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Es geht ein Riss durch den Ortsbeirat Unterneustadt: Mitglieder sind zerstritten

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Von: Bastian Ludwig

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Kerstin Linne
Es geht ein Riss durch den Ortsbeirat Unterneustadt: Das Foto zeigt vorne die Spitzhacke am Hiroshima-Ufer und gegenüber das Ahoi-Gelände an der Fulda. © Pia Malmus/ Montage

Im Ortsbeirat Unterneustadt toben Grabenkämpfe. An der Ortsvorsteherin wird Kritik geübt und gegen ein parteiloses Mitglied läuft eine anonyme Unterschriftenkampagne. Nun soll es eine Vermittlung geben.

Kassel – In Ortsbeiräten wird es durchaus mal laut. In der Regel geht es dabei aber um die Sache und nicht um persönliche Differenzen. Anders als in der Stadtverordnetenversammlung sind die Gräben zwischen den Fraktionen oft nicht so groß – hier diskutieren Nachbarn miteinander. Doch der Ortsbeirat Unterneustadt bildet da eine Ausnahme. Zum einen gibt es Kritik an der Ortsvorsteherin Kerstin Linne (Grüne).

Zum anderen wurde gegen das parteilose Mitglied Ilona Racz eine anonyme Unterschriftensammlung gestartet. Ihr wird vorgeworfen, sie missbrauche ihr Mandat, das den Grünen gehöre.

Ausgangslage

Durch den Ortsbeirat geht spätestens seit der jüngsten Kommunalwahl im Frühjahr 2021 ein tiefer Riss. Auf der einen Seite stehen die Grünen, die mit gut 50 Prozent die meisten Wählerstimmen gewinnen konnten. Auf ihrer Liste stand auch Ilona Racz, die als Parteilose kandidierte. Weil Racz zuletzt auch mit CDU- und SPD-Vertretern gemeinsame Politik machte – nachdem sie sich mit Ortsvorsteherin Linne überworfen hatte – wird sie von grünen Anhängern kritisiert. Ohne Racz fehlt den Grünen eine Stimme zur Mehrheit.

Kampagne gegen Racz

Es blieb nicht bei verbalen Anfeindungen. Vergangene Woche wurde in mehreren Treppenhäusern an der Blücherstraße eine Unterschriftensammlung ausgehangen. Darin wird der Rücktritt von Racz gefordert, weil sie nicht im Sinne der Grünen agiere. SPD und CDU hätten keinen Wählerauftrag erhalten. Der Urheber der Aktion wollte lieber anonym bleiben. Jedenfalls geht dieser aus den Aushängen nicht hervor.

Ilona Racz
Sieht sich Hetzkampagne ausgesetzt: Parteiloses Mitglied Ilona Racz © privat

Racz, die schon mehrfach E-Mails mit ähnlichen Forderungen erhalten hat, fühlt sich als Opfer einer „Hetzjagd“, wie sie sagt. Sie denkt nicht daran, ihr Amt niederzulegen. „Ich bin als Parteilose angetreten und ich lebe seit 20 Jahren in der Unterneustadt. Die Menschen kennen mich und hatten insofern die Möglichkeit, eine bewusste Wahlentscheidung zu treffen.“ Insofern könne sie nicht nachvollziehen, dass von ihren Widersachern behauptet werde, sie missbrauche ihr Mandat. „Es ist ein freies Mandat. Wer auch immer die Unterschriften sammelt, hat ein merkwürdiges Demokratieverständnis.“

Zudem sei es nicht so, dass sie grundsätzlich gegen die vier grünen Mitglieder stimme. In etlichen Fällen gebe es einstimmige Beschlüsse des neunköpfigen Gremiums.

Kritik an Vorsteherin

Darüber hinaus hält Racz die Zusammenarbeit mit Vorsteherin Linne für sehr belastet, mit der sie einst befreundet gewesen sei. Diese entscheide willkürlich über die Themen der Tagesordnung. Ein häufiger Besucher der Sitzungen spricht von „vergifteter Stimmung“ im Beirat. Die Ortsbeiratsmitglieder Werner Aßmann (SPD) und Ralph Osken (CDU) monieren einen „undemokratischen Führungsstil“ und sehen eine „Überforderung der Ortsvorsteherin“, die zudem in der Stadtverordnetenversammlung sitzt. Osken plädiert für eine Befriedung. Für diese könne ein neuer Ortsvorsteher sorgen. Dieser solle natürlich von den Grünen kommen, denn diese hätten die Wahl mit respektablem Ergebnis gewonnen. Osken, Aßmann und Racz bringen dafür den aktuellen Stellvertreter Jan Röse (Grüne) ins Spiel.

Parteiloses Mitglied
Steht in der Kritik: Ortsvorsteherin Kerstin Linne © privat

Reaktion auf Vorwürfe

Ortsvorsteherin Linne, die im Frühjahr 2021 noch mit nur einer Gegenstimme vom Gremium gewählt wurde, weist die Kritik vehement zurück. Sie sei sehrwohl gut auf die Sitzungen vorbereitet und sattelfest in der Sitzungsleitung. „Alle kommen bei mir zu Wort.“ Von vielen Besuchern habe sie positive Rückmeldungen bekommen. Von Unterschriftenaktion gegen Frau Racz distanziert sie sich. „Damit hat keines der Ortsbeiratsmitglieder etwas zu tun“, so Linne.

Die Mediation

Der Stadtteilbeauftragte Steffen Müller (Grüne) kennt die Differenzen im Ortsbeirat. Es habe bereits ein erstes klärendes Gespräch im Rathaus gegeben. Ein weiteres, bei dem auch Linne eingeladen ist, soll folgen. „Wir suchen eine gemeinsame friedliche Lösung für alle Ortsbeiratsmitglieder“, so Müller. (Bastian Ludwig)

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