Unterschriften gegen das Vorhaben gesammelt

Anwohner der Blücherstraße in Kassel gegen Ausbau: 21 Parkflächen weniger für breitere Fahrradstraße

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Stellplätze sind oft von Stadtbesuchern belegt: Rund um die Blücherstraße brauchen auch Anwohner ausreichend Raum zum Parken, fordern (von links) Michaela Pecht, Uwe Zinngrebe, Dagmar und Stephan Becker.

Anwohner der Blücherstraße in der Unterneustadt wehren sich gegen den geplanten Ausbau der Fahrradstraße. Sie sammeln Unterschriften gegen das Vorhaben, weil Autostellplätze wegfallen sollen.

Gegen einen grundsätzlichen Vorrang für Radler seien sie nicht, betonen die Initiatoren. Was ihnen aber Sorge bereitet, ist der Plan, dass in dem dicht beparkten Quartier jeder sechste Autostellplatz am Straßenrand wegfallen soll.

Nach Angaben der Stadt sollen 21 von 132 Stellplätzen verschwinden, um mehr Raum für Radler zu markieren und weitere 26 Abstellbügel für Fahrräder zu setzen. 

Dabei hätten Anwohner  bereits jetzt erhebliche Schwierigkeiten, einen Parkplatz zu finden, sagt Uwe Zinngrebe, der an der Blücherstraße wohnt: „Das Problem hier ist, dass es einfach keinen Platz gibt.“

Nicht nur Anwohner nutzen die Parkflächen

Dabei seien es zum größten Teil nicht die Anwohner, die die raren Parkflächen in Anspruch nehmen, zählt Mitstreiter Stephan Becker auf: Schon ab frühmorgens würden ungezählte Arbeitnehmer und Innenstadt-Bummler ihre Autos im Blücherviertel parken – bei kurzem Spaziergang über die Drahtbrücke in Richtung Friedrichsplatz steht ihr Wagen dort den ganzen Tag kostenfrei.

Hinzu kämen dann noch sämtliche motorisierten Oberstufenschüler der Herderschule: Nur die Lehrkräfte könnten auf dem Schulgelände parken. 

Der Spiel- und Trainingsbetrieb beim Fußballverein CSC 03, beim Tennisclub Rot-Weiß und auf den Waldauer Wiesen ziehe zu anderen Tageszeiten weiteren Verkehr ins Quartier. Die Belastung durch Parkplatzsuchende sei inzwischen „mehr als grenzwertig“, sagt Stephan Becker.

Durch die Rückbaupläne der Stadt fühlen sich die Anwohner mit ihren Belangen allein gelassen. Sie machen geltend, dass die Blücherstraße – anders als etwa die Menzelstraße, die ebenfalls Fahrradstraße ist – zu beiden Seiten mit Altbau-Mietshäusern bestanden ist, die kaum über eigene Garagen auf den Grundstücken verfügen.

"Wollen keinen Klassenkampf"

Insbesondere stört sie der Eindruck, dass die Fahrradstraßen-Pläne über ihre Köpfe hinweg gemacht werden: „Wir fahren alle selber Rad und wir wollen keinen Klassenkampf“, betont Stephan Becker. 

„Aber wir kommen uns ein wenig vor wie Versuchskaninchen einer grünen Verkehrspolitik“, sagt er mit Blick auf den grün dominierten Unterneustädter Ortsbeirat, der die Neuordnungspläne grundsätzlich begrüßt hatte.

„Wir wünschen uns einen Dialog, der auch unsere Belange ernst nimmt“, sagt Becker. Dabei müsse auch über Konzepte geredet werden, wie der Wegfall der 21 Parkflächen kompensiert werden könne – etwa indem man den Parkplatz vor der Turnhalle der Herderschule an der Ecke Körner- und Jahnstraße entsprechend vergrößert oder zu bestimmten Zeiten das Parken auf dem meist ungenutzten Messeplatz Schwanenwiese gestattet. 

165 Unterschriften gesammelt

Und für das Aufstellen weiterer Fahrradständer gebe es an der Blücherstraße „so viele ungenutzte Ecken, ohne dass man Raum fürs Parken opfern müsste“, ergänzt Michaela Pecht, Wirtin der Kneipe „JWD“.

Binnen einer Woche hat die Anwohner-Initiative 165 Unterschriften für diese Forderung gesammelt und der Stadtverwaltung sowie den Fraktionen im Stadtparlament zugeleitet. „Es gab lediglich zwei Haushalte, die mit den Planungen einverstanden waren“, sagen Becker und Zinngrebe.

Die SPD-Fraktion hat darauf inzwischen reagiert und einen Gesprächstermin vor Ort in Aussicht gestellt.

Stadt verweist auf "zumutbare Alternativen"

„Es ist klar, dass öffentlicher Verkehrsraum nicht beliebig vermehrt werden kann“, teilte die Pressestelle im Rathaus zum Anliegen der Unterneustädter Initiative mit. 

Um den notwendigen Raum für mehr und sichereren Radverkehr zu schaffen, müsse künftig vermehrt mit solchen Umwidmungen gerechnet werden. 

Im Fall der Blücherstraße solle auf Anregung des Ortsbeirats aber geprüft werden, ob die Bereiche fürs Anwohner-Parken mit Berechtigungsausweis ausgedehnt oder zeitlich abgestuft werden können. 

Die Stadt verwies darauf, dass es zu den an der Blücherstraße entfallenden Stellplätzen Alternativen in „zumutbarer“ beziehungsweise „fußläufiger Entfernung“ gebe.

Im April berichtete die HNA auch von einer achttägigen Fahrradtour für den Klimaschutz, an der sich erstmals der Mitgliederladen Unterneustadt an der Blücherstaße beteiligt hat.

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