Elwe: Wohnungen statt Knast - Umbau im September

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Kein bisschen Gefängnisflair: Unternehmer Gotthard Fels in einer Musterwohnung, die an der Ecke Hafenstraße / Leipziger Straße gelegen ist. Der Großteil der 50 Wohnungen, die in dem ehemaligen Untersuchungsgefängnis entstehen, ist bereits verkauft.

Kassel. Bald wird die Elwe zur Großbaustelle - und das ehemalige Gefängnis zur modernen Wohnanlage.

In dem denkmalgeschützten Gebäude, das im späten 19. Jahrhundert erbaut wurde, entstehen 50 Wohnungen. Im September soll der Umbau beginnen.

Die Nachfrage nach den Eigentumswohnungen sei groß, berichtet Gotthard Fels von der Firma GFI Immobilien, der das Projekt auf die Beine gestellt hat. Mehr als die Hälfte sei bereits verkauft, für die verbliebenen Wohnungen gebe es schon viele Interessenten. Nicht nur Investoren, sondern auch viele Eigennutzer seien unter den Käufern, berichtet der Unternehmer.

Die Apartments sind zwischen 26 und 68 Quadratmeter groß. „Was in Kassel fehlt, sind kleine Wohnungen, für Menschen, die allein leben“, ist der Unternehmer aus Baunatal überzeugt. Von dem zwischenzeitlichen Plan, auch ein Hotel in dem Gebäude unterzubringen, hat Fels inzwischen Abstand genommen. „Das wäre bautechnisch noch aufwendiger.“

Lexikonwissen:

Die Elwe im Regiowiki

Ohnehin wird der Umbau des früheren Untersuchungsgefängnisses kein Kinderspiel. Die Wände sind bis zu 80 Zentimeter dick und müssen an vielen Stellen weichen. Für die mittelgroßen Wohnungen werden je drei Zellen zusammengelegt, die schmalen Türen und Fenster werden verbreitert. Verglaste Anbauten mit Balkon sollen für noch mehr Licht und Raum sorgen. Auch die gesamte Haustechnik - von Elektroinstallation über Heizung bis Sanitär - wird erneuert. „Wir wollen, dass das Haus ein anderes Gesicht kriegt“, sagt Fels. Die historische Bausubstanz erhalten, aber der Zeit anpassen, lautet sein Motto.

Die Kosten für den Umbau beziffert der Immobilienunternehmer mit fünf Millionen Euro. Im Herbst soll es losgehen, Ende 2016 sollen die ersten Bewohner einziehen. In einer Musterwohnung kann man sich bereits einen Eindruck verschaffen, wie das Wohnen im ehemaligen Knast aussehen wird. Wer aus den noch düsteren Fluren mit vergitterten Fenstern in das lichte, freundliche 35-Quadratmeter-Apartment tritt, hat unweigerlich einen Aha-Effekt. Auch der Innenhof, wo jetzt noch Mauern und Stacheldraht das Bild bestimmen, soll sich wandeln in eine offene Grünfläche mit Auto- und Fahrradstellplatz.

Die ehemalige Gefangenen-Sporthalle will die Stadt Kassel voraussichtlich im Herbst kaufen und nach entsprechender Herrichtung als Turnhalle für die angrenzende Unterneustädter Schule nutzen. Im Freigängerhaus an der Hafenstraße hat bereits der bekannte Kasseler Anwalt Christopher Posch seine Kanzlei eingerichtet. Fels und Posch hatten die Elwe 2012 vom Land Hessen für 570 000 Euro gekauft. Zuvor hatten sie mit ihrer Elwe GmbH im documenta-Sommer dort bereits ein Hotel betrieben, in dem die Knast-Atmosphäre noch zum Konzept gehörte.

Damit ist jetzt Schluss. Die künftigen Bewohner werden aber vielleicht selbst lebenslänglich in ihren schicken neuen vier Wänden wählen.

www.gfi-immobilien.com

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