50 Wohnungen im ehemaligen Untersuchungsgefängnis

Baustart im alten Knast: Elwe wird Wohnhaus

Holzrahmen statt Gitterstäbe: Mit den neuen Fenstern verändert die Elwe ihr Gesicht. Foto: Fischer

Unterneustadt. Baustart in der Elwe: Was während der documenta 13 eine Alternative für unerschrockene Kunstfreunde war, wird nun Wirklichkeit: Wohnen im Knast.

Der Umbau des ehemaligen Untersuchungsgefängnisses an der Leipziger Straße 11 in der Unterneustadt hat begonnen. Die Wände im Hof, in dem die Gefangenen ihre Runden drehten oder Basketball spielten, sind schon weg.

„Spätestens im September nächsten Jahres sollen die ersten einziehen können“, sagt Bauherr Gotthard Fels. Der Baunataler Unternehmer hat die Elwe im Herbst 2012 gemeinsam mit seinem Geschäftspartner Christopher Posch vom Land Hessen für 570 000 Euro gekauft. Ihre Elwe GmbH investiert fünf Millionen Euro in den Umbau.

Blick in den Hof: So soll es dort nach dem Umbau aussehen. Illustration: Fels Architekten

Aus den alten Zellen mit bis zu 60 Zentimeter dicken Wänden soll attraktiver Wohnraum in einem aufstrebenden Quartier werden. Auf dem ehemaligen Messeplatz gegenüber ist mit der Wiedergründung der Unterneustadt ein lebendiges Wohnviertel entstanden, und in der Hafenstraße hat die Diakonie neue Häuser mit Angeboten für Jung und Alt geschaffen. Mit dem Umbau der Elwe wird weiteres Leben rund um den Unterneustädter Kirchplatz einziehen. In dem denkmalgeschützten Gebäudekomplex aus dem späten 19. Jahrhundert werden 50 Eigentumswohnungen entstehen – die kleinsten mit 25 Quadratmetern im Hauptgebäude, die größten mit bis zu 70 Quadratmetern an der Hafenstraße. Bis auf drei Wohnungen sind nach Angaben des Bauherren bereits alle verkauft. Kaufpreis: 2000 bis 2500 Euro pro Quadratmeter.

Die ehemalige Gefangenen-Sporthalle auf dem Gelände hat inzwischen die Stadt Kassel erworben, sie soll der benachbarten Unterneustädter Schule als Turnhalle für die Grundschulkinder zur Verfügung stehen.

Hintergrund: Elwe: Anschrift war Namensgeber 

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Das Untersuchungsgefängnis Elwe wurde von 1874 bis 1876 erbaut und war bis zu seiner Schließung Kassels älteste Vollzugsanstalt. Die Nebengebäude wurden 1906 errichtet. Das Gefängnis (korrekte Bezeichnung: Justizvollzugsanstalt III) verdankt seinen Namen der Postanschrift: Leipziger Straße 11. Bis 1969 war die Elwe selbstständige Justizvollzugsanstalt (JVA) für Männer und Frauen. Dann wurde sie Zweigstelle der Justizvollzugsanstalt Wehlheiden. Ab 2001 war das Untersuchungsgefängnis, zu dem Einrichtungen in Kaufungen und Baunatal gehörten, wieder selbstständig. Zuletzt saßen dort 90 Insassen ein. 1994 machte die Elwe mit einer Gefangenenmeuterei Schlagzeilen. Der Arbeitstrakt wurde bei dem Aufstand zerstört und später wieder aufgebaut. Ende 2009 wurd die Elwe wegen des hohen Sanierungsbedarfs – im Raum standen 7,5 Millionen Euro – geschlossen.

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