Schwimmender Technologieträger

Bootsliegeplatz in der Unterneustadt: Große Pläne auf dem Fluss

Kassel. Für den viel diskutierten Bootsliegeplatz in der Unterneustadt hat Bauherr Hans-Georg Grone große Pläne, die für einiges Aufsehen sorgen dürften: Am Fuldaufer nahe der Drahtbrücke soll kein gewöhnliches Hausboot anlegen, sondern eine Art schwimmender Technologieträger.

Auf dem sollen umwelttechnische Neuerungen gezeigt und vermarktet werden. Wohnen können soll man an Bord aber auch.

Gegenüber der HNA gab Grone einen Einblick in seine Planungen. Was wie ein futuristischer Ausstellungspavillon aussieht, ist ein Schiff, das auf der Fulda mit eigenem Antrieb mobil sein soll und keine Leitungsverbindungen zum Ufer benötigt. Daher benötigt Grone von der Stadt Kassel keine weitere Erlaubnis für sein Vorhaben. Für alles, was sich auf der Bundeswasserstraße Fulda abspielt, hat er Genehmigungen vom Wasser- und Schifffahrtsamt.

Der Diplomingenieur und Unternehmer spricht von einem Prototypen, den er gemeinsam mit Partnern aus Industrie und Forschung entwickeln wolle. Seit einem Jahr sei auch die Kaufunger Firma Stahlbau Lamparter involviert, die den 20 mal 6 Meter großen Bootskörper konstruieren solle. „So was haben die noch nie gemacht“, sagt Grone, der mit Gesamtinvestitionskosten von 1,2 Millionen Euro rechnet.

Boot soll autark und mobil sein

Energie- und entsorgungstechnisch solle das Wasserfahrzeug autark sein: Am Liegeplatz solle aus dem Schiffsrumpf eine Unterwasser-Strömungsturbine ausfahren und mithilfe des Fuldawassers den benötigten Bordstrom produzieren. Ein Elektro-Hybridantrieb soll auch zum Einsatz kommen, wenn das Schiff einmal bewegt werden muss.

Hans-Georg Grone

Dann kommt laut Grone eine hydraulische Hebetechnik zum Tragen. Denn mit sechs Metern Höhe über der Wasserlinie wird das Boot rund zwei Meter zu hoch sein, um die umliegenden Brücken passieren zu können. Für diesen Zweck sollen die Decken und Wände der oberen Kabinen kurzerhand abgesenkt werden.

Frischwasser soll in einem Tank mitgeführt, bei der Abwasserbehandlung sollen neue Konzepte für Klein-Kläranlagen getestet werden: Vorschriftsmäßig geklärtes Wasser will Grone in die Fulda entlassen, feste Rückstände verpressen und an Bord zwischenbunkern.

Alles zusammen solle „wie ein schwimmender Messestand“ werden, sagt Grone. Die Erkenntnisse seien nutzbar für Binnenfrachtschiffe, Sportboote, Camping, private Haushalte und andere Bereiche.

Er selbst wolle an Bord ein Büro einrichten, Forscher und Firmenbesucher aber sollten die Möglichkeit bekommen, an Bord zu übernachten. Bei 125 Quadratmetern Kabinenfläche auf jeder der zwei Etagen dürfte es keine Platzprobleme geben. Langfristig hat Grone vor, ein zweites Schiff gleicher Bauart an seinen 40 Meter breiten Liegeplatz zu legen.

Das alles klingt visionär, die Thematik selbst ist für Grone aber nicht neu: An einer alten Mühle in Helsa plant er seit Längerem mit dem Kasseler Netzwerk Dezentrale Energietechnologien (DeENet) ein ökologisches Vorzeige-Kleinkraftwerk. Landkreis, Gemeinde und Regierungspräsidium unterstützen dieses Vorhaben.

Von Axel Schwarz

Rubriklistenbild: © Infografik

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert. Nutzer, die diesen Dienst nicht verwenden, können sich hier über das alte HNA-Login anmelden.

Hinweise zum Kommentieren:
In der Zeit zwischen 17 und 9 Uhr werden keine neuen Beiträge freigeschaltet.

Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.

Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.