Angeboten als lukrative Geldanlage

Dubiose Geschäfte mit Flüchtlings-Wohnraum in Unterkunft in Kassel

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Um diese Häuser am Platz der Deutschen Einheit geht es: Das vordere Eckgebäude Leipziger Straße 35/37 wird für die Stadt Kassel als Flüchtlingswohnheim betrieben. Das andere Hochhaus Dresdener Straße 1 wird von Firmen genutzt.

Kassel. Als Investitionsobjekt mit traumhaften Gewinnmöglichkeiten wurde die Flüchtlingsunterkunft in einem der Glashochhäuser am Platz der Deutschen Einheit im Internet angepriesen.

Im Internet-Portal Immowelt wurden Käufer mit einer Nettorendite von 6,7 Prozent gelockt. Mieteinnahmen von wenigstens 83.500 Euro pro Monat wären einem Erwerber der millionenteuren Immobilie sicher: Diese Mindestmiete kommt von der Stadt Kassel garantiert, noch fast sieben Jahre lang - und zwar unabhängig davon, wie viele Flüchtlinge in dem Gebäude leben.

Im Kasseler Rathaus wurde sofort dafür gesorgt, dass das Renditeobjekt rasch wieder aus dem Internet verschwand. Denn die Zahlen aus dem Mietvertrag, den die Stadt mit dem Eigentümer der Kreisel-Häuser, dem Kasseler Unternehmer Reshat Sokoli, geschlossen hat, sollten nicht an die Öffentlichkeit kommen.

Danach kann die städtische Mietzahlung bei einer Vollbelegung der Unterkunft, die Platz für 248 Menschen hat, bis auf 119.000 Euro monatlich anwachsen. Derzeit sind aber nur 178 Bewohner dort untergebracht. Der zur Zeit der Flüchtlingswelle geschlossene Mietvertrag läuft noch bis 2024. Auch andernorts in Kassel muss die Stadt für Unterkünfte zahlen, die derzeit nicht benötigt werden. Insgesamt gibt es 2648 Wohnheimplätze, 866 davon stehen leer.

Freie Zimmer in dem Haus am Kreisel haben den Bruder des Eigentümers, Bajram Sokoli, offenbar dazu animiert, Touristenbetten auf mehreren Unterkunftsportalen anzubieten. Für gut 40 Euro pro Nacht und Person kann man dort in Mehrbettzimmern einchecken. Auch nach der documenta wird dieses Angebot offenbar genutzt.

Im Rathaus kann man den dubiosen Geschäften mit Flüchtlings-Wohnraum nicht Einhalt gebieten, weil man an den Mietvertrag gebunden sei. "Wir sind nicht glücklich mit der Situation", sagt Stadt-Pressesprecher Claas Michaelis.

Auf Anfragen der HNA nach einer Stellungnahme reagierten Sokoli oder seine Firma nicht.

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