Zwei Schüler berichten

Wenn der Gang in die Schule für Ängste sorgt: Schüler haben Sorgen wegen Corona-Infektion

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Halten den Unterrichtsbeginn für die Abschlussklassen für verfrüht: Thilo Milker und Zeinab Wehbi von der Herderschule.

Nach der Corona-Pause müssen die ersten Schüler in der Region Kassel wieder in die Schule. Aber nicht für alle ist die Entscheidung über die Rückkehr zur Schule nachvollziehbar. 

  • Nach der Corona-Pause kehren die ersten Schülerinnen und Schüler in der Region Kassel wieder zur Schule zurück
  • Schüler aus der Herderschule in Kassel haben Angst vor einer Ansteckung
  • Die Abstands- und Hygieneregeln seien im Schulalltag schwer einzuhalten

Kassel - Thilo Milker und Zeinab Wehbi müssen wie 200 weitere Herderschüler nach der Corona-Pause wieder in die Schule gehen. Doch der 17-Jährige aus Kaufungen und die 18-Jährige aus Kassel fühlen sich sehr unwohl dabei.

Die Schüler der zwölften Klasse halten das Risiko einer Infektion für größer als die Gefahr, Unterrichtsstoff zu verpassen. Zumal das digitale Lernen zunehmend besser geklappt habe.

Corona in Kassel: Schulrückkehr sei unverantwortlich

Milker und Wehbi gehören keiner Risikogruppe an und haben auch in ihrer Familie keine Personen mit Vorerkrankungen. Trotzdem halten sie es für unverantwortlich, die Schüler zu diesem Zeitpunkt wieder in den Präsenzunterricht zu schicken.

„In der Schule ist es schlicht unmöglich, immer den geforderten Abstand von 1,50 Meter einzuhalten“, sagt Wehbi. Spätestens in den Fluren kämen sich die Schüler näher. Zwar würden die Klassen kleingehalten und separiert, die Lehrer seien aber im direkten Austausch mit ihren Kollegen und Schülern aus anderen Gruppen. „Wir sind nicht die Einzigen, die sich in der Situation unwohl fühlen. Im direkten Gespräch habe ich das auch von anderen gehört“, sagt Wehbi. Viele ihrer Mitschüler würden dies aber nicht öffentlich einräumen. Die Schule startete nach der Corona-Pause in Hessen wieder am 27. Aprl.

Corona in Kassel: Die Schule sei nicht verantwortlich

Der Schule machen die beiden keinen Vorwurf. „Dort gibt man sich wirklich Mühe, alle Vorgaben des Landes einzuhalten. Aber das reicht aus unserer Sicht eben nicht“, sagt Milker. Während der Schüler trotz des Unbehagens keinen Schultag verpasst hat, blieb Wehbi Anfang vergangener Woche der Schule aus Angst noch fern.

Es gebe mit dem digitalen Lernen eine gute Alternative, finden die beiden. Dies habe in den vergangenen Wochen auch immer besser geklappt. „Natürlich war das nicht so effektiv wie Unterricht, aber die Inhalte wurden auf jeden Fall vermittelt“, sagt Milker.

Die Schüler haben das Gespräch mit der Schulleitung gesucht. „Die hat sich unsere Sorgen angehört, kann aber an der Situation natürlich nichts ändern“, sagt Wehbi. Die Politik schaue ihres Erachtens in der Frage zu sehr auf die Mehrheitsmeinung.

Corona in Kassel: Schulleiter zeigt Verständnis

Schulleiter Stefan Alsenz zeigt Verständnis für die Nöte: „Wir erleben hier Schüler mit Ängsten vor einer Infektion. Auch wenn es nicht die Mehrheit ist, müssen wir diese ernst nehmen.“ Es gebe zum Teil eine hohe Verunsicherung, die auch in der Psyche ihre Spuren hinterlasse: „Es trifft eine Generation, die gerade erst Fridays for Future erlebt hat. Sie machen sich Sorgen um Ressourcen und die Umwelt. Und nun kam Corona. Es ist absolut nachvollziehbar, dass da die Frage kommt: Wie geht es mit unserem Leben weiter?“

Die Aufgabe des Kollegiums sei es nun, Hoffnung und Zuversicht zu verbreiten. Die Mehrheit der Schüler empfinde überdies das Tragen der Masken – das man an der Herderschule zur „moralischen Verpflichtung“ gemacht habe – als gewöhnungsbedürftig und anstrengend. Generell Pflicht an Schulen ist das Tragen einer Maske nicht.

Von Bastian Ludwig 

Weitere Neuigkeiten rund um das Thema Corona in der Region Kassel sind im News-Ticker zu finden. Nach der Corona-Pause geht die Öffnung der Schulen weiter. Zu früh, findet ein Stadtschulsprecher und äußert Kritik - auch beim Thema Homeschooling.

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