Vereinsmitglieder fordern Sanierung

Schadstoffbelastete Fackelteich-Anlage: Kleingärtner lehnen Wegzug ab

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Blick von der B83-Brücke hinab auf die Kleingartenanlage Fackelteich: Bei der von den Vereinsmitgliedern geforderten Teilsanierung (Variante 2a) würde der Bereich rechts neben der Zufahrtsstraße wegfallen, weil deponiert werden.

Kassel. Von Aufgabe bis Sanierung: Für die Facklteich-Anlage in dem Kasseler Stadtteil Unterneustadt gibt es mehrere Varianten. Für die Kleingärtner gibt es aber nur eine Lösung.

Die Entscheidung des Landes Hessen und der Stadt Kassel, was mit dem durch zu viel Blei und Kohlenwasserstoffen belasteten Gelände geschehen soll, steht noch aus. Vorab stellen die Fackelteich-Kleingärtner aber erneut klar, dass für sie ein Wegzug von der Fläche im Stadtteil Unterneustadt nicht in Frage kommt.

Mit großer Mehrheit haben sich kürzlich die Mitglieder des Kleingärtnervereins für eine Sanierung des Geländes und für den Verbleib ausgesprochen, betont der Vorsitzende Michael Zaun. Sowohl der Umzug in andere Kasseler Kleingartenanlagen als auch der in eine neue Kleingartenanlage werde abgelehnt. „Der Großteil sagt Nein“, erklärt Zaun. An der Umfrage während einer außerordentlichen Mitgliederversammlung hätten sich 206 der insgesamt 309 verbliebenen Fackelteich-Kleingärtner beteiligt.

75 Gärten stehen leer und können nicht neu verpachtet werden, seitdem das Regierungspräsidium Kassel (RP) die Kleingartenanlage im Juni 2016 wegen Überschreitung der Grenzwerte für Blei und für polyzyklische aromatische Kohlenwasserstoffe (PAK) als Altlast eingestuft hat. Im Januar hatten Stadt und Land fünf Varianten vorgestellt, wie mit dem belasteten Gelände umgegangen werden könnte.

Anlass für den Vorstoß der Fackelteich-Kleingärtner gibt ihnen die Einschätzung, dass es entweder auf die vorgestellte Variante 2a (Teilsanierung) oder aber auf die Variante 4, also auf die Aufgabe des Kleingartengeländes, hinauslaufen wird. Letzteres wollen die Gärtner unbedingt vermeiden, betont der Vorsitzende in ihrem Namen.

Der Verein plädiert deshalb im Vorfeld der Entscheidung für Variante 2a. Diese sieht die Teilsanierung des Geländes mit geschätzten Kosten von 18,3 Millionen Euro vor. Wie Zaun ausführt, würden dabei zwei Drittel (rund 133 000 Quadratmeter) der Gesamtfläche ausgehoben, bis auf den natürlichen Boden saniert und mit unbelastetem Boden aufgefüllt. Zudem würden rund 57 400 Quadratmeter im Norden der Anlage deponiert. Etwa 271 der insgesamt 395 Parzellen könnten erhalten bleiben. Die Gesamtbauzeit wird auf zwei Jahre geschätzt.

Bei Untersuchungen des Bodens im Dezember 2015 waren bis zu vierfach erhöhte Werte für die Belastung mit Blei und bis zu achtfach überschrittene Werte für die Belastung mit polyzyklischen aromatischen Kohlenwasserstoffen (PAK) im Boden der Kleingartenanlage festgestellt worden. Eigentümerin der Fläche ist das Land Hessen. Die Stadt Kassel gilt als Verursacherin der Schadstoffbelastung, da sie das rund 178 000 Quadratmeter große Gelände von 1910 bis in die 1930er-Jahre als Müll- und Schuttkippe genutzt hatte. Wer die Kosten der Sanierung zu tragen hat, ist noch unklar.

Diese fünf Varianten stehen zur Diskussion:

  • Variante 1 Teilsanierung, geschätzte Kosten von 17,6 Mio. Euro – nur unbefestigte und nicht überbaute Flächen werden saniert, Boden wird bis in einen Meter Tiefe ausgehoben
  •  Variante 2 Komplettsanierung, 24,2 Mio. Euro: gesamte Fläche wird saniert, Boden ein Meter tief ausgehoben
  • Variante 2a Teilsanierung, 18,3 Mio. Euro: etwa 133.000 der 178.000 Quadratmeter werden bis auf zwei Meter Tiefe saniert, die Restfläche als Deponie genutzt
  • Variante 3 Abdeckung des Geländes , 10,3 Mio. Euro
  • Variante 4 Aufgabe der Kleingärten, acht Mio. Euro: 30-Zentimeter-Deckschicht wird aufgebracht.

Lage der Fackelteich-Anlage:

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