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Dieses Wohnprojekt in der Hafenstraße soll Kassel attraktiver machen

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Von: Matthias Lohr

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Der Plan für das Areal Hafenstraße 76: Unweit des Hafens sollen Räume für Wohnen, Arbeiten und Kultur entstehen. Um die Rahmenplanung kümmert sich das Kasseler Büro Bankert, Linker & Hupfeld.
Der Plan für das Areal Hafenstraße 76: Unweit des Hafens sollen Räume für Wohnen, Arbeiten und Kultur entstehen. Um die Rahmenplanung kümmert sich das Kasseler Büro Bankert, Linker & Hupfeld. © Bankert, Linker & Hupfeld / foundation 5+ architekten bda

Vorigen Sommer war die Hafenstraße 76 documenta-Standort. Nun soll hier ein ungewöhnliches Wohnprojekt entstehen. Schon dieses Jahr könnte es losgehen.

Unterneustadt – Als Sabine Schreiner vorigen Sommer den documenta-Standort Hafenstraße 76 besuchte, wusste sie, wie sie später einmal leben will. Die 57-Jährige aus der Kasseler Unterneustadt ist Mitglied im neu gegründeten Verein Kontorhauskollektiv. Die Gruppe will das 1908 erbaute und direkt an der Straße gelegene Gründerzeithaus kaufen, in dem einst der Konsum- und Sparverein Cassel residierte.

Durch Um- und Anbau soll hier bezahlbare Wohnfläche für ein kollektives Miteinander entstehen. Derzeit entwickeln die zwölf Erwachsenen zwischen 29 und 57 Jahren zahlreiche Ideen – vom Repair-Café bis zum Bauen mit wiederverwendeten Baustoffen. Wenn alles glatt läuft, sollen bereits im Sommer 2024 etwa 25 Menschen einziehen. Dann wäre es wieder ein bisschen wie bei der documenta, als sich hier Menschen aus der ganzen Welt trafen.

Das „Koop Quartier“ unweit des Hafens ist eines der spannendsten Stadtentwicklungsprojekte in Kassel. In das gesamte Gelände will der Bremer Eigentümer Sebastian Mastalka einen mittleren zweistelligen Millionenbetrag investieren, um Platz zum Wohnen und Arbeiten sowie für Kultur zu schaffen.

Das Haus direkt an der Hafenstraße will nun das Kontorhauskollektiv mit der nicht kommerziell organisierten Beteiligungsgesellschaft Mietshäuser Syndikat aus Freiburg kaufen. „Wir finden das Projekt super und sind uns alle einig“, sagt Mastalka.

Für das Projekt wollen Verein und Syndikat eine GmbH gründen, die das Haus von Mastalka zu einem nicht genannten Preis kaufen soll. Auf diese Weise könne autonom bestimmt werden, was umgesetzt werden soll, sagt Vereinsmitglied Lisa Kellermann: „Zudem wird das Haus dauerhaft dem Immobilienmarkt entzogen. Es kann nicht mehr damit spekuliert werden.“

Wegen der derzeit hohen Zinsen sammeln die Vereinsmitglieder gerade möglichst viele Direktkredite von Privatpersonen ein. „Wenn uns 100 Leute 2500 Euro leihen, haben wir einen ersten wichtigen Meilenstein geschafft“, rechnet Kellermann vor. Je mehr Geld zusammenkommt, desto weniger muss bei einer Bank geliehen werden. So könnten die Mieten für alle Bewohner günstig werden. Um- und Anbau in zwei Bauphasen werden etwa vier Millionen Euro kosten.

Entstehen sollen unterschiedliche Wohnformen für 40 Menschen, wie Nadja Nolte sagt: „Von Single-Wohnungen über WGs bis zu Clusterwohnungen, in denen man gemeinschaftlich lebt, sich aber jeder in seinen privaten Bereich mit Bad zurückziehen kann.“

Derzeit lebt die Mitarbeiterin der Kreativgruppe Raamwerk mit ihrem Freund noch im Vorderen Westen. Nolte lobt die Teamarbeit bei den Vorbereitungen für das Projekt. Es gibt mehrere Arbeitsgemeinschaften: „Man sollte Lust haben, sich einzubringen. Eine alleinstehende Frau, die nur ihre Ruhe haben will, oder ein Mann, der viel reist und einen neuen BMW hat, passen vielleicht nicht am besten in unser Projekt.“

Auch Schreiner, die für die Grünen im Ortsbeirat der Unterneustadt sitzt, ist voller Eifer, wie man aus jedem ihrer Sätze heraushören kann: „Wir brennen darauf, die Welt zu verbessern. Das wird ein total tolles Quartier werden.“ (Matthias Lohr)

Infos: kontorhauskollektiv.de

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