen werde. Der bisherige obere Abschluss der Seitenflügel sei niedriger und erst in späteren Jahren entstanden.

Architekt Hanisch erläuterte, dass die aufgebauten Etagen leicht zurückspringen und daher von der Straßenebene aus kaum wahrzunehmen sein werden. Das neue Walmdach werde das Hauptportal an der Stirnseite des Gebäudes nicht an Höhe überragen. Nach Angaben von Eigentümer Posch werden die neuen Wohnungen auf dem Dach der Elwe bisher noch nicht vermarktet. Er rechne damit, dass sie Anfang kommenden Jahres bezugsfertig sein werden.

Seit zwölf Jahren kein Gefängnis mehr: Nach aufwändigem Umbau bis 2016 beherbergt der historische Gebäudekomplex am Unterneustädter Kirchplatz gut 50 Eigentums-, Miet- und Kurzzeitwohnungen.

Hintergrund: Postanschrift gab der Elwe in Kassel ihren Namen

Die Elwe verdankt ihren Namen der Postanschrift: Leipziger Straße 11. Der 1874 bis 1876 errichtete Gefängnisbau war ab 1969 eine Zweigstelle der JVA Wehlheiden, seit 2001 wieder selbstständig als Untersuchungsgefängnis und Abschiebehaftanstalt. Ende 2009 wurde die Elwe wegen hohen Sanierungsbedarfs vom Land Hessen geschlossen.

Die von Projektentwickler Gotthard Fels und Anwalt Christopher Posch gegründete Elwe GmbH mietete das Gebäude zunächst und baute es vorübergehend zum Hotel um, in dem Gäste der documenta 2012 in originellem Knast-Ambiente logierten. Im selben Jahr kaufte die GmbH das ehemalige Gefängnis.

In den folgenden Umbau zu Wohnzwecken flossen 5,5 Millonen Euro. Nach der Vermarktung der Eigentums-Apartments im Kopfgebäude zog Initiator Fels sich aus dem Projekt zurück. (Axel Schwarz)

Die JVA in Kassel wurde im vergangenen Jahr saniert. Auch die Fenster werden vergrößert.

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