Nachfolgebau entsteht in alter Kammer

Baustart für neue Stadtschleuse: Freie Fahrt für Boote ab Mai 2023

Die Kasseler Stadtschleuse nahe der Hafenbrücke
+
Seit 2016 aus Sicherheitsgründen gesperrt: Vor der Kasseler Stadtschleuse endet seither die Fahrt für größere Boote aus beiden Fulda-Richtungen im Stadtgebiet. In zwei Jahren soll die Durchfahrt wieder möglich sein.

Seit fünf Jahren ist die Kasseler Stadtschleuse aus Sicherheitsgründen gesperrt. Jetzt wird mit dem Bau einer neuen Schleuse begonnen, sie soll bis Mai 2023 fertiggestellt sein.

Kassel - Fünf Jahre nach der Sperrung der maroden Kasseler Stadtschleuse wird jetzt der Neubau des Wasserbauwerks in Angriff genommen, das es größeren Booten ermöglicht, zwischen beiden Fulda-Abschnitten im Stadtgebiet zu wechseln.

Wenn alles glatt läuft, soll die neue Schleuse bis zum Mai 2023 fertiggestellt sein, sagte Oberbürgermeister Christian Geselle am Dienstag bei einer symbolischen Spatenstich-Zeremonie zum Baustart. So könne sich übernächstes Jahr voraussichtlich wieder ein großer Wasserfestzug zum Zissel unbehindert auf dem Fluss formieren.

Die alte Schleusenkammer aus dem Jahr 1913 wird demnächst abgestützt und leergepumpt, sie dient dann als Baugrube für die neue Stahlbeton-Schleuse, die mit etwa 35 mal 7 Metern deutlich kompakter ausfallen wird. Für Sport- und Ausflugsboote reicht das locker aus, große Lastkähne wie früher sind auf diesem Fuldaabschnitt längst nicht mehr unterwegs.

Die neue Dimension entspreche jener der Schleusen im weiteren Flussverlauf Richtung Hann. Münden, sagte Bauleiter Uwe Neuschäfer von Kasselwasser. Der städtische Eigenbetrieb wird auch für das Management der Schleuse zuständig sein. Die Bootsführer sollen die weitgehend automatisierte Anlage selbst vor Ort bedienen können.

Zu der kleinen Baustart-Feier waren zahlreiche Vertreter von Stadtverwaltung, Wassersportklubs, Politik und beteiligten Behörden gekommen. Ebenfalls dabei: Verteter der ausführenden Firma Laudemann aus Sontra und des Bremer Ingenieurbüros Inros Lackner, die in europaweiten Ausschreibungen den Zuschlag für das Schleusenprojekt erhalten haben.

Dass es sich dabei um ein bundesweit bisher einzigartiges Vorhaben handelt, machte noch einmal Hessens Justizministerin Eva Kühne-Hörmann deutlich. Für das Land Hessen hatte sie sich im Verein mit Stadt- und Regionalpolitikern für eine Lösung eingesetzt, nachdem die Bundesrepublik als Eigentümerin der Schleuse im Zuge einer Rückstufung der Bundeswasserstraße Fulda das marode Bauwerk ersatzlos stilllegen wollte. Der kreative Protest der Wassersportvereine habe eine breite „Bürgerbewegung angestoßen“ und Boden für eine politische Lösung mit Modellcharakter bereitet, sagte Kühne-Hörmann.

In langwierigen Verhandlungen wurde erreicht, dass die Stadt Kassel seit April 2020 wieder Eigentümerin der Schleuse ist, aber die erheblichen Baukosten nur zu einem Viertel schultern muss. Ein weiteres Viertel gibt das Land Hessen, 50 Prozent übernimmt der Bund. Allerdings werden sich die drastisch gestiegenen Bau- und Materialkosten auch auf das Schleusenprojekt auswirken: Aus ursprünglich geschätzten 7,5 Millionen dürften nun 10 Millionen Euro werden, schätzt die Stadtverwaltung. (Axel Schwarz)

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Kommentare

Hinweise zum Kommentieren:
Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.