Finanzielle Probleme

Diakonischen Hausgemeinschaften: Demente müssen ausziehen

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Bewohner fühlen sich wohl: Die Diakonischen Hausgemeinschaften verfolgen ein ambitioniertes, pesonalintensives Konzept. Unser Foto entstand 2005 am Standort Holzmarkt.

Kassel. Die Diakonischen Hausgemeinschaften (Dihaka) in der Unterneustadt schließen ihre Einrichtungen in der Altenhilfe. Davon betroffen sind 48 Bewohner und 60 Mitarbeiter. Dagegen protestierte am Montagabend eine Gruppe von Mitarbeitern und Bewohnern.

Bis Ende des Jahres müssen die vorwiegend dementen Bewohner aus ihren Heimen an der Hafenstraße und an der Waisenhausstraße ausziehen. Der dritte Standort am Holzmarkt war bereits Anfang des Jahres aufgelöst worden.

„Das ist eine große Katastrophe“, sagt Klaus Wölbling, dessen 87-jährige Mutter seit Januar Bewohnerin der Dihaka ist. Unabhängig vom Problem, jetzt einen neuen Heimplatz zu finden, sagt er: „Meine Mutter hatte sich gut eingelebt und fühlt sich in der Hausgemeinschaft wohl.“ Ein Ortswechsel sei für Demenzkranke schlimm. „Das, was ihnen Halt gibt, wird nicht mehr da sein. Das wird meine Mutter und viele andere Bewohner aus der Bahn werfen.“

Auch die 60 Mitarbeiter, die an den zwei Standorten arbeiten, müssen bis Jahresende eine neue Arbeitsstelle suchen. Nach Auskunft von Dihaka-Geschäftsführerin Christine Reichl beabsichtigt die Dihaka gGmbH, eine Tochtergesellschaft der Diakonie Wohnstätten, die wiederum inzwischen eine Tochter der Baunataler Diakonie Kassel ist, ihre Angebote der Betreuung und Pflege von Menschen mit Demenzkrankheiten „aus betriebswirtschaftlichen Gründen“ nicht fortzuführen. Die Gesellschaft sei in eine finanzielle Schieflage geraten, sagt Reichl: „Im Juni haben wir den Wirtschaftsplan 2013/14 vorgelegt und festgestellt, dass das Geld nicht reicht, um die Einrichtung zu retten.“ Der zweite Geschäftsführer Michael Conzelmann sagt: „Wir haben jetzt festgestellt, dass die Dihaka seit ihrem Bestehen 2004 jährlich Verluste im sechsstelligen Bereich macht.“ Eine Ursache sei das „ambitionierte Konzept mit hohem Personaleinsatz“.

Es habe in der Vergangenheit Lohnabsenkungen gegeben, ohne dass die Sanierung gelungen sei. „Auf Dauer kann die Muttergesellschaft dies nicht ausgleichen, ohne selbst in Schwierigkeiten zu geraten.“ Zurzeit laufen über die Stilllegung des Betriebs Beratungen mit der Mitarbeitervertretung. „Es wird kein Bewohner auf die Straße gesetzt, Mitarbeiter sollen möglichst adäquate Angebote innerhalb der Diakonie bekommen aber auch mit anderen Trägern werden diesbezüglich Gespräche geführt. Conzelmann: „Alle Azubis werden ihre Ausbildung abschließen.“

Von Christina Hein

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